Tabea König

Die Erinnerung bleibt

Nach acht Wochen auf See und an Bord des Forschungsschiffs „Sonne“ hat Tabea König aus Bassum wieder festen Boden unter den Füßen. Der Alltag hat sie wieder. An ihre Zeit auf See denkt sie gern zurück.
18.12.2020, 17:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Erinnerung bleibt
Von Tobias Denne

Bassum. Seit einigen Tagen hat der Alltag Tabea König wieder. Seit einigen Tagen fährt sie wieder in die Uni nach Bremen, um dort als Hilfskraft zu arbeiten. Am Institut für Geografie arbeitet die Studentin mit Sedimentkernen. Damit kennt sich König nun ja noch eine Spur besser aus, schließlich hat die Bassumerin acht Wochen auf dem Forschungsschiff „Sonne“ gelebt und ähnliche Kerne untersucht. Seit einigen Wochen ist Tabea König wieder in Deutschland und kann auf zwei Monate Abenteuer zurückblicken. „Ich habe schon gemerkt, dass die Forschung etwas für mich ist“, sagt sie rückblickend.

Die 24-Jährige kommt ins Schwärmen, wenn sie an die Zeit an Bord denkt. „Es war zugegeben ein heftiger Kontrast“, erzählt König von den ersten Tagen zurück in Deutschland und zurück in ihrer Heimat. Während sie auf hoher See ordentlich Sonne tanken und T-Shirts tragen konnte, sieht das im Dezember in Deutschland doch ein wenig anders aus. Auch das Coronavirus spielte ab der dritten Woche kaum noch ein Thema. An Bord gab es keine Abstandsregeln, keine Masken, keine Höchstgrenze an Menschen in einem Raum. „Wir brauchten nicht daran denken“, erzählt König. Sicher, durch den Kontakt zur Familie und Freunden war das Virus und die Pandemie nicht aus den Köpfen verschwunden, aber „wir waren schon privilegiert“. Als König und ihre Mitreisenden aus Bremen nach Emden gefahren waren, wurde Bremen gerade zum Risikogebiet erklärt. Als das Forschungsschiff wieder in Emden anlegte, „haben wir uns noch mit Umarmungen verabschiedet“, berichtet König. Das geht natürlich nicht mehr, „ich musste schon oft wieder umdrehen, weil ich meine Maske vergessen hatte“, berichtet die Bassumerin und lacht. An die Zeit auf dem Forschungsschiff denkt sie gern zurück, hat unzählige Fotos und Videos gemacht, die sie erst einmal sichten musste, als sie wieder in Deutschland war.

Sie weiß, dass sie dank einer außergewöhnlichen Situation die Chance hatte, auf der „Sonne“ mitfahren zu können. „Ich hatte verdammt viel Glück“, sagt König. Denn durch die Corona-Pandemie musste die Forschungsexpedition auf ein größeres Schiff ausweichen und hatte daher genug Platz, um junge Wissenschaftler mitzunehmen. Vor etwas mehr als einem halben Jahr war König bei Forschungsleiter Gerhard Bohrmann wegen einer Vorlesung in dessen Sprechstunde und erzählte ihm eher nebenbei, dass sie gerne eine Expedition mitmachen wollte. Nur ein paar Monate später bekam sie eine Mail, dass sie dabei ist. „Viele von uns waren noch nie auf einem Schiff. So wurde uns der Einstieg in diese Forschungskreise ermöglicht“, freut sich König.

Genauso wie über die Truppe, die altersmäßig auf einer Höhe war. Durchschnittsalter: rund 25 Jahre. „Es war noch besser, als ich es mir vorgestellt habe. Das Arbeiten hat Spaß gemacht und man war gern im Labor“, schwärmt König von ihrer Zeit an Bord. Darüber hinaus habe es ihr Spaß gemacht, sich wieder in einen vollkommen neuen Themenbereich einzuarbeiten. Und abseits der Arbeit sei es so gewesen, als sei man mit seiner Clique unterwegs. Die Proben, die während der acht Wochen vor Italien und Kreta genommen wurden, befinden sich mittlerweile an der Univer­si­tät in Bre­men. Dort steht ei­nes der drei in­ter­na­tio­na­len Bohr­kern­la­ger des International Ocean Discovery Program (IODP). „Die Meeresforschung ist in Bremen gut aufgestellt“, weiß König. Die Kerne werden nun weiter untersucht, unter anderem wird in Bremerhaven das Alter bestimmt.

König arbeitet mittlerweile wieder mit Sedimentkernen, die sie und das Forschungsteam nicht aus dem Mittelmeer entnommen haben. Ganz losgelassen hat die Zeit auf dem Schiff sie natürlich noch nicht. Für ihre Zukunft kann sich Tabea König vorstellen, in die Forschung zu gehen. „Das Leben auf dem Schiff ist genau mein Ding. Und ich würde mich extrem freuen, wenn ich noch mal mitfahren kann“, hofft König. Und vielleicht geht es ja wieder schneller als erwartet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+