Fußball

Werner räumt seinen Stuhl

Ende Juli warf der TVE Nordwohlde den TSV Bassum aus dem Bezirkspokal. Einen knappen Monat später hat Coach Martin Werner sein Amt zur Verfügung gestellt.
27.08.2019, 19:00
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Von Thorin Mentrup
Werner räumt seinen Stuhl

Räumte freiwillig seinen Platz: Trainer Martin Werner hat sich beim TVE Nordwohlde verabschiedet.

THORIN MENTRUP

Nordwohlde. Am Montagabend verabschiedete sich Martin Werner vom TVE Nordwohlde: Nach mehr als drei Jahren als Trainer der ersten Fußballherrenmannschaft nahm er freiwillig seinen Hut. Schon am Wochenende hatte er den Entschluss gefasst, nun sprach er ein letztes Mal zum Team. Mit Handschlag und Umarmung jedes Spielers sagte er auf Wiedersehen.

Dass Martin Werner gemeinsam mit Bramstedts Christian Jeinsen der erste Kreisliga-Coach ist, der nicht mehr im Amt ist, das hatte wohl kaum jemand für möglich gehalten. Denn eigentlich ist die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Verein lange Zeit eine einzige Erfolgsgeschichte gewesen: Unter Werner stieg der TVE in die Kreisliga auf, spielte dort im vergangenen Jahr eine Premierensaison fernab aller Abstiegssorgen und mit Blickrichtung oberes Drittel und schaffte sogar den Einzug in den Bezirkspokalwettbewerb – zum ersten Mal seit 19 Jahren. In der ersten Runde schlugen die Nordwohlder dann sogar den Bezirksligisten TSV Bassum. Ende Juli war die Welt in Nordwohlde mehr als in Ordnung. Das vierte gemeinsame Jahr begann überaus erfolgreich. Nicht einmal vier Wochen später aber hat Werner die Reißleine gezogen. Warum?

Ein Blick auf die Tabelle legt die Lösung nahe – allerdings nur scheinbar. Denn die null Punkte nach vier Spielen seien nicht der ausschlaggebende Grund, wie Werner betont. „Ich weiß, dass die Mannschaft genügend Potenzial und Qualität hat, um da unten rauszukommen. Sie wird sich aus dieser misslichen Position befreien. Ich mache meine Entscheidung nicht vom Tabellenplatz abhängig. Mein Rücktritt war eine durchdachte Geschichte und kam nicht einfach aus dem Bauch heraus.“ Er habe sich natürlich hinterfragt nach dem Fehlstart. „Ich glaube einfach, dass ein Externer jetzt die beste Lösung ist“, meint er, dass ein Außenstehender das Team am besten wieder in die Spur führen kann.

Es braucht diese externe Lösung laut Werner etwa, um den großen Kader zu reduzieren. 28 Mann ist die Nordwohlder Erste stark. „Das bringt sicherlich Unruhe rein, aber auch eine gewisse Frustration und Ungewissheit“, sagt Werner. Der Erfolg und die Professionalisierung in den vergangenen Jahren – ein Blick auf die Mannschaftsfotos der vergangenen Spielzeiten zeigt, wie viel sich in Sachen Ausstattung und Auftreten getan hat – habe einen gewissen Leistungsdruck aufgebaut. Der, so Werner, sei aber weder von ihm noch von der Spartenleitung um Wessel erzeugt worden. „Der hat sich von selbst aufgebaut“, findet er. Die Leichtigkeit sei weg gewesen.

Letztlich halte er den Zeitpunkt des Rücktritts für genau richtig, sagt Werner. „Am Wochenende steht das Spiel gegen den Tabellenführer Seckenhausen an. In der derzeitigen Situation ist das eine klare Geschichte von der Papierform her. Wenn dort etwas anderes herausspringt als ein Sieg von Seckenhausen, ist das unglaublich positiv für Nordwohlde.“ Er mache den Weg frei für einen Neustart. Den werden erst einmal Spartenleiter Hartmut Wessel sowie Jugendtrainer und Vereinsvorsitzender Torben Reiners begleiten. „Allerdings ist das keine Dauerlösung“, betont Wessel. Auch er hofft auf eine externe Lösung, die er so schnell wie möglich präsentieren will. „Ich denke, es muss jemand von außen her, der ein bisschen Abstand hat und sich dann selbst ein Bild macht“, glaubt er. Auch Wessel hält die Mannschaft für gut aufgestellt. „Der Kader ist groß, vielleicht zu groß“, kann er aber Werners Gedankengang folgen. Er erwarte allerdings auch, dass sich die Spieler hinterfragten. „Auch wenn die Jungs noch sehr jung sind: Da geht es auch um Selbstkritik. Die Spartenleitung und ich hinterfragen uns auch“, nimmt er das Team in die Pflicht. Es müsse jetzt seinen Teil zur Wende beitragen.

Den Rücktritt Werners bedauert Wessel: „Wir hatten nie das Gefühl, dass wir mit ihm die Wende nicht hätten schaffen können. Aber wir müssen Martins Entscheidung akzeptieren.“ Die Stimmung am Montagabend beschreibt er als wehmütig. „Da ist in den letzten Jahren ja auch etwas gewachsen.“ Das sieht auch Werner so, dem der Abschied nicht leicht fiel. „Die letzten Wochen machen das Bild ganz sicher nicht kaputt. Wir haben viel erreicht. Ich habe die Mannschaft und den Verein schätzen gelernt.“ Jetzt werde er erst einmal Pause machen – und den Nordwohldern natürlich die Daumen drücken.

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