Reparatur-Café Bassum Doppelte Freude

Das Reparatur-Café kommt aus der Corona-Pause. In Bassum wird wieder ab dem 26. September gewerkelt, was das Zeug hält. Die Ehrenamtlichen freuen sich, dass es wieder losgeht - auch mit neuem Werkzeug.
17.09.2020, 17:48
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Doppelte Freude
Von Tobias Denne

Bassum. Aufgeben, das kommt für Rolf Pohler nicht infrage. „Ich kann auch schon mal eine ganze Woche an einem Staubsauger sitzen“, sagt er und schmunzelt. Wenn er etwas reparieren will, dann zieht er das auch durch. Kein Wunder, dass er sich wie sechs andere Ehrenamtliche beim Reparatur-Café in Bassum engagiert. Vor allem freut er sich über den Austausch – mit den Besuchern und den Kollegen. Und das ist wieder möglich. So starten die Ehrenamtlichen wieder ab Sonnabend, 26. September. „Es ist viel Zeit vergangen“, findet Reinhild Olma. Schließlich wurde das letzte Mal im Februar Hand an die kaputten Geräte angelegt.

„Es ist wirklich sehr gut, dass wir hierbleiben können“, freut sich Olma über die bekannten Räume des Jugendhauses Fönix. Seit mehr als einem Jahr reparieren die Ehrenamtlichen Am Petermoor 2 die defekten Geräte von Menschen, die ihre geliebte Kaffeemaschine oder das Akkordeon nicht wegwerfen wollen. Ab Sonnabend müssen sie dafür zwar die Werkstatt verlassen, bleiben aber im Jugendhaus. Dort verteilen sich die Ehrenamtlichen, damit auch der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann. Die Besucher, die sonst bei einer Tasse Kaffee über die Schulter schauen konnten, müssen nun im Innenhof bleiben. Über das Fenster werden die Geräte abgegeben, die Besucher können dann entspannt Platz nehmen. „Für die kalte Jahreszeit sollte man sich ein wenig wärmer anziehen“, empfiehlt Olma.

Maria Babic erzählt, dass zunächst überlegt worden sei, den Kontakt zu den Menschen komplett zu unterbinden. „Das gefällt uns aber nicht“, sagt sie. Sie und Marianne Kostorz organisieren verschiedene Näh-Aktionen während des Reparatur-Cafés. Kostorz hat für die Wiedereröffnung einen kleinen Corona-Bären gestrickt, extra in den Farben des Reparatur-Cafés. Drangepinnt sind die Hygieneregeln, an die sich die Leute halten sollen. „Wir wollten sie freundlich gestalten“, sagt Olma. Bei den Näh-Aktionen wurden zu Weihnachten etwa Sterne für den Tannenbaum genäht. „Wir machen keine großen Reparaturen, sondern zeigen den Leuten, wie man einen Knopf annäht oder einen Reißverschluss. Das wissen viele nicht mehr“, erzählt Babic.

Stefan Seltmann hakt ein: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Er sagt, viele Probleme lassen sich mit ein paar kleinen Handgriffen lösen. So läuft der Kaffee wieder durch, der Saugroboter macht die Wohnung wieder schön sauber oder der Rasenmäher sorgt für ein schönes Grün im Garten. Unerlässlich dabei sind natürlich die Werkzeuge. Und spezielle Geräte hat niemand einfach so zu Hause. „Das sind oft Kleinigkeiten wie die verschiedensten Schrauben“, weiß Rolf Pohler. Zwar bringt jeder Ehrenamtliche jedes Mal selbst Werkzeug von zu Hause mit, aber das deckt auch nicht alles ab. So sollen nun Geräte angeschafft werden, damit die Reparateure ordentlich loslegen können.

Das Geld dafür stamm aus einem sogenannten Crowdfunding. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) hat jüngst eine Crowdfunding-Plattform ins Leben gerufen, um regionale, soziale und ökologische Projekte zu unterstützen. Jeder, der will, kann bei einem Projekt (zu finden auf www.awg-bewegt.de) spenden. Der Vorteil dabei ist, dass viele ein Projekt unterstützen und so viel Geld zusammenkommen kann, auch wenn der Einzelne wenig spendet. „Ab einem Euro kann man spenden“, erzählt Dominik Albrecht von der AWG. Bei der Vorbereitung kam er schnell in Kontakt mit Reinhild Olma und dem Reparatur-Café. Und sie durfte sich jüngst über die erreichte Spendensumme von 400 Euro freuen. „29 Tage vor dem Ende des Zeitraums“, sagt Olma.

Demnächst soll nun unter anderem ein Rollwagen mit Steckdosenleiste als mobiler Arbeitsplatz, ein Netzteil, eine Stirnbandlupe mit LED und eine Werkstattlupe mit LED gekauft werden. Aber auch unterschiedliche Schraubendreher stehen auf der Liste. Eigentlich sollte auch ein abschließbarer Schrank gekauft werden, damit die Werkzeuge auch mal im Fönix bleiben können, aber dessen Leiter Marcus Libbertz hat in den Werkstattraum schon mal einen hinstellen lassen. Der stand vorher im PC-Raum, der umgestaltet wird und deshalb nicht mehr benötigt wurde.

Es ist also alles angerichtet für den Wiederbeginn des Reparatur-Cafés. Künftig bieten die Ehrenamtlichen wieder ihre Dienste jeden vierten Sonnabend im Monat von 9.30 bis 12 Uhr an. Bis 11.30 Uhr sollten die Geräte vorbeigebracht werden. Das Team wünscht sich natürlich noch Unterstützung, Interessierte können sich bei Reinhild Olma (E-Mail: olma@stadt.bassum.de, Telefon: 0 42 41 / 84 35) melden. Jetzt fehlen nur noch die defekten Geräte und die Menschen, die vorbeikommen und schnacken. Denn alle sind sich einig: Der Kontakt soll erhalten bleiben.

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