Hombach Hof

Zwischen Angus-Rind und Aufklärung

Markus Kattau arbeitet auf dem elterlichen Hombach-Hof in Nordwohlde. In Zeiten von immer neuen Herausforderungen für die Landwirtschaft setzt er auf Regionalität, Kreativität und Aufklärung.
03.07.2020, 18:36
Lesedauer: 4 Min
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Von von Michael Braunschädel (fotos) und Tobias Denne (TEXT)
Zwischen Angus-Rind und Aufklärung

Sie folgen ihm aufs Korn: Markus Kattau mit seinen rund 350 Freilandhühnern.

Michael Braunschädel

Butterblume ist noch ein wenig schüchtern. Schließlich betritt nicht nur ihr Besitzer, Markus Kattau, die Weide, sondern auch gleich noch zwei Menschen von der Zeitung. Auch die anderen sieben Rinder warten erst einmal ab, ob der Besuch harmlos ist. Kattau geht zu Butterblume und fängt an sie zu streicheln. „Gestern war kein so guter Tag“, erzählt er. Denn er musste einen Bullen zum Schlachter bringen, für ihn keine leichte Aufgabe. „Da wir einen engen Draht zu unseren Tieren haben, macht es das für uns schwerer, für die Tiere aber leichter“, ist der Landwirt überzeugt und streichelt die Kuh. Dass er so einen engen Kontakt hat, ist eigentlich ungewöhnlich, wollte er doch nichts mit Tieren machen. „In meinem ersten Lehrjahr habe ich mit Rindern gearbeitet und die haben mich fasziniert“, schwärmt er.

Markus Kattau, Nordwohlde, Landwirt, Bauerhof, Hofladen, Bassum

Die Kühe sind noch ein wenig skeptisch ob des Besuchs.

Foto: Michael Braunschädel

Wenn Markus Kattau anfängt, über seinen Beruf zu reden, ist er kaum zu stoppen. So begeistert spricht der Nordwohlder über die Landwirtschaft, über Tierhaltung und neue Ideen für den eigenen Hof. Er erklärt gerne. „Nur Fragenden kann geholfen werden“, sagt er. Dabei hatte Kattau nach dem Abitur und während seiner Zeit bei der Bundeswehr gar keine Lust, auf dem elterlichen Bauernhof zu arbeiten. „Ich war früher kritisch gegenüber Landwirtschaft eingestellt“, gibt er zu.

Markus Kattau, Nordwohlde, Landwirt, Bauerhof, Hofladen, Bassum

Nach einer voreingestellten Zeit bekommen die Hühner ihr Futter im Hühnermobil.

Foto: Michael Braunschädel

Mittlerweile arbeitet er bereits seit vier Jahren und gehört damit zu einer Generation von jungen Landwirten, die trotz Höfesterben den Betrieb übernehmen und ausbauen. Er hat auf einem konventionellen und einem ökologischen Hof gearbeitet, um beide Seiten kennenzulernen. „Es gibt nicht den einen Weg, auch gibt es keine pauschalen Lösungen. Man muss seinen Mittelweg finden“, ist er überzeugt.

Allerdings merkt auch Markus Kattau, dass sich das Bild des Landwirtes in den vergangenen Jahren gewandelt hat. „Früher hatten sie einen guten Ruf“, erzählt er. Doch irgendwann setzte eine Veränderung ein. Der Weltmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit zu anderen Kontinenten kamen hinzu. „Weil jemand in Australien gesagt hat, dass sie nächstes Jahr eine gute Erntesaison haben, fällt bei uns der Weizenpreis jetzt schon“, sagt er. Durch die zunehmenden Kontrollen, mehr Maschineneinsatz und weniger Personal hat sich seiner Meinung nach der Druck auf den Landwirt erhöht. „Natürlich haben auch viele Mist gemacht, aber immer im Rahmen der Gesetze. Ob das moralisch und ethisch richtig war, das steht auf einem anderen Blatt“, betont der Nordwohlder, der gerne Antworten gibt. Denn, und das hat er auch gemerkt, seit ein paar Jahren fragen die Kunden nach, fragen etwa zu Themen wie konventioneller oder ökologischer Tierhaltung oder dem Fahren von Gülle. „Die Leute trauen sich, das ist schön. Auch wenn es unangenehme Fragen gibt, kann man die beantworten“, findet er. Ihm ist der Kontakt zwischen Produzent und Verbraucher wichtig. Diesen herzustellen, „das ist mein Ziel“. Denn nur so können beide Seiten voneinander lernen. Und je mehr Kontakt entsteht, „desto mutiger werden Kunden und wir, wenn wir merken, dass gewisse Dinge angenommen werden“, sagt er angesichts neuer Produkte.

Markus Kattau, Nordwohlde, Landwirt, Bauerhof, Hofladen, Bassum

Das neueste Projekt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Nordwohlde: der Hofladen mit regionalen Produkten.

Foto: Michael Braunschädel

Dass so er so viel Kontakt zu Kunden hat, liegt unter anderem daran, dass der Hombach-Hof sich breiter aufstellt. So steht neben dem Wohnhaus von Markus Kattau das Blühwerk, wo Menschen Parzellen mieten können und selbst Gemüse oder andere Dinge anbauen können (wir berichteten).

Markus Kattau steht mitten auf dem Feld und schaut über die Blühmischung, die sie ausgestreut haben. „Wenn man das sieht, dann kann man gar nicht anders, als es weiterlaufen zu lassen“, ist der Nordwohlder überzeugt. Man muss nicht mal genau hinsehen und erkennt: Zahllose Hummeln und Bienen tummeln sich bei den Blüten und holen sich ihre Nahrung. Auf dem Boden haben Mieter zum Beispiel Mangold oder Kartoffeln angebaut. Kattau freut’s, dass das Blühwerk so gut angenommen wird.

Das jüngste Objekt ist der Verkaufsladen, bei dem man sich zwischen 7.30 und 22 Uhr verschiedene Produkte kaufen kann. Seit Ende März steht der Laden zur Selbstbedienung auf dem Hof und bietet eigene Eier, Nudeln aus eigenen Eiern, Honig aus Wedehorn, Kartoffeln aus Leerßen und Saft aus der Mosterei Eckhoff, um nur ein paar Beispiele zu nennen. „Man sollte passendes Geld mitbringen“, rät Kattau, dessen Herzensprojekt ein paar Meter weiter auf einer kleinen Wiese steht: das Hühnermobil.

Markus Kattau, Nordwohlde, Landwirt, Bauerhof, Hofladen, Bassum

Der Herr der Hühner: Markus Kattau. Die Tiere bleiben nur eine gewisse Zeit auf einem Feld, dann ziehen sie mit dem Hühnermobil um.

Foto: Michael Braunschädel

Neugierig laufen die Hühner am Zaun entlang, um zu sehen, wer da gerade vorbeischaut. „Das ist ein sehr nachhaltiges System. Für die Tiere, die Umwelt und den Verbraucher“, erzählt Kattau. Denn alle zehn bis 14 Tage wechselt der mobile Hühnerstall seinen Standort, sodass sich die Flächen sich wieder erholen können. „Wenn sich jemand beschweren sollte, kann man dem so auch aus dem Weg gehen“, freut er sich. Die Hühner bleiben die ganze Zeit auf der Weide, morgens öffnen und abends schließen sich die Klappen der Boxen automatisch. Auch das Futter kommt zu einer voreingestellten Zeit. „Das Mobil ist autark“, sagt Kattau. Wenn es dunkel wird, brennt im Mobil noch Licht, damit die Hühner in ihre Boxen gehen. 350 Hühner leben derzeit im und am Hühnermobil.

Markus Kattau, Nordwohlde, Landwirt, Bauerhof, Hofladen, Bassum

Links die Blühwiese, rechts das Gemüse: Markus Kattau hat vor einigen Monaten einen Teil seines Landes zum Mieten angeboten. Auf den Parzellen kann alles angebaut werden.

Foto: Michael Braunschädel

Kattau geht auf die Rückseite und öffnet eine Klappe. Drei Hühner sitzen im Nest und schauen ein wenig verwundert, warum plötzlich die Wand verschwindet. „Wir haben uns dazu entschieden, dass wir die Eier selbst aus dem Nest nehmen. Wir wollen den Ursprung zeigen“, betont der Landwirt. Auch Kindern. So waren schon mal Schulklassen der Nordwohlder Grundschule auf dem Hombach-Hof, um zu sehen, wie die Tiere überhaupt leben. Man merkt, dass Kattau gerne sein Wissen weitergibt. Oder wussten Sie, dass Kuhfladen dafür sorgen, dass nicht nur der Rasen besser wächst, sondern auch ein beliebtes Ziel für Insekten sind? „Es gibt so viele Möglichkeiten, die Leute zu informieren. Das macht Spaß.“

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