Fußball-Bezirksliga „Wir ergänzen uns sehr gut“

Beim TSV Bassum stehen Cheftrainer Torsten Klein mit Andreas Merdon und Benjamin Bauer gleich zwei Co-Trainer zur Seite. Im Interview spricht das Trio über den aktuellen Höhenflug und über die Arbeit zu dritt.
26.04.2019, 17:49
Lesedauer: 9 Min
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Von Thorin Mentrup

Der TSV Bassum ist in diesem Jahr noch ungeschlagen. Woran liegt es, dass es so gut läuft?

Andreas Merdon: An der Mannschaft. Definitiv.

Torsten Klein: Wir sind die letzten beiden Jahre auch gut aus der Pause gekommen, obwohl die Vorbereitung dieses Mal eher durchwachsen war. Wir hatten viele Verletzte und Urlauber. Eigentlich waren wir überhaupt nicht zufrieden. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass es so gut aussieht. Die Jungs haben momentan Spaß, das spiegelt sich auch auf dem Platz wider. Ich hatte vorhin Kontakt zu Mathis (Kapitän Mathis Hoffmann, d. Red.). Er hat nur geschrieben: Es haben alle richtig Bock auf Fußball. Und das spürt man momentan auch.

Benjamin Bauer: Wir hatten in der Hinrunde viele Ausfälle. Jetzt sind wir fast komplett. Das macht einiges aus, im Training und auch im Spiel. Konkurrenzkampf belebt das Geschäft. Alle werfen sich im Training rein und so haben sich die Jungs in diesem Jahr bisher mit guten Leistungen und Punkten belohnt.

Also ist alles im Soll beim TSV?

Klein: Ich glaube, da, wo wir jetzt stehen, stehen wir auch zu Recht. Nach oben geht immer etwas, nach unten kann es aber auch schnell gehen. Das hat man auch dieses Jahr schon wieder gesehen. Wenn man die ganze Saison Revue passieren lässt, stehen wir jetzt auf einem verdienten achten Tabellenplatz. Oder was sagt ihr?

Bauer: Ich sehe das ähnlich wie Torsten. Ohne die Personalprobleme zu Saisonbeginn hätten wir auch noch weiter oben stehen können. Dafür machen die Jungs das zurzeit richtig gut. So kann es gerne weitergehen.

Merdon: Ich glaube schon, dass noch mehr nach oben geht. Wir hatten einige unnötige Punktverluste. Wir verlieren hier zum Beispiel gegen Heiligenfelde und Mühlenfeld und wissen eigentlich gar nicht, warum. Ich sage, das Potenzial der Mannschaft ist größer als der achte Tabellenplatz. Aber die Kontinuität, die wir jetzt nach dem Winter haben, fehlte uns vorher. Wenn wir die auf Dauer auf den Platz bringen, würde ich uns eher Richtung Platz fünf ansiedeln.

Klein: Die Mannschaft lernt, dass es nicht nur Gewinnen und Verlieren gibt. Wenn man wie gegen Wetschen kurz vor Schluss das 2:2 kassiert, dann muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein. In den letzten Jahren wurde immer von der jungen Mannschaft gesprochen. Aber das sind wir nicht mehr alle. Den Welpenschutz müssen wir abstreifen. Die Perspektive ist trotzdem gut, weil wir nicht viel Fluktuation haben.

Merdon: Und wir können immer ruhig arbeiten. Da muss man dem Verein auch mal ein Lob zollen. Das ist nicht selbstverständlich.

Sind diese Ruhe und dieses Vertrauen, das Sie vom Verein bekommen, die Gründe, weshalb Sie die Zusammenarbeit für gleich zwei Jahre verlängert haben? Das ist im Amateurbereich durchaus ungewöhnlich.

Klein: Auf jeden Fall. Aber es ist auch die angesprochene Perspektive. Wir haben ja auch mit unserem Physiotherapeuten Holger Beckmann und unserem Betreuer Tobias Overmeyer noch zwei Mann, die eine super Arbeit leisten und zum Erfolg beitragen. Wir wollen jetzt nicht einfach nur die Saison beenden und dann weitersehen. Die Mannschaft wird zusammenbleiben, es gibt quasi keine Fragezeichen mehr. Wir stehen hier nicht vor dem Risiko, dass hier sechs Mann auf einmal gehen.

Bauer: Dafür ist der Zusammenhalt auch zu groß. Die Jungs ziehen an einem Strang, die meisten spielen seit dem Jugendbereich zusammen. Hier gibt jeder für jeden alles. Das ist das, was ich hier im Sommer zu Anfang direkt wahrgenommen habe. Außerdem tut sich hier etwas, wenn man zum Beispiel die neue Tribüne sieht.

Klein: Trotzdem kauft sich hier noch jeder selbst seine Fußballschuhe. Damit sind auch alle zufrieden. Jeder weiß, was er hier hat. Deshalb harmoniert das Ganze sehr gut.

Wie groß ist Ihr Beitrag als Trainer-Trio zur erfolgreichen Phase?

Klein: Wir können die Mannschaft einstellen und vorbereiten. Aber im Spiel muss sie sich selbst helfen.

Merdon: Das stimmt. Wir können die Tore nicht schießen und auch nicht verhindern.

Sie können das als spielender Co-Trainer schon, Herr Bauer…

Bauer: In erster Linie möchte ich, dass die Jungs spielen. Mein und unser Plan war, dass ich spielerisch kürzertrete. Bei personellen Engpässen springe ich aber natürlich gerne in die Bresche und helfe gerne. Deshalb bin ich da. Aber die Jungs können das zurzeit ganz gut selbst regeln.

Merdon: Wir haben mit Torsten natürlich einen akribischen Arbeiter, der die Jungs gut einstellen kann, alle Informationen, die es gibt, zusammenträgt und auf allen Sportplätzen unterwegs ist. Daran kann sich die Mannschaft orientieren. Benny und ich sind dann die rechte und linke Hand des Teufels (lacht). Von daher gebührt Torsten ein größerer Anteil als uns.

Klein: Ich mache das Ganze ja auch gerne.

Bauer: Du bist ja auch fußballverrückt.

Merdon: Ich denke, die Spieler würden nichts auf uns kommen lassen, sondern sich vor uns stellen, wie wir uns auch vor sie stellen würden. Die Mannschaft geht dabei vom Mittelstürmer bis zum Betreuer und den Mädels, die den Verkauf regeln, sowie den Kassierern. Da sind wir ein Rädchen, das seinen Beitrag leistet. Aber spielen muss die Mannschaft selbst. Da können wir nur noch versuchen, von außen zu helfen, so gut es geht.

Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?

Klein: Wichtig ist, dass wir versuchen, Fußball zu spielen. Als ich gekommen bin, haben wir zum Beispiel gesagt, wir wollen viel flach im Training spielen. Du hast damals noch geschmunzelt, Andreas, aber heute sieht man, dass das wirklich etwas gebracht hat.

Bis zum Sommer gab es in Bassum noch das Duo Klein/Merdon. Hat Ihnen beiden etwas gefehlt? Oder warum passt Benny Bauer als dritter Mann gut ins Team?

Klein: Ich glaube nicht, dass etwas gefehlt hat. Ich glaube einfach, wir ergänzen uns sehr gut.

Merdon: Für mich kam es seinerzeit überraschend, dass Benny dazukommt. Ich habe mich die ersten Monate gefragt, ob das alles so richtig ist. Und ich habe mir gesagt: Ich gucke mir das an und lasse es auf mich wirken, da ich nicht das fünfte Rad am Wagen sein wollte. Dieses hat sich im positiven Sinne auch anders entwickelt. Ich habe, und das ist positiv gemeint, Benny als Azubi gesehen, auch aufgrund seines Alters. Mittlerweile sind wir so weit, dass jeder seine Aufgaben hat.

Klein: Wir haben diese Whatsapp-Gruppe, in der wir zu dritt darüber diskutieren, wie wir am Wochenende spielen könnten. Dadurch, dass Benny auch Spieler ist, ist es vielleicht komisch zu sagen, wir lassen ihn draußen. Damit können aber alle umgehen.

Bauer: So war es auch gedacht: Ich möchte, dass die jungen Leute spielen. Sie haben Potenzial. Da stelle ich mich dann hinten an. Ich will Torsten und Andreas über die Schultern schauen, von ihnen lernen und mich weiterentwickeln.

Wie definieren Sie Ihre Rolle genau, Herr Bauer? Als Azubi, wie es Herr Merdon sagt, oder als Bindeglied zur Mannschaft?

Bauer: Zu 90 Prozent bin ich ja noch aktiv dabei. Da bin ich noch ein bisschen näher an der Mannschaft dran und höre das eine oder andere raus, wenn zum Beispiel einer unzufrieden ist. Ich bin dann vielleicht doch der erste Ansprechpartner, der das Ganze dann an Torsten und Andreas weitergeben kann. Dann können wir das zu dritt noch einmal besprechen und das Problem lösen.

Offiziell ist Torsten Klein der Trainer. Hat er auch das letzte Wort?

Merdon: Letztlich hat Torsten die Kapitänsmütze auf und ist das Sprachrohr. Wir haben mit Benny und mir einen ersten und zweiten Offizier. Wir sprechen miteinander und versuchen, alles im Einklang zu lösen. Wenn das nicht geht, dann liegt die letzte Entscheidung automatisch bei Torsten. Das ist auch völlig in Ordnung so.

Klein: So eine Situation haben wir aber vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr. Dann geht man noch einmal in sich und dann entscheidet man. Ich gehe da aber nicht egoistisch durch und lebe das knallhart aus. Das ist nicht mein Stil.

Bauer: Das ist ja das Schöne: Wir können darüber ganz offen sprechen. Jeder darf seine Meinung sagen. Aber einer muss den Hut aufhaben.

Dabei sind doch Sie am längsten beim TSV tätig, Herr Merdon. Haben Sie daraus nie den Anspruch entwickelt, der Chef zu sein?

Merdon: Nein. Ich war es ja im Grunde genommen, bis Torsten gekommen ist. Das war auch vonseiten des Vereins so mit mir abgesprochen. Ich bin als Co-Trainer hierhin gekommen, ehe der Ursprungstrainer (Uwe Küpker, d. Red.) kurzfristig abgesprungen ist. Dann stand ich auf einmal da mit der Mannschaft und hatte Gott sei Dank die Unterstützung von Jürgen Schäfer. Aber es war immer die Rede davon, dass wir gucken, dass wir jemanden finden, der das Steuerruder übernimmt, aber der auch menschlich passt. Als wir dann mit Torsten bei Jürgen zusammensaßen, hatte ich ein gutes Gefühl. Ich habe keine Ambitionen, irgendwo Cheftrainer sein zu müssen, obwohl ich es natürlich kann. So habe ich meine Freiheiten, wie zum Beispiel Urlaubszeiten, das weiß Torsten auch. Das kann man als Chefcoach nicht. Aber Benny und ich können jederzeit in die Bresche springen. Wichtig ist, dass Torsten sich auf uns verlassen kann.

Es gab also keinen großen Bedarf, sich im Vorfeld zusammenzusetzen?

Merdon: Es wäre sicher der Bedarf da gewesen. Haben wir nicht gemacht. Dadurch kam vielleicht ein bisschen Unwohlsein bei mir hoch. Das hat sich aber alles hingeschliffen, dass jeder seinen Part hat, ohne ihn genau definieren zu können. Jeder sieht beim anderen, wo angepackt werden muss. Da müssen wir nicht lange palavern.

Wie groß ist der kommunikative Aufwand? Schließlich erscheint es einfacher, zwei Meinungen unter einen Hut zu bringen als drei…

Klein: Ob du mit drei Mann in der Gruppe diskutierst oder mit zwei, das ist kein großer Unterschied. Beim Training sind wir alle etwas früher da und können uns noch einmal absprechen.

Merdon: Wir haben ohnehin den Vorteil, dass wir nicht viel diskutieren müssen.

Weil Sie alle ziemlich gleiche Vorstellungen haben?

Klein: Ich denke schon. Wir sind da auf einer Wellenlänge.

Merdon: Torsten und ich schon. Bei Benny kann ich das noch nicht richtig beurteilen, dafür ist die Zeit noch zu frisch. Torsten und ich sind schließlich schon ein paar Jahre länger verheiratet (lacht).

Bauer: Ich nehme die Eindrücke im Training ja auch ganz anders wahr. Die beiden betrachten das von außen, ich bin mitten im Geschehen auf dem Platz. Dann sieht man gewisse Dinge ganz anders.

Klein: Dadurch kriegen wir aber auch ein besseres Feedback, was gut und was nicht so gut war. Du kannst theoretisch noch so eine gute Übung ausarbeiten. Manchmal klappt es einfach nicht. Da hat man einen Vorteil, wenn man jemanden hat, der selbst mitmacht.

Wenn wir auf das Wochenende und das Derby gegen den SC Twistringen blicken: Wie genau läuft die Entscheidungsfindung bei der Aufstellung ab? Sie haben die Whatsapp-Gruppe ja bereits angesprochen. Wann laufen dort die Drähte heiß?

Klein: Man wartet erst einmal das letzte Training ab. Das ist am Donnerstag. Dann lässt sich jeder das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen. Meist läuft es dann so, dass ich in die Gruppe poste, wie ich mir vorstellen könnte, wie wir spielen. Dann sind aber meistens zehn Figuren schon fest. Eine oder zwei sind vielleicht noch offen – maximal. Da guckt man schon mal auch nach dem Gegner, was Sinn macht und was nicht. Das ist bei Twistringen anders als zum Beispiel bei Sulingen.

Merdon: Jeder hat seine Wunschvorstellung, wie er spielen will. Und wir können ja auch noch im Spiel reagieren. Wir stehen da zwar oft ein gutes Stück auseinander, aber wir laufen uns zwischendurch immer wieder über den Weg, um uns kurz auszutauschen.

Klein: Das ist auch gut so. Am Ende sehen sechs Augen mehr als vier.

Auch bei Twistringen wirkt mit Thomas Thiede, Michael Schultalbers und Jens Lange nach dem Aus von Walter Brinkmann ein Trio. An der Seitenlinie sind die Kräfteverhältnisse am Wochenende also ausgeglichen. Und wie sieht es auf dem Platz aus?

Klein: Da sind es dann elf gegen elf (lacht). Im Ernst: Ich erwarte einfach einen Sieg.

Bauer: Wir spielen zu Hause, es ist ein Derby. Wenn da nicht alle heiß sind, weiß ich es auch nicht. Die drei Punkte bleiben bei uns in Bassum.

Klein: Ich habe Heiligenfelde ja auch als Derby deklariert. Da wurde mir ganz klar gesagt: Das ist kein Derby, das richtige ist gegen Twistringen. Von daher freuen wir uns alle darauf.

Merdon: Es kann ein schönes Spiel werden, da beide Mannschaften relativ stressfrei in die Begegnung gehen können. Wir haben das Pokalspiel hier verloren, jetzt wollen wir das Punktspiel hier gewinnen.

Das Gespräch führte Thorin Mentrup.

Info

Zur Person

Torsten Klein

ist seit Januar 2017 Cheftrainer des TSV Bassum. Für den ehemaligen Torhüter ist es die dritte Station nach dem TSV Wietzen und dem TSV Eystrup. Klein löste damals den Interimscoach und noch heutigen Abteilungsleiter Jürgen Schäfer ab und führte das Team jeweils souverän zum Klassenerhalt in der Bezirksliga.

Andreas Merdon

wechselte im Sommer 2015 zum TSV – eigentlich als Co-Trainer von Uwe Küpker. Dieser sprang allerdings kurzfristig ab und wechselte danach zum TSV Wetschen. Merdon, einstiger Defensivspieler, kam aber trotzdem und hielt den TSV mit Jürgen Schäfer in der Spur. Zuvor hatte er sich als Coach im Herren- und im Jugendbereich des TVE Nordwohlde einen Namen gemacht.

Benny Bauer

ist vor Beginn der laufenden Saison in die Lindenstadt gewechselt. Er kam vom SV Vorwärts Hülsen aus der Bezirksliga Lüneburg. In Bassum übernimmt der ehemalige Wietzener die Rolle des spielenden Co-Trainers, steht also weiterhin aktiv auf dem Platz. 16 Punktspiele bestritt er bislang und erzielte dabei drei Tore.

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