Süstedter Dorfchronik

Die Geschichte einer Chronik

Die Chronik „800 Jahre“ Süstedt hat deutlich länger gedauert als gedacht. Fast 14 Jahre haben die Ehrenamtlichen gebraucht, um das Buch fertigzustellen und zu veröffentlichen. 2011 hat es dann endlich geklappt.
27.10.2020, 17:25
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Von Rita Behrens
Die Geschichte einer Chronik

Die Süstedter Dorfchronisten: Winfried Metzner (links) und Manfred Braun haben einen langen Atem bewiesen.

Michael Braunschädel

Süstedt. In den Jahren von 1997 bis 2011 wurde die Süstedter Dorfchronik erarbeitet. Pünktlich zu den 800-Jahr-Feierlichkeiten legte der Kultur- und Heimatverein Süster Kring das Werk vor. Manfred Braun und Winfried Metzner vom Süster Kring blicken jetzt zurück auf die wechselvolle Entstehungsgeschichte des Buchs und wie es der damaligen Arbeitsgruppe erging.

Braun lebt seit 1972 in Süstedt und war früher in der Steuerberatung für Landwirte tätig. Von Anfang an war ihm eine engagierte Teilhabe am dörflichen Vereinsleben wichtig. Überdies betätigt er sich als Hobby-Archivar. Bis heute sammelt er Zeitungsartikel über Süstedt, beginnend mit dem Jahr 1950. Ebenso wie Metzner gehörte er 1996 zu den Gründungsmitgliedern des Süster Kring.

Zunächst gab es ein großes Interesse daran, an der Erarbeitung der Geschichte des Heimatortes mitzuwirken, obwohl zeitgleich die Restaurierung der Nolteschen Mühle im Ort anstand. „Es herrschte eine regelrechte Euphorie“, erinnert sich Braun. „Es gab zuerst viele, eventuell sogar zu viele Interessierte, aber im Laufe der Zeit wurden es immer weniger.“ So beschreibt Metzner die Phase des Rückzugs heute. Die Zusammenarbeit habe sich schwieriger gestaltet als anfänglich angenommen. Der damalige Ausschussvorsitzende Albrecht Soller musste im Jahr 2000 feststellen, dass es zu wenig Engagement seitens der Ortsansässigen gebe.

Metzner wurde von 2000 bis 2001 als ABM-Kraft für den gemeinnützigen Zweck angestellt und hielt das Projekt Dorfchronik am Laufen. In den anderen Jahren arbeitete er ehrenamtlich. Aber: Es vergingen drei Jahre, bis wieder regelmäßige Treffen zustande kamen, berichtet Braun. Das Staatsarchiv Hannover, das Archiv der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und die Bibliothek des Syker Kreismuseums sowie weitere Fundorte boten sich für die Quellensuche an. Braun recherchierte in den relevanten Archiven und gelangte kontinuierlich zu Ergebnissen. Auf dieser Basis entstand eine digitale Datenbank.

Gleichwohl musste der Süstedter Heimatforscher, von Beruf Fernsehtechniker-Meister, manche Herausforderung bewältigen. Aufgrund der heute ungebräuchlichen Handschriften gehörten einige Übung, Geduld und ein zunächst unterschätzter Zeitaufwand dazu, um die Dokumente „überhaupt erst einmal zu übersetzen“, erinnert er sich. Die Entschlüsselung war oft schwierig.

Letztlich habe die bevorstehende 800-Jahr-Feier die Arbeit an der Chronik forciert, die Finanzierung der 600 Exemplare gelang mithilfe der Volksbank und einem Zuschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Metzner hatte mittlerweile den Vorsitz des Chronik-Ausschusses übernommen. In den beiden Jahren vor der Fertigstellung des Buches traf er sich zwei- bis dreimal pro Woche mit Ingrid Henke und Hartmut Benjes.

Allerdings, berichtet er, habe der ehemalige Bürgermeister Fred Albers-Garbers „schon immer eine Chronik machen“ wollen. Noch zu seinen Lebzeiten sammelte der 2001 Verstorbene detaillierte Grunddaten für die „Höfechronik und Häuserliste“. Sie wurden später für das adäquate Kapitel der aktuellen Chronik verwendet. Als „Haus- und Hof-Fotograf“ (auch für Reproduktionen zuständig) agierte Hans Schweers. Insgesamt haben mehr als 20 Personen mitgewirkt. Nicht zuletzt trug die kompetente Unterstützung des Verlegers Wilfried Meyer aus Weyhe zur Fertigstellung bei. Noch vor dem Druck übernahm er zusätzlich die Druckvorbereitung der 240 Seiten und die Gestaltung des Layouts.

Weder Metzner noch Braun hatten zu Beginn voraussehen können, wie langwierig und teils kompliziert sich die Arbeit mit so vielen Beteiligten gestalten würde. Dennoch würden sie sich den Aufgaben wieder stellen. „Mit dem Wissen von heute“ wäre das eine bedeutend leichtere Aufgabe gewesen, schmunzelt Metzner. Insgesamt sind bisher 440 Chroniken verkauft worden. Damit konnten die Herstellungskosten gedeckt werden. Die weiteren Einnahmen fließen in die Vereinskasse.

Nicht nur Süstedter, sondern auch Auswärtige zählten zu den Käufern, wissen Metzner und Braun zu berichten. Sogar US-Amerikaner kamen, die auf den Spuren ihrer Vorfahren nach konkreten Informationen suchten. In einem Fall wurde die Suche durch einen gemeinsamen Ausflug ins Auswanderermuseum Bremerhaven ergänzt. In einem anderen, im Jahr 2014, wurde der Standort des ehemaligen Wohnhauses gefunden. Allerdings konnten die Nachfahren das Haus selbst nicht mehr in Augenschein nehmen, da es 1927 durch einen Orkan vollkommen zerstört worden war.

Nun stellt sich die Frage, ob eine aktualisierte Ausgabe nach zehn Jahren in Aussicht steht, oder zum 825-jährigen Geburtstag Süstedts erscheinen soll. Die drei Redakteure verwiesen ehemals selbst darauf, dass auf den „Wandel des Dorfes von heute“ nicht eingegangen worden sei. Eine Aufgabe, die es anzupacken gelte.

Doch bis dahin liegt weiterhin die Chronik von 2011 vor. Interessierte können sich an Manfred Braun, Breite Straße 18 in Süstedt, wenden (Telefon 0 42 40 / 4 42). „800 Jahre Süstedt“ ist des Weiteren in Bruchhausen-Vilsen beim Tourismus-Service und in der Buchhandlung Böhnert erhältlich.

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