Porträt von Dorothee Menzel

„Alles, was schön ist“

Seit 35 Jahren lebt Dorothee Menzel, Jahrgang 1950, in Süstedt. Ihre Inspiration zieht die Künstlerin aus der Natur. Sie male „alles, was schön ist“.
06.03.2020, 17:05
Lesedauer: 3 Min
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Von RIta Behrens
„Alles, was schön ist“

Lieber groß- als kleinformatig: Dorothee Menzel in ihrem Atelier in Süstedt.

Michael Galian

Süstedt. Das Atelier von Dorothee Menzel in Süstedt liegt abseits vom Ortskern. Die Künstlerin selbst lebt seit 35 Jahren am Süstedter Bach in dem ehemaligen Schleusenwärterhaus. „In einem Haus, das ich eigentlich schon immer gesucht habe“, klärt sie im Gespräch auf. Inzwischen höre sie von Jüngeren aus der eher entfernten Nachbarschaft schon mal: „Du bist ja immer schon dagewesen“. Sie fühlt sich seit jeher „in der norddeutschen Tiefebene“ verankert. Die ursprüngliche Bremerin, Jahrgang 1950, studierte in Oldenburg und ist seit wenigen Jahren verheiratet.

Vielerlei Motive findet die Malerin also in unmittelbarer Umgebung. Zurzeit bevorzuge sie „Wasserbilder“. So nennt sie ihre Gemälde, die „überschwemmte Wiesen oder Pfützen“ zeigen und die sie aus dem Gedächtnis heraus gestaltet. Gelegentlich liege auch eine Fotografie vor, die beim Spaziergang in der Natur entstanden sei, fügt sie erläuternd an.

Zu ihrer eigenen Freude beschäftigt sie ihr Garten mit einer Grundfläche von 4000 Quadratmetern, sobald die ersten Anzeichen des Frühlings sichtbar werden. Die frühere Pferdeweide lege sie inzwischen als Blühwiese für Bienen an. Doch ihre Motivation, an der Staffelei zu stehen, ist jahreszeit- und wetterunabhängig. Auch der Winter sei vorteilhaft für die künstlerische Arbeit. Schon morgens gegen vier Uhr beginne sie, ihre Eindrücke und Wahrnehmungen auf der Leinwand festzuhalten, inzwischen „lieber groß- als kleinformatig“. Das Filigrane, wie das Verzieren von Ostereiern habe sie weitgehend zurückgestellt.

Von handlungsleitender Bedeutung sei „alles, was schön ist. Die Natur liefert, was immer ich zur Inspiration brauche.“ So lässt sich die Malerin etwa auch von den Formationen der Wolken und Farben des Himmels faszinieren. Gleichwohl legt Menzel Wert darauf, dass es ihr gerade bei den aktuellen Lieblingsmotiven nicht darum gehe, Nostalgie zu bewirken. Im Gegenteil: Der Einsatz moderner Technik in der Landwirtschaft begeistere sie. Große Trecker, landwirtschaftliche Maschinen oder auch deren wasserüberschwemmte Reifenspuren hält sie mit Hilfe verwendeter Acrylfarben fest. Inzwischen favorisiert sie diese als Alternative zur herkömmlichen Ölfarbe. Das schnell trocknende Material fordere dazu heraus, relativ zügig zu arbeiten. Allerdings seien Farbqualitäten mit retardierender Funktion wegen ihrer verzögerten Trocknungszeiten hilfreich. Maltechnisch schätzt Menzel auch die Möglichkeit, beliebige Überarbeitungen vornehmen zu können. Denn während der Entstehung eines Werkes lasse sie sich gerne durch die Methode „Versuch und Irrtum“ leiten.

In der Kunstwerkstatt lässt sich ein weitreichender Überblick über die Auswahl der Motive und die Intention Menzels gewinnen. In ihren Bildern offenbaren sich auch eigene Entwicklungen und Zeitkritik. Zwei Gemälde aus den 1970er- und 1980er-Jahren deuten auf eine schwierige Lebensphase hin, spiegeln Ängste und Verzweiflung, aber zugleich Zuversicht und Stärke. Solange sie denken kann, sei die Malerei für sie ein bedeutsamer Lebensinhalt, reflektiert die Künstlerin. Verschiedene Projekte hat sie bereits umgesetzt. Die Illustrationen von Märchen und Eduard Mörikes Sage von der schönen Lau gehören dazu. Sie seien aber zurzeit kein relevantes Thema.

Doch zeitnah und kritisch widmete sich die Malerin dem „Einhorn-Hype“, wie sie es formuliert. „The Good, The Bad And The Ugly“ wurden bildhaft-expressiv in Szene gesetzt. Momentan arbeitet sie an einem detailreich gestalteten Doppelbild, das von Natur- und Tiermotiven dominiert wird. Das „Wimmelbild“ soll demnächst in ein Kinderzimmer übersiedeln.

Anderweitig blickt in beeindruckender Größe ein Wolf, offenbar in freier Natur lebend, unvermittelt in die Augen des Betrachters. Gleichermaßen galoppieren zwei Pferde, ein Schimmel und ein Rappe, geradewegs auf die Besucher zu. „Unverkäuflich!“, lautet hierzu der Kommentar. Das helle „Blumenzimmer“ lädt zur entspannten Plauderei und Bewunderung ansprechender Stillleben ein.

Schützenscheiben stellt Dorothee Menzel nach wie vor in Serie nach gewünschten Motiven der Auftraggeber her. So zieren beispielsweise Wildschweine die Scheiben. Aber auch gesetzlich geschützte Tierarten werden heutzutage ausgewählt. Kleine Flüsse, Bäume oder ein Pfad eigneten sich als umgebender Kontrast, sehr gut auch Schnee und Eis. Das Tier und dessen Lebendigkeit bilden aber den Fokus. Deshalb müsse das Augenlicht sehr präzise gesetzt werden. „Ich gebe nur etwas aus der Hand, womit ich selbst zufrieden bin“, andererseits „ist es oftmals bedauerlich, wenn alles abgeholt wird.“ Sie sei kritischer geworden. Trotzdem blickt sie optimistisch in die Zukunft. Denn die Motive böten sich vor der Haustür an und sie wünscht sich, „dass alles so schön bleibt, wie es ist“.

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