Noltesche Scheune

Amüsante Zwischentöne

Die Band Jazz geht's los verlässt gerne vorgegebene Wege. In Süstedt erhielt das Quintett Unterstützung von den Nachwuchsmusikerinnen Vanessa Delekat und Lene Clausen.
01.03.2020, 15:58
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss
Amüsante Zwischentöne

Mitreißend: Das Quintett Jazz geht's los um Sänger Rainer Halweg brachte auch Eigenkompositionen zu Gehör.

Michael Braunschädel

Süstedt. Trotz ihres aufschlussreichen Bandnamens spielte die Gruppe Jazz geht’s los mehr als Jazz, nämlich auch Rock und Pop und einiges dazwischen. Selbst geschriebene und komponierte Stücke einiger Bandmitglieder sowie plattdeutsche Lieder, also quasi Folk. Auf alle Fälle ging es am Sonnabend schon auf 22.30 Uhr, als die begeisterten Zuhörer die Musiker schließlich nach Hause entließen.

Zuvor erlebte die gut gefüllte Scheune in Süstedt ein wunderbar vielfältiges Konzert. Nicht nur das seit vier Jahren bestehende Quintett aus Dietrich Wimmer (Piano), Rainer Halweg (Gesang, Bluesharp), David Klosik (Bass), dessen Frau Mareike Hinrichsen-Mohr (Gesang) und Daniel Suhling (Schlagzeug) unterhielt das Publikum, sondern auch zwei junge Saxofonistinnen. Vanessa Delekat und Lene Clausen, beide schon durch einige Auftritten in der Samtgemeinde bekannt geworden, bewiesen erneut ihr Können.

Mit amüsanten Zwischentönen, komischen Anmerkungen und humorvollen kleinen Spitzfindigkeiten von Halweg und Wimmer füllten sie mit schwungvollen und melancholischen Tönen die Räume zwischen den historischen Balken der Nolteschen Mühle. Zunächst gab es vom „Gesundheits- und Hygienebeauftragten“ Wimmer den augenzwinkernden Hinweis, dass man zu diesen Corona-Zeiten besser jeden Tag drei Knoblauchzehen essen solle. Das helfe zwar nicht gegen das Virus, „hält einem aber die Leute vom Hals.“

Und dann ging es los – wenn auch nicht mit Jazz, allenfalls einem verjazzten „Heaven“. Schon dieser Auftakt bewies die starke Sangeskraft von Halweg, fast schon ein bisschen wie Frank Sinatra oder der unerreichte Dean Martin, ebenso bei „Ain't No Sunshine When She’s Gone“ oder „You Are So Beautiful“, „50 Ways To Leave Your Lover“, „Unforgettable“ oder dem tatsächlichen Sinatra-Song „Night and Day“.

Als „alter Freund der Bläserkunst“ hatte Dietrich Wimmer Vanessa und Lene, die beiden musikalischen Teenager, mit ihren Altsaxofonen eingeladen. Beide hatte er schon früher unter seine Fittiche genommen und gefördert. Mal spielte die eine, mal die andere mit der Band und würzte das Klangbild mit ihrem Können. So Vanessa gekonnt mit „Moonriver“ oder dem Tango „Petite fleur“ oder mit „Autumn Leaves“, jedes Mal mit Jubel belohnt. „Solch ein Riesentalent, es freut mich, dass wir zusammen einen fetzen konnten“, war Wimmers Kommentar.

Für die plattdeutschen Lieder wie „De Moel“ oder andere passte die Sopran-Stimme von Mareike Hinrichsen-Mohr ganz gut. Atemberaubend hingegen das extra von Dietrich Wimmer für Lene Clausen geschriebene „Flow“. Warm und aufgeräumt der herrliche Klang des Saxofons, die anderen Instrumente, also Schlagzeug, E-Bass und E-Piano, legten den klangvollen individuellen Teppich dazu. Einfach zum Wegträumen das darauf folgende „What A Wonderful World.“ Ebenfalls mit viel Applaus und Jubel belohnt.

Auch Sänger Halweg gab ein eigenes Lied zum Besten, das er seinerzeit getextet und Wimmer in Noten und Akkorde umgesetzt hatte: „Du bist Jazz“, ein Liebeslied speziell für seine Frau. Sogar Wimmer ließ an diesem Abend seine Stimme erklingen, da wohl niemand aus der Band sich dazu bereit erklärt hatte. Er wollte nämlich des ungewöhnlichen Tages, des 29. Februars gedenken, der ja nur alle vier Jahre vorkomme, mit „What A Difference a Day Makes“.

Spitze Wortschlenker gab es bei den beiden über das musikalische Wesen und das Lesen von Noten. „Früher nannte man in der Kirche solch verbotene selbstgemachte Lieder ‚hymnus idioticus’“, erklärte Wimmer schmunzelnd. Oder der kleine witzige Pseudozwist über eine Mütze, die der Vilser Kantor am Tag zuvor bei der Probe getragen hatte. Rund 100 begeisterte Zuhörer verließen nach zweieinhalb Stunden die Noltesche Scheune.

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