Tag des Wassers Qualität des Grundwassers sinkt

Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser, zu der auch Vilsa-Brunnen gehört, schlägt Alarm: Das Grundwasser ist immer mehr belastet. Auch in Bruchhausen-Vilsen ist das ein Problem.
06.04.2022, 16:12
Lesedauer: 4 Min
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Qualität des Grundwassers sinkt
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Der Zustand des Grundwassers in Deutschland ist bedenklich: Die Pestizidnachweise in den natürlichen Wasservorkommen in Niedersachsen sind gestiegen, auch die Nitratbelastung nimmt deutlich zu. Das geht aus dem "Schwarzbuch Wasser" hervor, das die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser Mitte März vorgelegt hat. Auch das Unternehmen Vilsa-Brunnen aus Bruchhausen-Vilsen ist Teil dieser Qualitätsgemeinschaft und sieht die derzeitige Entwicklung des Grundwassers kritisch.

Das "Schwarzbuch Wasser" ist eine Übersichtsstudie zum Zustand des deutschen Grund- und Leitungswassers. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht die Belastung des natürlich vorkommenden Wassers hinsichtlich Nitrat, Pestizide, per- und polyflourierte Chemikalien (PFCs), Industriechemikalien und Arzneimittelrückstände sowie deren Folgen für Natur und Wirtschaft. So geht unter anderem daraus hervor, dass in Niedersachsen zwischen den Jahren 2008 und 2016 insgesamt 348 Pestizide und 76 Abbauprodukte analytisch erfasst wurden. Und weiter: "Bei 60,9 Prozent aller Messstellen wurden insgesamt 164 verschiedene Pestizide beziehungsweise deren Abbauprodukte nachgewiesen. An zahlreichen Messstellen wurden bereits seit Jahrzehnten verbotene Stoffe im Wasser gefunden." Bundesweit sei die Nitratbelastung auf "konstant hohem Niveau". Eine erwartete Entlastung, unter anderem durch die Stilllegung verunreinigter Brunnen, sei in den Messergebnissen des Wassers kaum erkennbar: "Bei der jüngsten Datenerhebung in den Jahren 2016 bis 2018 wiesen 26,7 Prozent aller Messstellen Nitratkonzentrationen über den geltenden Leitungswassergrenzen von 50 Milligramm pro Liter auf", schreibt der Autor der Studie, Manfred Mödinger.

Chemische Stoffe nachweisbar

Für Vilsa-Brunnen, das nach eigenen Angaben rund 500 Millionen Flaschen pro Jahr abfüllt, ist die Belastung des Grundwassers besorgniserregend: "Auch in unserem Mineralwassereinzugsgebiet ist die Qualität des oberen Grundwassers negativ zu sehen. Es findet intensive Landwirtschaft und Massentierhaltung statt und damit die Ausbringung von Spritzmitteln, Düngemitteln und Gülle", teilt das Unternehmen schriftlich auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Bislang sei das Quellwasser, aus dem Vilsa-Brunnen sein Mineralwasser entnimmt, aber noch nicht von kritischen Chemikalien betroffen. Dabei handele es sich um Tiefen-Grundwasser, das durch dicke Tonschichten für lange Zeit vor durch Menschen verursachte Verunreinigungen geschützt sei. "Die anthropogenen Verunreinigungen wirken sich (noch) nicht auf unser Mineralwasser aus. Aber die Stoffeinträge sind vorhanden und auf dem Weg. Ob sie in 100, 500 oder 1000 Jahren ankommen, können wir heute noch nicht sagen", schreibt das Unternehmen weiter.

Im Gebiet der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gibt es laut des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fünf Stellen, an denen die Qualität des Grundwassers in regelmäßigen Abständen gemessen wird. Die höchsten Werte an Nitrat finden sich an der Messstation Sünder I in Asendorf. Im September 2020 lag die Konzentration des Stoffes bei rund 102 Milligramm pro Liter, der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter ist die vorgegebene Qualitätsnorm laut der Grundwasserverordnung. "In landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen können Konzentrationen weit über 50 Milligramm pro Liter auftreten", schreibt das NLWKN.

Medikamentenrückstände gemessen

Nachweise von Pestiziden und Medikamentenrückständen zeigten sich bislang an der Messstation in Süstedt. Zwischen 2017 und 2020 wurden das Pflanzenschutzmittel Glyphosat und der arzneiliche Wirkstoff Ibuprofen einmal nachgewiesen – im Mai 2018. Die Konzentration beider Chemikalien lag jeweils bei 0,025 Mikrogramm pro Liter. Laut Trinkwasserverordnung darf die Konzentration von Glyphosat beziehungsweise seiner Abbauprodukte nicht mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter betragen. An den anderen Messstellen im Samtgemeindegebiet, in Martfeld, Calle und Süstedt, waren keine besorgniserregenden Nitratwerte im Zeitraum 2017 bis 2020 festzustellen, wie aus den Daten des NLWKN hervorgeht

Auf die Frage, welchen Stellenwert das Problem von chemisch belastetem Grundwasser einnehmen wird, antwortet Vilsa-Brunnen: "Weil wir als Familienunternehmen in der Region Verantwortung übernehmen und Wasserschutz unser Thema ist, hat es einen sehr hohen Stellenwert für uns, aber auch für die Bevölkerung. Als Bio-Mineralwasserbrunnen haben wir uns dazu verpflichtet, uns im besonderen Maße für die Vermeidung anthropogener Einträge zu engagieren. Wir arbeiten gemeinsam mit den Landwirten vor Ort an Alternativen auf den landwirtschaftlichen Flächen." Für die Menschen in der Region werde sich die Belastung der oberen Grundwasserschichten zukünftig als Kostenfaktor bemerkbar machen, da das Wasser immer aufwendiger aufbereitet werden muss.

Zur Sache

Wasseraufbereitung als Kostenfaktor

Inwieweit chemische Rückstände zum Problem für die Förderung von Trinkwasser werden können, hat sich in der benachbarten Samtgemeinde Grafschaft Hoya gezeigt. Im Zuge einer Trinkwasseranalyse im Jahr 2011 wurden auffällige Werte von Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln im Wasser nachgewiesen. Die Belastungen des geförderten Grundwassers stellten sich noch Jahre später dar, wie aus einem Bericht des NLWKN hervorgeht. Weiterführende Untersuchungen ergaben, dass die chemischen Belastungen des Wassers das Resultat der Versickerung entsprechender Pestizide ist. Um das Problem in den Griff zu bekommen und auch die Kosten durch den Zukauf von Wasser bei den Harz-Wasserwerken zu senken, entschied sich der Samtgemeinderat im Dezember 2015 dafür, eine Aktivkohlefilteranlage in ihr Wasserwerk zu integrieren. Dies führte zu Mehrkosten für die Allgemeinheit: rund 25 Cent pro Kubikmeter Wasser mehr.

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