Theatergruppe Süstedt

Erfolgsmodell ohne Nachwuchssorgen

Mit Humor zum Erfolg: Am 18. Januar ist Premiere für die Süstedter Theatergruppe. Dann wird im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen erstmals das Stück „Eenmol Camping, jümmer Camping“ aufgeführt.
08.01.2020, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Rita Behrens
Erfolgsmodell ohne Nachwuchssorgen

"Eenmal Camping, jümmer Camping" heißt es bei der Süstedter Theatergruppe ab dem 18. Januar.

Vasil Dinev

Süstedt. Die Süstedter Theatergruppe ist nicht aufzuhalten. „Eenmol Camping, jümmer Camping“ – davon sind alle überzeugt, zumindest wenn es um die plattdeutsche Komödie von Bodo Schirmer geht. Das bereits 2001 im Ohnesorg-Theater uraufgeführte Stück steht aktuell auf ihrem Spielplan. Heitere Stunden, in denen menschliche Schwächen im Zuschauerraum des Gasthauses Mügge in Bruchhausen-Vilsen zum Lachen animieren, dürften vorprogrammiert sein.

„Dat is hier’n Campingplatz und keen Sonnenstudio!“ Witzig wird es allemal werden. Nicht verwunderlich, denn ließe sich etwas Schöneres denken, als Camping in Wurstersiel? Sicherlich. In der Familie Bramstedt teilen sich die Geister. Der Ehefrau Monika, ausdrucksstark von Claudia Grafe dargestellt, steht der Sinn nach einem Mallorca-Urlaub. Doch ihren Gatten Hans alias Hauke Dankleff zieht es – in dieser Paraderolle – in den heimischen Norden. Auch der nervige Nachwuchs ist mit von der Partie. Hendrik, gerade im Jugendalter, kann sich etwas Besseres vorstellen, als ein Zelt mit seinem kleinen Bruder Malte zu teilen. Der wird am besuchten Probenabend erfrischend von Hanno Schweers und dem elfjährigen Tom Arends gespielt. Ansonsten übernimmt Jonah Döpke diese Rolle im Wechsel.

Zudem bilden die befreundeten Campingplatzpächter Heinz und Dauerpächter Erwin ein seltsames Gespann. Bequemlichkeit und Alkoholkonsum schmieden sie zusammen; zugleich müssen sie ein ihren Lebensstil bedrohendes Geheimnis hüten. Die neu eingetroffene und unerfahrene Camper-Familie ist dabei nur ein Störfaktor. Anders stellt sich der Sachverhalt für Rosalinde als Besitzerin des Freizeitgeländes und Heinz‘ Tochter Christine dar. Fans der Theatergruppe ahnen es vermutlich: Jörg Neddermann und Harald Stellmann glänzen in den Rollen des äußerst unwirtlich eingestellten Pächtergespanns; Corinna Bär und Katharina Mewes übernehmen kontrovers dazu sehr glaubwürdig den sympathischen Part.

Über Nachwuchsprobleme müssen sich die Süstedter Theaterleute offensichtlich keine Sorgen machen – trotz oder gerade wegen der niederdeutschen Sprache. Denn diese wird jeweils zu Beginn der Probenphase gemeinsam erarbeitet beziehungsweise neu erlernt und zugleich gepflegt. Selbst die Jüngsten finden ihren Zugang, so wie Tom. Er habe sich ganz selbständig für das Mitmachen auf der Bühne entschieden, berichtete seine Mutter. Für Claudia Grafe ist es die sechste, für Hauke Dankleff die zweite Theatersaison, Letzteres gilt ebenso für Katharina Mewes.

Hanno Schweers begründete seine Motivation: Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen im vorigen Jahr habe sich das Theaterspiel zum neuen, abwechslungsreichen Hobby entwickelt. Familiär bedingt sei ihm das Plattdeutsche zwar geläufig, aber gesprochen habe er es zuvor nicht. Unter der Regie von Sven Böhm können sich offensichtlich alle wohlfühlen und auf ein Gelingen bis zur Premiere vertrauen. Für das aktuelle Stück erfolgte noch gemeinsam der Feinschliff an typischen Verhaltensweisen der Figuren, an der Betonung, Lautstärke oder Aussprache überhaupt. Seine Erwartungen seien an diesem Abend weitgehend erfüllt worden, lobte er mit einem zufriedenen Lächeln. Das Zusammenspiel sei heute sogar „viel, viel besser gewesen als beim letzten Mal“.

Hauke Dankleff bekommt nicht nur Lob vom Regisseur, sondern auch ein „Doppelsternchen“ vom Team für die Einfühlung in seine Rolle. Spaß und Freude im Team sowie persönliche Ambitionen spiegeln sich in der langjährigen Zugehörigkeit der Einzelnen. Harald Stellmann und Jörg Neddermann sind seit der Gründung vor 38 Jahren dabei. In 33 beziehungsweise 28 Stücken haben sie verschiedenste Figuren dargestellt. Im vergangenen Jahr konnte sich Souffleuse Ulrike von Rüsten für ihr zehnjähriges Jubiläum ehren lassen, berichtet sie schmunzelnd. Corinna Bär tritt bereits im neunten Jahr als Laienschauspielerin auf. Für sie sei es das Schönste, in eine Rolle schlüpfen zu können und die Person zu erspüren. Claudia Grafe ergänzte, sie erfreue besonders die Gewissheit, dass im Verlauf der Proben alles immer besser harmoniere und funktioniere.

Das Süstedter Theater ist ein Erfolgsmodell. Zwei Aufführungen sind ausverkauft (jeweils am ersten Sonntag im Februar und März). Aber für die Premiere am 18. Januar sind noch Karten verfügbar sowie für weitere acht Wochenendtermine inklusive des zusätzlichen am 1. Februar. Der Vorverkauf findet mittwochs im Gasthaus Mügge zwischen 19 und 20 Uhr statt. Vorbestellungen sind unter Telefon 0 42 40 / 15 61 bei Helga Zierath möglich.

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