Geschichtsträchtige Tour Gästeführung Heiligenberg: Spannendes zur Historie des Ortes

Wer mit Gästeführer Manfred von Hingst den Heiligenberg entlang wandert, erfährt viel Spannendes über die Geschichte des Ortes.
19.10.2021, 13:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Bruchhausen-Vilsen. Bei der Gästeführung von Manfred zum Hingst über den Heiligenberg ging es Sonntagnachmittag nicht nur ins Grüne, sondern auch zu einer kleinen Zeitreise. Mitten in der reizvollen Waldlandschaft, geprägt von einem steten Auf und Ab, erfuhren die Mitwanderer mehr über die Historie des Ringwalls und das dortige frühere Kloster, über Reiherjagd und einstige Fürsten, über kleine Gewässer und Wassermühlen. Nicht zu vergessen die Hintergründe der Entstehung dieser Erhebung, die auf die Eiszeit zurückgeht.

Nach dem Treffpunkt am Brunnen – nicht vor dem Tore, sondern vor dem Forsthaus – ging es erst einmal rund um das drei Hektar große Gelände innerhalb des Ringwalls. Allein darüber gibt es schon eine Menge zu berichten – wie die Ausgrabungen innerhalb, die in den letzten Jahren einiges an Erkenntnissen für die Archäologie gebracht haben. Nicht nur, dass es hier ein Prämonstratenser Kloster gegeben hat von 1218 bis zur Reformationszeit, sondern vorher sicherlich auch einiges schon passiert ist.

Quellen mit Heilkräften

Ein bestimmter, nach Osten ausgerichteter Platz auf dem Ringwall, von dem es steil abfällt, soll Wittekinds oder Widukinds Sporn gewesen sein. Sporn ist in diesem Fall ein kleiner Landschaftsvorsprung, von dem aus man einst wahrscheinlich weit schauen konnte – wenn auch nicht ganz bis Verden. Der Sage nach soll der alte Sachsenführer und Widersacher Karls des Großen irgendwann in den 770er Jahren von hier aus betroffen in jene Richtung geblickt haben, weil dort rund 4500 seiner Mannen abgeschlachtet worden waren.

Unterwegs trafen die Gäste auf hölzerne Brückchen über viele Quellen und kleine Bachläufe; einer davon die Dille, die dann noch im Heiligenberger Forst in die Eiter mündet. Die wiederum zwei Wassermühlen speist, die Klostermühle und Bruchmühlen. Bevor sie dann in Thedinghausen in die Weser fließt.

Manchen Quellen werde Heilkraft nachgesagt, wusste der Gästeführer. Noch heute gebe es immer wieder Besucher, die hier ihr Trinkwasser holen. Das gelte nicht für das Vilsa Mineralwasser, das werde aus größeren Tiefen gewonnen.

Schauplatz trauriger Liebesgeschichten

„Im 17. und 18. Jahrhundert“, berichtete zum Hingst mit Blick auf etliche große Buchen,  „wurde hier dann systematisch Waldbau betrieben, das Holz wurde für Hausbau verwendet, aber vorwiegend geschah das zum Mästen der Schweine, also zur Bucheckern Ernte.“ Eine eher traurige Geschichte aus dem 17. Jahrhundert könne ebenfalls hier verortet werden, nämlich die tragische der unglücklichen Sophia Dorothea, geboren im Jahr 1666 als Tochter des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg und seiner Frau Eleonore. Nach einer unglücklichen Ehe mit dem späteren britischen König Georg I. wurde sie die traurige Prinzessin von Ahlden. Kurz habe sie auch in Bruchhausen-Vilsen verbracht – beliebte Sommerresidenz der Fürsten. Zum Hingst las aus einem leidenschaftlichen Brief an ihren Liebhaber Graf von Königsmark vor.  

Später, Anfang des 20. Jahrhunderts bekam der Heiligenberg eine ganz neue Aufwertung, nämlich als Erholungsgebiet für Fremde, vorwiegend aus Bremen. Aus einem sogenannten Inspektionsboten las der einheimische Gästeführer vor, dass es Pfingsten 1912 an den Bahnhöfen Bruchhausen-Vilsen und Heiligenberg eine Überfülle von auswärtigen Besuchern gegeben habe.

Noch etliche weitere spannende Geschichten gab zum Hingst zum Besten, bevor man sich nach gut zwei Stunden trennte. Diese Wanderungen werden auch im kommenden Jahr wieder von der Gästeführung Bruchhausen-Vilsen angeboten werden. Infos beim Tourismus Service und unter www.bruchhausen-vilsen.de.   

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