Initiative "MINT Zukunft schaffen" Gymnasium Bruchhausen-Vilsen als mint-freundliche Schule ausgezeichnet

19 Schulen in Niedersachsen wurden jüngst als mint-freundliche Schule zertifiziert. Mit dabei ist auch das Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen, das für sein Engagement in diesem Bereich ausgezeichnet wurde.
08.10.2021, 15:39
Lesedauer: 4 Min
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Gymnasium Bruchhausen-Vilsen als mint-freundliche Schule ausgezeichnet
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Rot, grün, blau und gelb schimmert das Wasser in den Bechergläsern, die die Oberstufenschülerinnen Finja Körmann und Jil Meyer vor sich platziert haben. "Das ist Zuckerwasser", sagen die beiden, "aber jeweils in einer anderen Konzentration." Dieses Wasser ist Teil eines Experimentes, welches sie sich im Rahmen ihres Seminarfaches ausgedacht haben und im Dezember zusammen mit Viertklässlern beim Grundschul-Forschertag durchführen wollen. "Wir möchten den Kindern dann zeigen, wie Zucker die Dichte von Wasser verändern kann", sagt Finja, während Jil nacheinander die einzelnen Zuckerlösungen in ein neues Becherglas schüttet – Schicht für Schicht.

Der Grundschul-Forschertag, für den Finja, Jil und ihre anderen Mitschüler derzeit Experimente erarbeiten, ist nur eines der Projekte, die das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen im Mint-Bereich anbietet. Die Bildung in den Mint-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - nimmt im Lehrkonzept der Schule einen großen Stellenwert ein. Und zwar einen so großen, dass das Gymnasium nun in der vergangenen Woche als "mint-freundliche Schule" zertifiziert wurde, gemeinsam mit 18 anderen aus ganz Niedersachsen.  "Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung", sagt Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen stellvertretend für Schülerschaft und Kollegium.

Jahrelanges Engagement

"Schon lange bieten wir im Bereich der Arbeitsgemeinschaften unterschiedliche naturwissenschaftliche Angebote, zum Beispiel Jugend forscht oder das Bauen von Lego-Robotern", erklärt Johannes Rethfeld, der nicht nur Mathematik und Physik unterrichtet, sondern auch Koordinator für Mint-Fächer an der Schule ist. Daher war es nur verständlich, dass sich das Gymnasium ihr Engagement in diesem Bereich auszeichnen lassen möchte. "Vor einem Jahr haben wir uns intensiv mit dem Gedanken zur Bewerbung auseinandergesetzt", berichtet Benjamin Stumpe, Leiter des Bereichs Mathematik und zudem zuständig für die Begabtenförderung. Er war es auch, der die Bewerbung als "mint-freundliche Schule" maßgeblich mit angestoßen hat. Gemeinsam habe man zusammengetragen, was die Schule in Sachen Naturwissenschaft bereits leistet. "Das, was wir machen, haben wir uns auszeichnen lassen", betont Stumpe.

14 Kriterien sind im Bewerbungsbogen festgehalten, mindestens zehn müssen für eine erfolgreiche Bewerbung erfüllt werden. Beispielsweise muss die Mint-Schwerpunktbildung im Schulprogramm festgeschrieben sein oder Zusatz-Angebote im Mint-Bereich ermöglicht werden, die über Lehrpläne und Richtlinien hinausgehen. Im Mai 2021 gingen dann die Bewerbungsunterlagen an die deutschlandweite Initiative "Mint – Zukunft schaffen", in den Sommerferien kam auch schon der Bescheid über die Zertfizierung. Die eigentliche Ehrung, die wegen der aktuellen Situation nur digital über die Bühne ging, fand am 28. September statt. Die verliehene Plakette hängt bereits gut sichtbar im Eingangsbereich.

Jüngere Schüler lernen von älteren

Ältere Schüler bringen den jüngeren etwas bei – mit dieser Vorgehensweise ist das Gymnasium bisher gut gefahren, wie sich nicht nur am Grundschul-Forschertag zeigt, sondern beispielsweise auch bei der Arbeitsgruppe Veranstaltungstechnik, die "seit vielen Jahren reibungslos läuft", wie Schulassistent Frank Wessels betont. Dabei kümmern sich derzeit Elft- und Sechstklässler gemeinsam um das Abmischen und Ablichten von Bands. Und das nicht nur auf der Schulbühne, wie Oberstufenschüler Luca Wendte berichtet: "Wir haben auch schon im Kulturhaus BO in Asendorf die Technik für Bands gemacht." Für ihn ist die Arbeit in der Gruppe eine gute Vorbereitung auf den Beruf des Veranstaltungstechnikers. Leon Behrens ist ebenfalls Teil der Gruppe und besucht derzeit die sechste Klasse. Besonders "cool" findet er den Umgang mit dem hochwertigen Equipment und dem guten Team. 

Ein anderes Beispiel für die Wissensvermittlung von älteren zu jüngeren Schülern ist die Klasse Biochemie: Dabei informieren Oberstufenschüler die Achtklässler in Sachen Drogenprävention. "Dafür haben wir den KlarSicht-Mitmach-Parcours", erklärt Thore Wedemeyer. Dieser Koffer beinhaltet verschiedene Mitmach-Stationen, an denen über die Risiken von Nikotin und Alkohol aufgeklärt wird. Wedemeyer und sein Mitschüler Jan Wicke bereiten die Inhalte des Koffers auf und vermitteln die Inhalte auf interaktive Art den Achtklässlern. Johannes Rethfeld und seine Kollegen sind überzeugt davon, dass bei dieser Art des Lehrens die Inhalte von den jungen Schülern anders aufgenommen werden und diese Lehrart auch für die älteren Schüler eine wertvolle Erfahrung ist.

Doch zurück zu Finja und Jil aus dem Seminarfach: Sie sind sich sicher, dass ihr Experiment mit der Zuckerwasser-Lösung bei den Grundschülern gut ankommen wird. "Den Versuch können die Kinder dann auch ganz leicht zu Hause nachmachen", sagt Jil. Die beiden Abiturientinnen sind schon sehr gespannt, zum Grundschul-Forschertag einmal in die Rolle der Lehrenden zu schlüpfen, um den Viertklässlern neues Wissen vermitteln zu können. Ob es sie später durch diese Erfahrung beruflich in den Mint-Bereich ziehen wird, können die jungen Frauen allerdings noch nicht sagen.

Zur Sache

Digitale Ehrungsfeier

In einer Onlineveranstaltung wurden am 28. September insgesamt 19 Schulen in Niedersachsen vom Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Thomas Sattelberger, Vorsitzender der Initiative "Mint - Zukunft schaffen", ausgezeichnet. Die Ehrung steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz. Dabei erhielten sechs Schulen, darunter das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen, diese Auszeichnung zum ersten Mal. 13 Schulen wurden nach dreijähriger erfolgreicher Mint-Profilbildung erneut mit der Zertifizierung "mint-freundliche Schule" bedacht. "Den hier ausgezeichneten Schulen gelingt es besonders gut, mit ihren Konzepten junge Menschen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Damit stellen Sie die richtigen Weichen, um den Herausforderungen in der Forschung für eine klimafreundliche zu begegnen, aber auch, um dringend gesuchte Fachkräfte für die Wirtschaft zu gewinnen." Thomas Sattelberger ergänzt: "Digitale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler sind zentrale Voraussetzungen nicht nur für ihren Lernerfolg, sondern auch für spätere beruflichen Erfolg." Weitere Schulen aus der Region, die als mint-freundlich zertifiziert wurden, sind das Gymnasium an der Willmsstraße in Delmenhorst und die Realschule Diepholz. Weitere Informationen zu der Auszeichnung und der Initiative "Mint Zukunft schaffen" gibt es im Internet unter www.mintzukunftschaffen.de.

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