Noltesche Scheune

Mit harter Arbeit auf die grüne Insel

Die irische Folklore handelt von Seemännern, schönen Frauen und dem Bestreben der grünen Insel, eine eigene Nation zu werden. Die deutsche Band Finnegans verbreitet diese Nachrichten.
20.10.2019, 17:04
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Von Dorit Schlemermeyer
Mit harter Arbeit auf die grüne Insel

Sie wissen, was sie tun: Die Band Finnegan um Sänger Klaus Claaßen hat reichlich Erfahrung.

Vasil Dinev

Süstedt. „Wenn wir ein Konzert beginnen, begrüßen wir das Publikum immer mit: Hi Folks! Und das Publikum antwortet dann mit: Hi Finnegans!“ So wurden am Sonnabendabend die mehr als 100 Zuhörer von Bandleader Klaus Claaßen in der Nolteschen Scheune in Süstedt eingewiesen. Begonnen hatte das Konzert der vierköpfigen Band a cappella, also nur mit mehrstimmigem Gesang, bevor beim nächsten Song Gitarren (Harald Schwarzer, Günter Marzan) und Akkordeon (Günter Burmester) zum Einsatz kamen.

„In dem Stück geht es um einen Seemann, der nicht mehr zur See fahren will“, stimmte Claaßen das Publikum auf den irischen Folksong ein, und auch das nächste Lied hatte die typischen Geschichten der irischen Folklore zum Inhalt, in diesem Fall eine schöne Frau: „The Star Of The Country Town“. Neben den Gitarren sorgte Harald Schwarzers Banjo für einen besonderen Klang.

Wer „Finnegan“ recherchiert, wird übrigens finden, dass es sich dabei um die Übersetzung für „harte Arbeit“ handelt. Ein weiteres beliebtes Thema in den Liedern sei natürlich der Kampf gegen die Engländer und der Wunsch, eine Nation zu sein, beschrieb Claaßen den Inhalt des nächsten Liedes, dem später noch „A Nation Once Again“ folgte, das ebenso von diesem Wunsch erzählt. Das Stück über die „Fliegenden Händler“, „The Travelling Doctors“, brachte indes den irischen Humor ins Spiel. Denn: Im Mittelpunkt stand eine ältere Frau, die – optisch nicht eben begünstigt – dazu neigte, sich mit allen möglichen Mitteln bei den Händlern zu versorgen. Und hier kam noch ein Instrument zum Einsatz: Löffel, gespielt vom vielseitigen Schwarzer, kommentiert von Claaßen mit den Worten: „Der spielt mit allem, was klappert und manchmal fällt auch etwas runter.“

In der Zwischenzeit war das Publikum so weit aufgewärmt, dass es der Aufforderung zum Mitklatschen prompt nachkam, während das Lied über die schöne Sally wieder ohne Instrumente, aber dafür im wirklich schönen vierstimmigen Gesang präsentiert wurde. Das versetzte wohl so manchen Irlandurlauber zurück auf die grüne Insel. So auch das darauf folgende Liebeslied, das die Geschichte eines jungen Mannes erzählte, der eine junge Frau trifft und diese mitnimmt auf sein Zimmer, am nächsten Morgen aber allein ist und sie dann überall sucht.

Dass die Finnegans nicht nur gut singen und spielen, sondern auch für Unterhaltung sorgen können, zeigte die Geschichte über ein Harley-Treffen in Vechta: „Wenn man die Hände an der Gitarre hat und spürt, dass man von einer Mücke umschwirrt wird, ist das nicht angenehm“, erinnerte sich der Bandleader. Im Scheinwerferlicht habe man die Mücke direkt auf den Frontmann zufliegen sehen, aber nichts ausrichten können.

Neben der irischen Folklore haben die Finnegans aber auch schottische Lieder im Repertoire. Eines stammte sogar aus Nordamerika, bevor es zurück in den Pub ging mit einem Lied aus Dublin, das die Geschichte eines Fährmanns zum Inhalt hatte, der arbeitslos wurde und seine Familie nicht mehr ernähren konnte. Obwohl der Inhalt eher traurig war, war es die Melodie nicht. Dann ging es musikalisch nach Schottland mit einem Lied über „Mary“, von einem Zuhörer kommentiert mit „Ach was“ ob des vielfach verwendeten schottischen Frauennamens.

Letztlich kamen noch alle auf ihre Kosten, die in den Siebzigern echte Dubliners-Fans waren, denn die Band spielte deren wohl bekanntestes Lied. „Whiskey In The Jar“ wurde vom Publikum begeistert mitgesungen. Nach zwei weiteren Stücken war Pause. Claaßen und Marzan freuten sich: „Als wir vor vier Jahren das letzte Mal hier waren, war es nicht so voll, so macht es natürlich mehr Spaß.“

Dem Publikum hatte es auch Laune gemacht, allerdings hätten sich einige Zuhörer noch mehr Stimmung gewünscht. Eben wie im irischen Pub. Womöglich erfüllte das der zweite Teil mit bekannten Liedern wie „Molly Mallone“ oder „By The Rising Of The Moon“.

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