Pferdehof Brüning

„Pferde längst in unserer DNA“

Bei Hof Brüning in Ochtmannien werden Pferde gezüchtet, ausgebildet und für den Turniersport vorbereitet. Das hat Tradition: Zucht und Ausbildung erfolgen bei den Brünings nunmehr bereits in vierter Generation.
05.08.2020, 09:54
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
„Pferde längst in unserer DNA“
Von Jürgen Juschkat
„Pferde längst in unserer DNA“

Herzlich: Hans-Heinrich Brüning (rechts) und seinen Sohn Hannes haben eine enge Bindung zu ihren vierbeinigen Schützlingen.

Michael Braunschädel

Ochtmannien. Wer die Straße entlang zum Hof Brüning in Ochtmannien fährt, sieht nicht selten auf einer Weide eine große Pferdeherde mit Stuten und jungen Fohlen. Kein Wunder, denn auf der weiträumigen Anlage dahinter werden Pferde gezüchtet, ausgebildet und damit für den Turniersport vorbereitet – für die Dressur, das Springen und die Vielseitigkeit. Das hat Tradition: Zucht und Ausbildung erfolgen bei den Brünings in vierter Generation.

Die Familie Brüning behauptet nicht ohne Stolz und Berechtigung: „Pferde sind längst in unserer DNA.“ Immerhin befindet sich der Hof nur 30 Kilometer von der Reiterstadt Verden entfernt und damit im Herzen des hannoverschen Zuchtgebietes, seit 1430 in Familienbesitz. 75 eigene Pferde – davon 20 Stuten – stehen in den unterschiedlichen Stallungen beziehungsweise grasen auf den weitläufigen Weiden. Hinzu kommen 140 Kommissionspferde mit 30 Pensionsstuten. Jahr für Jahr erblicken hier mehr als 50 Fohlen das Licht der Welt. In der Regel werden die jungen Vierbeiner angeritten und auf Turnieren vorgestellt.

Pferdehof Brüning, Ochtmannien

Fohlen, der vielversprechende Nachwuchs von edlen Zuchttieren, tollen auf den Weiden des Hofs Brüning.

Foto: Michael Braunschädel

Der Hof ist international ausgerichtet, denn in Ochtmannien stehen zum Beispiel Stuten, deren Besitzer aus Amerika, Australien, Südkorea, der Schweiz oder aus Luxemburg kommen. „Weil sie in Niedersachsen besser aufwachsen als in Sacramentos Autogarage“, sagt Hans-Heinrich Brüning, der mit seinem Sohn Hannes den Zuchtbetrieb führt, und schmunzelt dabei. Ein bis drei, vier Mal im Jahr kommen die ausländischen Besitzer auf Brünings Hof. „Da muss natürlich alles akkurat sein“, sagt Vater Brüning. Und das ist es auch.

Auch die deutsch-amerikanische Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen, weltweit bekannt und erfolgreich, lässt hier schon mal Sportstuten Fohlen zur Welt bringen und ausbilden. Ebenso Philipp Weishaupt aus dem nationalen Springreiter-Kader. Die gute Arbeit an diesem Ort ist ihnen nicht verborgen geblieben.

Eine Kooperation der besonderen Art pflegen die Hof-Besitzer aus Ochtmannien mit Thomson Horses. „Wir liefern Futter und stellen die Hardware, also Stall und Reithalle zur Verfügung“, erklärt Hans-Heinrich Brüning. Ein Pferd kann nur so erfolgreich sein wie sein Reiter. „Aus diesem Grund arbeiten wir in der Ausbildung, Vorstellung und Vermarktung unserer Dressurpferde mit dem Team von Thomson Horses zusammen“, fügt er an. Jessica Lynn und Raphael Thomas, beide im Dressursport erfolgreich bis Grand Prix, sind verantwortlich für die Förderung der jungen Dressurtalente. In absehbarer Zeit wird Hannah Hennix die von ihr trainierte und gerittene „Rosa“ bei der Herwart-von-der-Decken-Schau in Verden präsentieren.

Zum Personal auf Hof Brüning zählen drei ausgebildete Mitarbeiter und ein Lehrling. Zum 300 Hektar großen Anwesen gehören 160 Hektar Acker- und 110 Hektar Grünland. Zwei Mal im Jahr gibt es eine große Fohlenschau, einmal werden Stuten dem Fachpublikum vorgestellt – jedoch nicht zu Corona-Zeiten.

Das Wichtigste überhaupt sind die Stutenstämme. Und so richtet sich die Philosophie nach der Prämisse: Das Beste muss der Zucht erhalten bleiben. Die Stuten auf Hof Brüning stammen unter anderem von Belissimo M, Dimaggio, Don Frederico, Don Schufro, Fürst Romancier, Quaterback, Sir Donnerhall I und Totilas ab.

Der größte Zuchterfolg wurde 2019 in Holland bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde gefeiert, als sich Zucchero bei den 50 vorsortierten Dressurpferden der Sechsjährigen aus aller Welt durchsetzte. Doch viele weitere hochkarätige Auszeichnungen schmücken das historische Wohnhaus.

Pferdehof Brüning, Ochtmannien

Pflege für Rosa: Hanna Hennix striegelt die von ihr trainierte und gerittene Stute, die sie in absehbarer Zeit bei der Herwart-von-der-Decken-Schau in Verden präsentieren wird.

Foto: Michael Braunschädel

In einer Führmaschine werden die Pferde bewegt und die Kondition verbessert. Geschwindigkeit und Richtung können dabei individuell geändert werden. Fürs erste Anreiten steht eine Longier-Halle zur Verfügung. Es gibt auch einen Stuten-Laufstall. Vor drei Jahren hat die Familie Brüning – dazu gehören auch die Frauen Adelheid und Victoria sowie die Enkel Amelie und Carlo – eine zusätzliche Reithalle gebaut. „Sie dient als Trainingshalle für Thomson Horses und für Videoaufnahmen sowie als Verkaufshalle für uns“, berichtet Brüning.

Natürlich geht es mittlerweile in der Pferdezucht auch nicht ganz ohne digitale Technik. Im Abfohl-Bereich steht ein Gerät, das gleich Alarm schlägt, wenn es bei einer Stute soweit ist. Die Zucht nach Stammbaum zieht sich wie ein roter Faden auch durch die Pferdezucht. „Manche Stämme gehen schon über 18 Generationen“, erklärt Brüning-Senior, der sich 2006 für die Pferdezucht entschied.

„Vor 30 Jahren hatten wir 60 Hektar Eigentum, der landwirtschaftliche Betrieb war auf Rinder, Schweine und Pferdezucht ausgerichtet. Der Umstand, dass 60 Kühe für die Zukunft nicht reichen würden, gab den Ausschlag“, fügt er an. Die einzelnen Bereiche sind auf Hof Brüning vorbildlich und äußerst praktisch aufgeteilt. „Auf der einen Seite stehen Pferde, die nur im Training sind, auf der anderen Pferde in der Aufzucht“, zeigt der Hof-Herr, der sich in der Aufsichtsfunktion sieht, auf die Gebäude auf beiden Seiten der Auffahrt. Sohn Hannes organisierte für die Presse den Foto-Termin bei der Herde, wobei sich eine Stute als besonders anhänglich gegenüber dem Fotografen präsentierte. Es ist hier eben alles neben dem optimalen Umfeld mit hellen und freundlichen Stallungen und großen Weiden recht familiär.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+