Pferdetrainerin Nina Steigerwald

Gesundheit mit Spaß

Belohnungen statt Strafen: Mit ihrem Ansatz der positiven Verstärkung weist Pferdetrainerin Nina Steigerwald aus Ochtmannien einige Erfolge vor.
22.10.2020, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Bruchhausen-Vilsen. Als wäre es selbstverständlich, steigt Pferd Frida auf die Wippe. Die schwenkt zunächst hin und her, das Tier ringt mit dem Gleichgewicht, weicht jedoch nicht von der Stelle. Ein paar kleine Schritte und das Gerät ist ausbalanciert – Frida steht ruhig auf der Fläche, alle vier Hufe sicher auf der Oberfläche. Allein durch die Körperverlagerung bewegt sich die Wippe nun kontrolliert und nach dem Willen des Tieres. Darauf erst einmal eine Handvoll Hafer. Genau das hat Frida in den vergangenen Jahren gelernt: Wenn sie die Übungen und Aufgaben meistert, bekommt sie eine Belohnung. Sei es beim Parcours oder mit einem Kunststück, bei dem sie sich auf die Hinterbeine stellt. Immer wieder bekommt sie von Trainerin Nina Steigerwald die Hand mit dem Futter hingestreckt.

Steigerwald lebt seit mittlerweile rund zehn Jahren mit ihren inzwischen 30 Hühnern, sechs Schafen, vier Pferden und zwei Hunden auf ihrem Hof in Ochtmannien. Nach jahrelanger Suche wurde sie hier fündig, um ihr Hobby zum Beruf zu machen. Oder besser gesagt: ihre Hobbys. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist tiergerechtes Training. Ihr Wissen gibt sie an Interessierte weiter.

In Hühnerseminaren vermittelt Steigerwald beispielsweise „Grundsätzlichkeiten, die elementar für gutes Training sind“, wie sie selbst beschreibt: „Das lernt man mit Hühnern am besten.“ Im Umgang mit den Tieren gebe es zwar keine Laborbedingungen, dafür aber einen klaren Blick auf das Verhalten von Tieren. Löschungstrotz und Belohnungsrate nennt sie als zwei Stichworte. Dabei stellt die Leiterin klar: „Das ist eine ganz intensive Menschenschulung über fünf Tage.“

Der Lernerfolg der Tiere hängt maßgeblich vom Menschen ab, so die Devise. Steigerwald legt eine kleine Plastikkarte auf den Tisch, darauf zu sehen ist ein schwarzer Kreis mit einem weißen Mittelpunkt. Ziel der Übung ist, dass das Huhn mit geschlossenem Schnabel auf Kommando auf den weißen Punkt pikt. „Man muss dem Tier das Richtige so leicht wie möglich machen“, erläutert sie ihre Methode. Bedeutet in diesem Fall: Das Huhn bekommt – genauso wie das Pferd – eine Belohnung, sobald es die Aufgabe erfüllt. Das Muster präge sich mit der Zeit ein. Wichtig sei deshalb auch, die Belohnung auch nur dann zu geben, betont die Trainerin. Berührt das Huhn etwa nur den Rand, was in der Natur bei der Nahrungssuche erfolgversprechender sei, präge sich durch die Belohnung eine falsche Verhaltensweise ein. „Man lernt, mit Problemverhalten umzugehen“, sagt Steigerwald über ihr Seminar.

Neben dem Futter nutzt Steigerwald einen Klicker, um einen akustischen Reiz zu setzen. Diese Methode ist auch aus dem Hundetraining bekannt, von ihr hat sich die gelernte Masseurin und spätere Pferdephysiotherapeutin von zwei Hundertrainerinnen inspirieren lassen. „Ich dachte, es müsste auch Krankengymnastik möglich sein“, erklärt sie. Gemeint sind kleine, feine Bewegungen, die dem Bewegungsapparat helfen sollen. So wie mit der Pferdewippe, die Steigerwald gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt hat. In der Folge entwickelte sich die Idee für Pferde-Agility.

Inzwischen hat Steigerwald auf ihrem Hof einen ganzen Parcours mit Sprungelementen, Gleichgewichtsübungen und anderen Herausforderungen für die Tiere und bietet verschiedene Seminarformate für Pferde an. „Gute Gesundheit mit Spaß“, fasst sie zusammen. Spaß auch, weil die Tiere sich etwas verdienen und keine Bestrafung fürchten müssen. Dass sich dieser Ansatz noch nicht durchgesetzt hat, wundert auch die Trainerin. Die Kultur, sich durchsetzen zu müssen, sei noch immer präsent. „Ich glaube, das hat sich hartnäckig in den Köpfen verankert“, sagt Steigerwald. Ein Umdenken erfordere einiges vom Menschen.

Ideen hat die Pferdetrainerin noch reichlich. „Das Tag ist einfach zu kurz“, sagt sie und lacht. Im Februar 2021 wird Steigerwald ein Buch zum Medical Training veröffentlichen. In diesem zeigt sie auf, wie sich Pferde auf den Tierarztbesuch vorbereiten lassen.

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