Planetarium im Alten Gaswerk

Um eine Attraktion reicher

Das Planetarium im Alten Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen ist offiziell eröffnet. So richtig losgehen wird's allerdings erst in den Herbstferien, denn die richtige Kuppel aus China fehlt noch.
27.08.2021, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Um eine Attraktion reicher
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Nein, keine Angst: Dies wird keine Star-Trek-Imitation. Aber in der Tat geht es um Sterne. Um ein gut 100 Jahre altes Planetarium der Firma Zeiss, das am Freitagmittag im Alten Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen in Betrieb genommen wurde – pünktlich auf die Minute an dem Zeitpunkt, an dem normalerweise der Brokser Heiratsmarkt mit drei Böllerschüssen eröffnet wird. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit. Neben zahlreichen Lokalpolitikern und hilfreichen Vereinsvertretern waren auch Landrat Cord Bockhop und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil vor Ort. "Ich hatte keine Ausrede", flachste der Sozialdemokrat. Er sei eigentlich als Heiratsvermittler beim Brokser Markt vorgesehen gewesen. "Also wussten die Menschen hier, dass ich heute Zeit habe." 

Der Luftkurort hat nun also sein eigenes Planetarium. Für zwei Jahre nur, weil das technische Gerät danach nach Den Haag verfrachtet wird, wo es auch herkommt. Dennoch war Fleckenbürgermeister Lars Bierfischer "mächtig stolz", dass Bruchhausen-Vilsen "wieder um eine Attraktion reicher ist". Der Zwilling des Zeiss-Planetariums steht übrigens im Deutschen Museum in München. Nur: Der funktioniert nicht mehr. Im Gegensatz zu dem Gerät, das nun im Alten Gaswerk steht.

Romke Schievink, Neu-Bruchmühlener mit einem Faible für den Nachthimmel, hat das mehr als 100 Jahre alte Planetarium wieder auf Vordermann gebracht. Nicht alleine, sondern mit Freunden aus den Niederlanden, die seine Begeisterung teilen. Die waren überzeugt davon, das Gerät sei bei einem Brand im Museum in Den Haag zerstört worden. Nicht so Schievink. Er begab sich auf die Suche und wurde tatsächlich fündig. "1000 Stunden" haben er und seine Mitstreiter anschließend gebraucht, um "das Wunder von Jena" wieder zum Laufen zu bekommen. 

Jetzt läuft es wieder. Und wie. Romke Schievink präsentierte es den etwa 30 Anwesenden coronagerecht in zwei Gruppen. Dazu wurde eigens eine Übergangskuppel aufgebaut. Die eigentlich vorgesehene Kuppel kommt aus China "und ist gerade auf dem Weg in Richtung Suez-Kanal", scherzte der Niederländer. Dann geriet er geradewegs ins Schwärmen. Das sogenannte "Wunder von Jena" sei das erste Planetarium, dass alle Sterne anzeigen konnte. Etwa 500 Himmelskörper seien in Planetarien Anfang des 20. Jahrhunderts normalerweise zu sehen gewesen, bei diesem waren es bis zu 2000. Und diese können sich im Zeitraffer bewegen. "Vor 100 Jahren hatte so etwas noch niemand gesehen."

Neben Touristen sollen vornehmlich Schulklassen von der neuen Attraktion profitieren. "Viele wissen wegen der Lichtverschmutzung ja gar nicht, wie ein Nachthimmel aussehen kann", sagte Romke Schievink. In der stockdunklen Kuppel allerdings präsentiert der Projektor einen Sternenhimmel wie in der chilenische Atacama-Wüste. Um die Lichtverschmutzung zu verdeutlichen, können Kinder und Jugendliche in der Kuppel das Licht in verschiedenen Orten ausschalten, um die Auswirkungen auf die Dunkelheit drastisch vor Augen geführt zu bekommen.

Öffentlich zugänglich wird das Planetarium erst sein, wenn die Kuppel aus China im Luftkurort angekommen ist. Anfang/Mitte Oktober soll es soweit sein, spätestens aber in den Herbstferien. Dann wird sich zeigen, welche Zugkraft das ehemalige "Wunder von Jena" auf Touristen hat. Stephan Weil war schon mal beeindruckt: "Man fühlt sich immer so klein, wenn man einen Blick auf die Sterne wirft."

Zur Sache

Im Herbst geht's richtig los

Spätestens in den Herbstferien - 18. bis 29. Oktober - soll das Planetarium endgültig für die Öffentlichkeit zugänglich sein. "Wir öffnen, wenn die neue Kuppel da ist", erklärt Romke Schievink, Eigner des mehr als 100 Jahre alten Zeiss-Planetariums. Die aus China erwartete Kuppel ist acht Meter hoch, also größer als die Zwischenlösung. Dennoch könnten nur kleine Gruppen hinein. Anmeldungen für einen Ausflug in die Welt der Sterne können dann über den örtlichen Tourismus-Service getätigt werden. Die Telefonnummer: 04252/930050.

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