St.-Cyriakus-Kirche Mit viel Feingefühl saniert

Die St.-Cyriakus-Kirche in Bruchhausen-Vilsen ist über 800 Jahre alt. Da war es Zeit für eine Renovierung des Turms. Risse wurde beseitigt und die Steine neu verfugt.
02.08.2021, 16:17
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss/dv

Bruchhausen-Vilsen. Seit mehr als 800 Jahren steht das Gotteshaus – oder große Teile davon – in Vilsen. Eine lange Zeit, sodass es nicht verwunderlich ist, dass der Kirchturm der St.-Cyriakus-Kirche nun mal eine Auffrischung benötigte. Dieser Turm, ein sogenannter Wehrturm, und das Kirchenschiff stammen aus der Zeit um 1150. Sie sind wahre Schmuckstücke romanischer Baukunst. In diesen Jahrhunderten hat der architektonische Schatz eine Vielzahl von Veränderungen erlebt. Letztmalig renoviert wurde er in den 1950er-Jahren.

Die aus Feld- und Portasandsteinen erbaute, kreuzförmige Saalkirche aus der Romanik – was sich noch sehr gut an Turm und Schiff erkennen lässt – ist Blickfang und historischer Mittelpunkt des Fleckens Vilsen. Das Gotteshaus wurde erstmals 1227 urkundlich als St. Martinskirche erwähnt.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Anbau eines Querhauses und die Einwölbung der gesamten Kirche. 1235 wurde der Bau den Prämonstratensern vom Heiligenberg zugeordnet, was anlässlich der 800-Jahr-Feier untersucht worden ist, aber nicht endgültig geklärt werden konnte.

Mit der Zeit gab es immer größere Risse zu sehen, die sich am unten 1,60 Meter dicken und im oberen Teil 1,40 Meter dicken Turm zeigten. So verlief an der Ostseite ein langer Riss von oben bis unten. Das Geläut war an den Wänden befestigt und ließ daher den Turm immer mitschwingen. Manchmal bröckelte es von oben, erinnert sich Christiane Wimmer, Mitglied im Bauausschuss des Kirchenvorstands. Um noch größeren Schaden zu vermeiden, beschloss daher der Kirchenvorstand 2019, das Ganze zu sanieren.

Der Turm wurde also gänzlich bis zur Traufe eingerüstet. Wimmer erklärt, wie das weitere Vorgehen ablief: „Eine Restauratorin hat sich das Gemäuer ganz genau angeschaut und Stellen beziehungsweise Steine, die ‚schadhaft’ waren durchnummeriert. Die Steinmetze haben dann Stelle für Stelle, Riss für Riss saniert. Anschließend ist alles neu verfugt worden.“ Noch sichtbar an der Südseite in Höhe von zirka 20 Metern, Stein Nummer 46. Danach wurde also alles wieder reihenweise neu gemauert mit heute sichtbar neuen, helleren Fugen. Die ehrenamtliche Gästeführerin erzählt: „Dafür wurde ein extra Fugenmörtel erstellt, angelehnt an die historischen Fugen. Die haben einen hohen Muschelkalk-Anteil, sodass der Mörtel sehr schnell trocknet.“

Im ersten Jahr habe man rund 800 Backsteine oft als Zweitverwandung für die Risse benötigt, was von außen nicht sichtbar wird. Außerdem seien viele Sandsteine verarbeitet worden, die die Firma günstig von einem Lager der bremischen Landeskirche bekommen konnte. Die schadhaften Stellen wurden mit den alten Steinen saniert. Um das gut zusammenhaltbar zu gestalten, wurden neben den alten Ankern auch neue eingebaut, erkennbar daran, dass sie kürzer sind. Insgesamt sind es nunmehr 42 Anker, denn außerdem blieben die beiden Eisenbänder, die von 1883 stammen und rund um den Turm für große Stabilität sorgen, erhalten. „Sie haben mit sehr viel Feingefühl saniert“, freut sich Wimmer. Sie hätten eine gute Balance gehalten zwischen dem Erhalt alter Materialien und Neuem.

Mit Augenzwinkern erinnert sich die engagierte Kirchenvorsteherin an eine Erzählung des Botanikers David Heinrich Hoppe, der hier geboren wurde und lange gelebt hat: „Er schreibt, dass er und andere Kinder den Kirchturm hochgeklettert seien, um dann oben Eier aus Dohlennestern zu klauen.“ Mit viel Geschick wäre das heute sicher auch noch möglich, bis auf die Nester, die möglicherweise nicht vorhanden sind. Wenn es nach Wimmer gegangen wäre, hätte man gern auch gleich das Dach sanieren können, aber wahrscheinlich wäre das dann doch etwas zu teuer geworden. Die Kosten von 1,6 Millionen Euro teilten sich die Landeskirche, Land und Kirchenkreis, alles unter dem wachen Auge des Amtes für Bau und Kunstpflege.

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