The Bobbies

Forever Young

Die Beatband The Bobbies durfte lange Zeit nur in der Süstedter Hasenburg proben. Jetzt steht der erste Auftritt an: Am 11. September rocken die Kreis-Diepholzer die Burg Ummendorf in Sachsen-Anhalt.
09.09.2020, 16:52
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Von Bärbel Rädisch
Forever Young

Endlich wieder ein Live-Auftritt: Die Bobbies spielen am Freitag in Burg Ummendorf in Sachsen-Anhalt.

Michael Galian

Süstedt. „Ein Glücksfall ist für uns, dass wir hier in der ehemaligen Gaststätte Zur Hasenburg proben können mit dem in Pandemiezeiten nötigen Abstand zueinander“, findet der Süstedter Uwe Meseberg, Bandleader und Gitarrist der Beatband The Bobbies. Das sind außerdem Harald Wellmann (Schlagzeug), Günter Reinhardt (Bassgitarre) und seit einem halben Jahr Jürgen Schmidt (Gitarre). Mit Feuereifer bereiten sich die Vier auf einen Auftritt in Sachsen-Anhalt vor. „Dank der niedrigen Fallzahlen ist unser Auftritt dort möglich. Nach all den Absagen wegen Corona freuen wir uns wahnsinnig“, sagt Meseberg. „Man hat Angst einzurosten, wenn nicht gespielt werden darf. Aber wenn im Bremer Meisenfrei, wo wir oft aufgetreten sind, zurzeit nur 100 Besucher erlaubt sind statt der üblichen 300, blutet einem das Herz.“

In den 1960er-Jahren war die Band rund um Bremen die angesagteste der Beat-Generation. Die Bobbies spielten in der Lila Eule, im Café Hillmann, in der Vegesacker Strandlust, bei Riverboatpartys auf der MS Oceana und andernorts. Sie agierten als Vorband der Equals und der Beat Merchants, dem Vorläufer von The Who. Das Plattenlabel Electrola verpasste den Musikern den Namen „Boys Of Beat By International Electronic Sounds“, daraus ergab sich aus den Anfangsbuchstaben die Kurzform The Bobbies. „Geschützt wurde der Name nicht. So konnten wir viele Jahre später, als sich eine Band in Memphis den Namen aneignete, auch nichts dagegen unternehmen, oder gar Geld herausschlagen. Was soll‘s, Amerika ist weit weg“, konstatiert Meseberg heute gelassen.

1968 löste sich die Band aus beruflichen Gründen auf. Nach einem Feature von Detlef Michelers 2001 bei Radio Bremen gelang ein Neustart in alter Besetzung. Zeitweise war auch der ehemalige Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch als Schlagzeuger mit von der Partie. Auftritte in der Kastanie in Martfeld, im Kurpark in Vilsen, in der Music Hall in Worpswede, bei Sonderausstellungen über die Rolling Stones oder Beatles oder bei Sessions im Syker Kreismuseum folgten.

Dank des dortigen Leiters Ralf Vogeding kam auch der Kontakt zustande zum Börde-Museum Burg Ummendorf in Sachsen-Anhalt. Hier findet jährlich ein Burgsommerkonzert statt. „Nach unserem Neustart traten wir 2002 erstmals im Burghof auf, sind immer wieder hingefahren und werden am 11. September das vierte Mal da aufspielen“, sagt Uwe Meseberg. So wird es in Ummendorf mit dem Stones-Titel „Sympathy For The Devil“ heißen: „Please To Meet You.“ Und bei „Wild Thing“ von The Troggs, auch gecovert von Jimi Hendrix, singen die Vier „You Make My Heart Sing“. Und das nimmt man ihnen sofort ab. „Peggy Sue“ lädt nach den ersten Tönen zum Mitsingen ein und der Rolling-Stones-Song „Paint It Black“ mit der Zeile „I See A Red Door And I Want It Painted Black“ könnte heutzutage durchaus als aktueller Wunsch artikuliert werden, Rassismus aus der Welt zu schaffen. Forever Young sind die zu Evergreens gewordenen Titel im Spektrum der Bobbies inzwischen, wie „Jonny Be Good“, „Sha La Li“ oder „Hey Joe“. Und die vier Musiker – Meseberg wird demnächst 79 Jahre alt, die anderen drei sind auch keine 20 mehr – rocken während der Probe die Hasenburg wie in alten Zeiten.

„Rock‘n‘Roll forever“ ist ihre Devise und anscheinend ein Jungbrunnen für sie. Bleibt für die hoffentlich bald wieder zahlreichen Auftritte der Bobbies, dem Publikum die Songzeile aus „Hey Jude“ von den Beatles zuzurufen: „Remember To Let Them Into Your Heart.“

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