Rassismus, Mobbing, Medienvielfalt Braune Wäsche – was heißt das?

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiges Datum. Aus diesem Grund haben sich die Schüler des Vilser Gymnasiums mit zahlreichen Themen rund um Vielfalt, Toleranz und Courage intensiv beschäftigt.
09.11.2021, 16:40
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Bärbel Rädisch

Bruchhausen-Vilsen. "Unsere Schule – vielfältig, tolerant, couragiert". So lautete das Motto am 9. November, dem Projekttag des Gymnasiums in Bruchhausen-Vilsen. Zu Schuljahresbeginn hatten sich Schüler, Eltern und Lehrerschaft entschlossen, sich breit gefächert Themen um Vielfalt, Toleranz und Courage zu widmen. Historische Ereignisse wie die Novemberrevolution von 1918 in Berlin, die Reichspogromnacht 1938 und als friedliches Ereignis der Fall der Berliner Mauer 1989 sind einschneidende Ereignisse für dieses Datum.

Ein Privileg war es mit der Koordinatorin Jenny Döhl durchs Schulgebäude in alle Räume geführt zu werden und Einblick in die Vielfalt der Projekte zu gewinnen. Kleine und große Gruppen saßen zusammen, besprachen bereits Ausgearbeitetes und Zusammengetragenes oder näherten sich den gestellten Problemen und erarbeiteten Lösungen. In den fünften Klassen ging es zum Beispiel um die sogenannten Sozialen Medien. In den siebten Klassen war Rassismus das Thema. Verschwörungstheorien kamen in Klasse elf zur Sprache. „Es grassiert ja die Aussage, es gäbe Corona nicht, oder Bill Gates hätte seine Finger im Spiel“, führten die Schüler an. Achtklässler sprachen über körperliche Behinderungen. Eine sechste Klasse erwartete einen Blinden, um über sein Leben mit der persönlichen Einschränkung zu diskutieren. Fake News, Glaubensausrichtungen, Homophobie erörterten Zehntklässler. Cyber-Mobbing-Plakate, Ausgrenzung und Rollenspiele bezüglich Mobbing beschäftigte eine siebte Klasse.

Die Redakteurin Refiye Ellek, die seit 2014 bei Radio Bremen arbeitet, diskutierte mit einer neunten Klasse über Medienvielfalt. Sie hat einen Bachelor in Kommunikations- und Medienwissenschaften und einen Master in Transkulturellen Studien. Ihre wertvollen Erfahrungen konnte die in Bremen geborene junge Frau mit türkischen Wurzeln an die Schüler weitergeben.

Die Kunstlehrerin Katharina Leineweber und Katrin Hars, die Politik unterrichtet, hatten eine Gruppe Elftklässlerinnen zum Thema „Farbe bekennen“ um sich geschart. Rechtsextreme Symbole oder Schriften auf T-Shirts tauchen auch im Straßenbild und nicht nur bei Demonstrationen auf – hier als „Braune Wäsche“ gebrandmarkt. Oft wissen Käufer gar nicht um die Bedeutung. „Das Regenbogenmotiv beispielsweise wird schamlos mit Parolen, die menschenfeindlich sind, überdruckt und missbraucht“, sagte eine der Lehrerinnen. Die Schülerinnen gestalteten, verzierten und bedruckten weiße Shirts, die anschließend versteigert werden sollten.

700 Schüler besuchen das Vilser Gymnasium. Die Hoffnung, die Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen vorab hegte, war folgende: Es möge an diesem Tag gelingen, einen großen Bogen zu schlagen und die Möglichkeit zu bieten, die eigene Klassengemeinschaft als ein stützendes Sozialgefüge in Vielfalt wahrzunehmen. Dies dürfte sich für die Schüler erfüllen – als Bereicherung und Belohnung für die geleisteten Anstrengungen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+