Verbundprojekt Finka

Für einen grüneren Fußabdruck

Das Verbundprojekt zur Förderung von Insekten im Ackerbau (Finka) bringt ökologischen und konventionellen Landbau zusammen. Wilfried Denker aus Sudwalde und Malte Benger aus Süstedt tauschen Erfahrungen aus.
25.05.2021, 18:03
Lesedauer: 4 Min
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Für einen grüneren Fußabdruck
Von Micha Bustian

Süstedt/Sudwalde. Ein Bio-Betrieb? Nein, das ist nicht geplant bei Malte Benger in Süstedt. Dennoch beschäftigt er sich "schon lange mit der Materie, einen grüneren Fußabdruck hinzubekommen“, sagt der Diplom-Agraringenieur. Das ist auch der Grund, warum er beim Verbundprojekt zur Förderung von Insekten im Ackerbau mitmacht, kurz: Finka. In ganz Niedersachsen beteiligen sich 30 konventionell und 30 ökologisch wirtschaftende Betriebe daran und sind dazu Partnerschaften eingegangen, erklärt Regine Suling, Pressesprecherin des Landvolks Mittelweser. 

Der ökologisch wirtschaftende Partner von Malte Benger heißt Wilfried Denker und kommt aus Sudwalde. „Ich mache mit, weil Malte mich darum gebeten hat“, erzählt der Diplom-Biologe. Er will mit seinem Engagement einem konventionell wirtschaftenden Betrieb wie dem von Benger Möglichkeiten aufzeigen, wie man künftig keine oder weniger Herbizide und Insektizide bei der Feldbestellung einsetzen kann. Den ersten Schritt in diese Richtung ist Malte Benger indes schon gegangen: Er nutzt seit mehreren Jahren das umstrittene Herbizid Glyphosat nicht mehr.

Ins Nachdenken zu kommen, neue Formen der Bodenbearbeitung auszuprobieren – genau dazu ist das Projekt Finka aus der Taufe gehoben worden. Laut Landvolk ist es Bestandteil des Bundesprogramms Biologische Vielfalt und soll Lösungsstrategien zur Förderung von Insekten in der Agrarlandschaft erarbeiten. Bei den dabei entstehenden Partnerschaften verzichtet der konventionell arbeitende Betrieb, in dem Fall Malte Benger, auf einer Versuchsfläche von einem bis drei Hektar auf den Einsatz von Mitteln gegen Insekten und Unkräuter und bewirtschaftet eine Vergleichsfläche in gewohnter Manier konventionell. Der ökologische Partnerbetrieb, also Wilfried Denker, legt eine Fläche ähnlicher Größe und mit vergleichbaren Standortbedingungen an. Seinen Partnerbetrieb unterstützt er mit fachlichem Austausch und der nötigen Hack- und Striegeltechnik.

Wilfried Denker und Malte Benger haben dieses Projekt mit der Aussaat des Wintergetreides begonnen. Der Bioland-Betrieb in Sudwalde hat Dinkel angebaut, der Süstedter Hof Weizen ausgesät. „Das A und O ist die Fruchtfolge“, sagt der 64-Jährige. „Damit kann man am meisten regeln, damit nicht zu viel Unkraut wächst.“ Auf seinem Dinkelacker stand zuvor Kleegras. Den Dinkel hat er, so Regine Suling vom Landvolk, möglichst spät ausgesät. Der Grund dafür: Er will eine Auswaschung des Stickstoffs, der für den Aufwuchs des Getreides so wichtig ist, verhindern. Wichtig sei es, alles daran zu setzen, dass die Nährstoffe nicht im Grundwasser oder in der Luft verloren gingen. „Wenn wir das schaffen, dann wächst es auch“, sagt Denker. In der Feldmitte steht eine Nisthilfe für die Insekten, deren Vorkommen wissenschaftlich ausgewertet werden soll.

Die beiden Landwirte arbeiteten auch vor dem Start von Finka zusammen und kennen sich daher gut. „Es muss einfach auch persönlich stimmen“, sagt Wilfried Denker, der sich von dem Projekt vor allem eines erhofft: „Ich würde mich freuen, dass Malte einen Eindruck davon bekommt, wie es sein kann, keine Herbizide und Insektizide einzusetzen.“ Malte Benger ist ebenfalls gespannt: „Mein Wunschgedanke ist es, beim Verzicht auf Herbizide und Insektizide auf einen Ertragsverlust von höchstens 20 Prozent zu kommen.“ Der Landwirtschaftsmeister zieht bereits jetzt einen persönlichen Vergleich zwischen dem Wirtschaften von ökologisch und konventionell arbeitenden Betrieben: „Bio-Betriebe achten einfach mehr auf eine mehrjährige Wirtschaftsweise, auf die Nähstoffversorgung im Boden – und das am Ende alles zusammenpasst.“

Mit seinem fachlichen Pendant hat sich Malte Benger bereits mehrfach getroffen und auch einmal dessen Striegel zum Einsatz gebracht. Auf Alternativen in der Bodenbearbeitung setzt der junge Landwirt ohnehin schon seit längerer Zeit: „Wir nutzen eine Kettenscheibenegge für die vollflächige Bodenbearbeitung, haben seit 2005 einen Stroh-Striegel und arbeiten bei uns im Betrieb bereits seit 35 Jahren pfluglos mit einer Mulchsaat.“ Sein Diesel-Verbrauch sei durch die zunehmende Mechanisierung der Feldarbeit zwar leicht gestiegen, "aber wenn ich die eingesparten Pflanzenschutzmittel gegenrechne, komme ich auf ein Plus“, berichtet der 31-Jährige.

Dass Malte Benger seine Arbeit verändern und verbessern will, stößt bei Wilfried Denker auf Gegenliebe. „Man muss sich einfach vorstellen können, etwas anders zu machen, dann findet man auch Wege“, motiviert der 64-Jährige seinen jungen Kollegen. Der wiederum zieht eine kurze erste Bilanz: „Man kann noch viel lernen.“

Zur Sache

Projekt Finka: Partner, Förderer und Geldgeber

Das Verbundprojekt zur Förderung von Insekten im Ackerbau Verbundpartner, kurz Finka, hat viele Partner: das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH, den Verein Netzwerk Ackerbau Niedersachsen, das Landvolk Niedersachsen, das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn sowie die Georg-August-Universität in Göttingen.
Das Projekt wird laut Angaben des Landvolks Mittelweser gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz und den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Die Mittel kommen vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Das Projekt läuft bis Ende 2025. Mehr Informationen finden Interessierte im Internet unter www.biologischevielfalt.bfn.de

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