Vilsa-Brunnen Mehr Höhe, weniger Kohlendioxid

40 Meter soll das Hochregallager von Vilsa-Brunnen künftig in die Höhe ragen. Dafür wird Verkehr vermieden. Am Donnerstag wurde der erste Spatenstich für dieses Projekt getätigt.
27.05.2021, 16:11
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Mehr Höhe, weniger Kohlendioxid
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Im Bauausschuss des Fleckens Bruchhausen-Vilsen kam das Thema Hochregallager erstmals an die Öffentlichkeit. Das war am 25. April 2019, also vor 764 Tagen. Am Donnerstag schließlich tätigten Henning Rodekohr, geschäfsführender Gesellschafter von Vilsa-Brunnen, und Amai Kummrow-Rodekohr, Gesellschafterin von Vilsa-Brunnen, den ersten Spatenstich für dieses Bauvorhaben.

Der Mineralwasserhersteller aus Bruchhausen-Vilsen hatte sich dem Anlass entsprechend herausgeputzt. Ein großes Schild zeigte an, was denn dort gebaut werde und was künftig darin gelagert werden solle. 46.500 Palettenstellplätze wird das Hochregallager beinhalten. Zum besseren Größenverständnis: eine Europalette misst 120 mal 80 Zentimeter – ohne Mineralwasserkisten. Am Rande der eigentlichen Baustelle standen vier Lastwagen in Reih und Glied, davor war akkurat ein Haufen Sand aufgehäuft worden, im Halbkreis darum standen eine Bude mit Getränken, ein Bratwurststand und zwei Zelte für den Fall, dass es regnen würde.

Doch der nordwestdeutsche Spätfrühling hatte Erbarmen mit den etwa 30 Anwesenden. Es blieb trocken. So wie die kurze Ansprache von Henning Rodekohr. Der geschäftsführende Gesellschafter von Vilsa-Brunnen freute sich, "dass es endlich losgeht" mit den Bauarbeiten, sah sein Unternehmen mit dem Bau des Hochregallagers "auf einem guten Weg". Das 40 Meter hohe Gebäude steigere die Fähigkeiten der firmeninternen Logistik. Und auch in Sachen Nachhaltigkeit habe es einiges zu bieten: Durch das Hochregallager würde es weniger Lieferverkehr geben und auch weniger versiegelte Fläche. Darüber hinaus werde durch den erhöhten Automatisierungsgrad eine Reduzierung der Gabelstapler-Flotte möglich, und das sogar um 50 Prozent. Dadurch reduziere Vilsa den Kohlendioxidausstoß um weitere 458 Tonnen im Jahr. Pressesprecherin Sandra Jesse teilte weiterhin mit: "Dabei verfolgen wir das Ziel, Ökostrom für die Staplerflotte zu verwenden."

Jetzt allerdings "liegt eine intensive Bauphase vor uns", blickte Henning Rodekohr nach vorn. Und das nicht nur auf dem Vilsa-Grundstück, sondern auch auf der anderen Seite der Straße Alte Drift. Dort entsteht nämlich zurzeit ein LKW-Warteplatz, der die Alte Drift und damit auch deren Anwohner entlasten soll. Er soll im Juni fertig werden, "die ersten innerörtlichen Entlastungseffekte in Bruchhausen-Vilsen werden bereits im nächsten Monat spürbar", heißt es in einer begleitenden Presseinformation. Die Fertigstellung der Abfüllanlage ist für Anfang 2022 terminiert, der Probebetrieb des Hochregallagers ist für den Herbst 2022 geplant und die Inbetriebnahme – sofern beim Probebetrieb alles glatt läuft – für Anfang 2023.

7000 Quadratmeter Grundfläche soll das Hochregallager haben, 40 Meter hoch soll es werden. Allein die Höhe reichte für leisen Protest aus der Bevölkerung, die sich aber vornehmlich am Bau des LKW-Parkplatzes störten. "Einzelne kritische Stimmen" hat Henning Rodekohr vernommen, insgesamt aber eine "Zustimmung der Öffentlichkeit". Auch die Politik steht hinter dem Projekt, habe sich "überwiegend konstruktiv und wohlwollend" verhalten, so Rodekohr. Entsprechend gern waren sie auch gekommen: Fleckenbürgermeister Lars Bierfischer, Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann, Landrat Cord Bockhop und Bundestagsabgeordneter Axel Knoerig. Ein verbales Lob erhielten auch Michael Reinhardt, Marco Peters, Egon Heckmann und Jana Röhrs für die Planung.

Danach zog Henning Rodekohr seine Schwester Amai an seine Seite und vollzog den Akt des ersten Spatenstichs. Mit extra dafür angefertigten Schaufeln. Auch die Gläser waren eigens für den Tag des ersten Spatenstichs graviert worden. "Nehmen Sie sie gerne mit", forderte Rodekohr seine Gäste auf. "Diesen Tag gibt's nur einmal."

Zur Sache

Vilsa-Brunnen - eine Geschichte

Die Geschichte von Vilsa-Brunnen begann im Jahre 1908. Georg und Jonny Dörgeloh fanden die Quelle ganz in der Nähe von Vilsen in Niedersachsen. So steht es auf der Internetseite des Unternehmens. Der gelernte Hotelier Jonny Dörgeloh verwandelte seine Entdeckung in eine Geschäftsidee: Drei Jahre später steht das erste Abfüllgebäude, am 8. August 1912 lässt er die Quelle im Handelsregister offiziell eintragen. Da die alten Hausbrunnen damals häufig durch Abwässer verunreinigt werden, wird Mineralwasser immer beliebter.

1928 verkauft Jonny Dörgeloh Vilsa-Brunnen an Familie Rodekohr, Anna Rodekohr wird erste Geschäftsführerin, Sohn Otto bald Betriebsleiter. 1930 kommt mit „Apfelsinchen“ die erste Trendlimonade auf den Markt, drei Jahre darauf muss Familie Rodekohr, die den Betrieb inzwischen in vierter Generation führt, den Abfüllbetrieb stilllegen. Im Dezember 1937 überträgt Anna Rodekohr die Leitung an ihren Sohn Otto. Gemeinsam mit Ehefrau Margarethe gelingt ihm der erneute Aufschwung. Als Otto Rodekohr für den Zweiten Weltkrieg einberufen wird, führt Margarethe das Unternehmen weiter.

1950 kehrt Otto Rodekohr aus der Kriegsgefangenschaft zurück und erhält noch im selben Jahr die Konzession zur Abfüllung von „Sinalco“. 1979 führt Vilsa-Brunnen die Normbrunnenflasche für Mineralwasser mit den charakteristischen 230 Noppen auf dem Glas ein. 1997 stellt das Unternehmen auf PET-Falschen um, 2008 erfüllt Vilsa die Bedingungen für Bio-Mineralwasser und 2012 wird 100. Geburtstag gefeiert. Zur Feier wurde in der Nähe von Bruchhausen-Vilsen ein Jubiläumswald mit mehr als 20.000 heimischen Baumsetzlingen gepflanzt. Diese Nähe zur Natur ist künftig das Motto des Betriebs in Bruchhausen-Vilsen.

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