Heimat- und Kulturverein

Ein bewegte Geschichte

Der Gründung des Vereins war der Wunsch vorausgegangen, eine alte Mühle in Süstedt zu erhalten. Dabei blieb es nicht. Inzwischen hat der Süster Kring nämlich auch einiges darüber hinaus verwirklicht.
28.01.2021, 16:07
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Von Dagmar Voss
Ein bewegte Geschichte

Sie freuen sich über das Jubiläum: Konzertorganisator Winfried Metzner (von links), der Vereinsvorsitzende Bernd Brinkmann und der stellvertretende Vereinsvorsitzende Stefan Schröder.

Dagmar Voss

Süstedt. Vor einem Vierteljahrhundert setzten sich knapp 50 Einwohner Süstedts im Gasthaus Schmidt zusammen und gründeten den schon lange geplanten Heimat- und Kulturverein. Und weil ihnen auch die Pflege der niederdeutschen Sprache am Herzen lag – und liegt – nannten sie ihn Süster Kring, also Süstedter Kreis. Das stieß auf großes Interesse, sodass 40 alteingesessene Süstedter und Neubürger auf Anhieb die Beitrittserklärungen, die Ortsbürgermeister Burchard Hillmann-Köster mitgebracht hatte, unterschrieben. Erklärtes erstes Ziel war der Erhalt der Nolteschen Mühle – einer 1880 erbauten Wassermühle in diesem Ortsteil von Bruchhausen-Vilsen, zu dem das Hofensemble des Nolteschen Hofes daneben gehört. In früheren Zeiten wurde in der Scheune Getreide gelagert. Später betrieb der Müller über eine Verbindung mit der Mühlenturbine eine Dreschmaschine in der Scheune. Die Pfeiler mit den Lagern für die Welle sind heute noch an der Außenseite vorhanden.

Der vor 25 Jahren gewählte Vorstand, der heimische Allgemeinmediziner Jürgen Kleen und seine Mitstreiter, wünschte sich die Mühle als kulturellen Ortsmittelpunkt, als Begegnungsstätte für die Einwohner. Für alle war klar, dass man auch das heimische Brauchtum als solches pflegen wollte, das Heimatbewusstsein und die Aufmerksamkeit für Heimatgeschichte – außerdem die Verschönerung des Ortsbildes. Es wurden seinerzeit Kleen als Vereinsvorsitzender gewählt, Dietrich Rippe als dessen Stellvertreter, Bernd Brinkmann als Geschäftsführer und Manfred Braun als Kassenwart sowie Christa Buchholz als Schriftführerin.

Der Kring stelle keine Konkurrenz zu den anderen vier Süstedter Vereinen dar. Man müsse die Aufgaben auf viele Schultern verteilen, war sich Hillmann-Köster sicher. Vorsitzender Kleen wurde im Syker Kurier zitiert: „Um die angestrebten Vorhaben und weitere Ideen zu verwirklichen, sind wir auf die Beteiligung der Bevölkerung angewiesen.“ Vorausgegangen war, die Staurechte für die Mühle zu erhalten und die Eigentümer zu überzeugen, vom Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes abzusehen. Man wollte es der Öffentlichkeit zugänglich machen. Also wurde die Mühle von 1997 bis 1999 vom Süster Kring und vielen Helfern restauriert und vor 22 Jahren eingeweiht.

Das nächste große Projekt war die Renovierung der Nolteschen Scheune. Nebenher liefen noch einige andere Projekte wie der Bau einer Brücke über den Süstedter Bach, 2002 fertiggestellt. Auch eine Dorfchronik wurde erstellt. 2011 erschien sie. Die Noltesche Wassermühle befindet sich im Besitz der Gemeinde Süstedt, der Verein hat die Mühle von der Gemeinde gepachtet. Schmunzelnd erinnert sich der heutige Vereinsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister Bernd Brinkmann: „Es hat dem 2008 verstorbenen letzten Müller Gustav Nolte viel Freude bereitet, dass wieder Leben in die alten Gebäude kam und – da sind wir sicher – es immer noch Spaß macht, wenn er von oben auf uns runtersieht.“

Für den aktuellen stellvertretenden Vereinsvorsitzende Stefan Schröder – nachdem Dietrich Rippe vor Kurzem erst zurückgetreten war – gilt die Mühle als „der schönste Trauort in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen“. Schließlich ist er der Organisator der Hochzeiten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Süster Kring richten die Mühle oder das Außengelände mit jahreszeitlichem Blumenschmuck her und betreuen die Gäste. Im Obergeschoss gibt es dafür einen Extraraum, der den Charme der Jahrhunderte atmet. Ihre erste Erwähnung erfuhr die Wassermühle schon 1745, es wird vermutet, dass die erwähnte Schleifmühle zu einer Schmiede gehörte, die im Brandkataster von 1754 auftaucht. Die Einrichtung der Ölmühle wurde dem damaligen Müller Nolte 1836 von der Königlichen Landdrostei gestattet. Öl aus Rübsamen, Bucheckern, Lein- und Rapssaat wurde früher viel in der ländlichen Küche gebraucht.

Neu hinzugekommen ist ein kleineres Gebäude, ein Speicher, der hier errichtet wurde, um der Dorfjugend einen gemütlichen Treffpunkt zu bieten. Seit 2007 steht das Mühlenensemble außerhalb von Corona für alle möglichen kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung – also Kinoabende, Tagungen und jede Menge andere Aktivitäten. An den Mühlen- und Denkmaltagen stehen Mühle und Scheune zur Besichtigung offen. Nicht zu vergessen sind die Scheunenkonzerte mit regionalen und internationalen Künstlern. „Etwas mulmig wird uns manchmal, wenn wegen der Pandemie keine Einnahmen kommen, aber es kann immer mal etwas bei so einem alten Gemäuer passieren und wir als Hausherrn müssen dann für Reparaturen sorgen – möge das bald vorbei sein“, sinniert Brinkmann zurzeit.

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