Weihnachtsmann

Die Bart-Probe ist kein Problem

Peter Arndt arbeitet seit Jahren als Weihnachtsmann. Der Süstedter lässt dafür seinen Bart ab September wachsen, damit er auch ja echt aussieht und die Bart-Probe bei Zweiflern besteht.
22.12.2020, 17:57
Lesedauer: 2 Min
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Von DAGMAR VOSS
Die Bart-Probe ist kein Problem

Peter Arndt hat in der Weihnachtszeit viel um die Ohren, oder besser gesagt ums Kinn: Den Weihnachtsmann-Bart lässt sich der Süstedter extra von September an wachsen. Dann übersteht er auch die Bart-Probe, um die letzten Zweifler zu überzeugen.

Vasil Dinev

Sie sehen ja aus wie der Kaufhaus-Weihnachtsmann von Manhattan“, lautete die erstaunte Erkenntnis eines Bank-Managers, als Peter Arndt vor Jahren zur Feier in einer Bremer Bank den Mann in Rot darstellen sollte. „Das kann schon sein, dass ich so aussehe. Schließlich ist ja mein Bart so echt wie der vom Weihnachtsmann-Darsteller Richard Attenborough“, schmunzelt der Weißbärtige im Gedanken an dieses Ereignis. Gemeint ist der Santa Claus aus dem Film „Das Wunder von Manhattan“, in dem der seine Behauptung, er sei echt, beweisen muss.

Solche Beweise muss Peter Arndt aus Süstedt, der seit vielen Jahren den Weihnachtsmann mimt, immer wieder mal antreten. Da ist sein Bart jedenfalls praktisch, wenn Kinder schon mal der Echtheit des Mannes misstrauen. „Da lass ich dann die Bart-Probe machen“, sagt Arndt. Er erinnert sich an einen knapp sechsjährigen Zweifler in einem der Kindergärten, die er regelmäßig besuchte. „Komm mal und zieh an meinem Bart“, meinte er zu ihm. Und siehe da, der geflüsterte Kommentar des Jungen nach dem Ziehen am Bart lautete hörbar: „Der ist doch echt!“ Ab September jeden Jahres lässt Arndt den Bart wachsen – aber am ersten Weihnachtsfeiertag kommt er runter. Da freue er sich drauf, weil das Kratzen ein Ende habe, sagt er. Dann ist Arndt wieder nur mit Schnurrbart bis zum nächsten September versehen.

Bis auf den Bart ist in diesem Jahr allerdings alles etwas anders wegen der Corona-Pandemie. Die Kindergarten-Besuche fielen flach. Schlimm hat Arndt auch der Wegfall des Bremer Weihnachtsmarktes getroffen. Denn dort war er in seiner rot-weißen Montur mit den goldenen Stiefeln quasi von Anfang an dabei, immer auch zur Eröffnung mit einem Senator. „Dort saß ich dann am Dom jede Woche regelmäßig an mehreren Tagen, alle kannten mich – das ist in diesem Jahr unerwartet und völlig anders für mich“, sagt der rüstige 81-Jährige.

Nur das mit den Familien, die er besucht, das sei auch dieses Jahr noch in abgewandelter Form machbar. Denn natürlich hält er auch dabei die geltenden Corona-Regeln und den Abstand ein, wenn er für einen Termin angefragt wird. Er bekommt dann einen Ort gesagt, an dem er schon die Geschenke findet, die er in seinen großen Sack packt. „Das will gewissenhaft organisiert sein", sagt er.

Kleine Anekdoten hat der Süstedter auch aus den vergangenen Jahren parat: „Eine sehr gewissenhafte Mutter, die alles 100-prozentig geplant hatte, versicherte mir, dass die Geschenke dann draußen im Auto im Carport zu finden seien – nur dass das Auto abgeschlossen war, als ich kam“, erinnert er sich. „Was blieb mir anderes übrig, als zu klingeln?„ Daraufhin sei die Tür aufgegangen und eine Hand mit einem Schlüssel erschien. “Es machte klick und das Auto war offen.“ Manch einer hätte es auch am liebsten gehabt, wenn Arndt doch tatsächlich durch den Schornstein gekommen wäre. Doch das war dann doch zu viel des Guten. Ansonsten ist er aber für Ideen offen. „Ich mach ja alles mit, auch Geschichten erzählen wie einmal bei einem Lions-Club. Da berichtete ich von einer sehr armen Christnacht im Jahr 1946 – tja, da wurde ich nicht wieder eingeladen“, erzählt er schmunzelnd.

Wichtig ist Arndt dabei, dass die Kinder sich freuen und keine Angst haben. Er habe selbst in seiner Jugend erlebt, wie bedrohlich Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht für kindliche Seelen sein können. „Die Rute aus früherer Zeit habe ich geschreddert und den schrecklichen Knecht Ruprecht in Rente geschickt“, sagt er. Er sieht sich mehr als Seelsorger und Streitschlichter, schließlich sei das Fest ja auch bekannt für viele Auseinandersetzungen. Er ist überzeugt: „Basis für alles ist doch die Liebe.“

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