Private Wetterstation

Wärme und Kälte, Wind und Regen

Wärme und Kälte, Wind und Regen: Seit zehn Jahren wertet Morgan Düren in Süstedt unermüdlich Wetterdaten aus.
16.09.2020, 16:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Rita Behrens
Wärme und Kälte, Wind und Regen

Morgan Düren gibt seine in Süstedt erhobenen Daten auch den deutschen Wetterdienst weiter.

Vasil Dinev

Süstedt. „Dauerhaftem schlechtem Wetter musst du mit Geduld begegnen.“ Das wusste schon Wilhelm Busch. Seine weitere Empfehlung lautete: „Regnet es, so lass es regnen!“ Aber heutzutage gilt wohl eher, dass es der Regen ist, der auf sich warten lässt. Und das Warten wird durch Trockenheit oder Hitzewellen anscheinend hierzulande in den vergangenen Jahren zur Geduldsprobe. Wie auch immer: Im Landkreis Diepholz misst unter anderem eine private Wetterstation in Süstedt unablässig Temperaturen, Niederschlagsmengen und weitere nützliche Wetterdaten.

Inzwischen ist sie seit mehr als zehn Jahren in Betrieb. Am 7. März 2010 informierte Hobby-Meteorologe Morgan Düren zum ersten Mal auf seiner Homepage über die Wetterlage. Seither werden die erhobenen Daten im Fünf-Minuten-Takt aktualisiert und mithilfe einer Bedien- und Auswertesoftware analysiert. Jeder Interessierte kann sich auch einzelne Tage oder Monate innerhalb des archivierten Zeitraumes aufrufen und sich vor Augen führen lassen. Wer sich also fragt, ob es im Sommer 2019 – oder konkret im Monat Juli – heißer war als 2020, kann das eigene Empfinden anhand der Daten überprüfen. Wer in einem Wintermonat Geburtstag hat, vermisst vielleicht die frostigen Temperaturen in den vergangenen Jahren. Ein längerfristiger Jahresvergleich hierfür ist aufgrund der konkreten Ergebnisse möglich. Selbstverständlich werden auch die örtlichen Extremwerte separat dargestellt.

Wie ist es in diesem Sommer eigentlich um den Regen bestellt? Interessant ist jedenfalls, dass fast die gesamte Niederschlagsmenge des Augusts 2020 in der 34. Kalenderwoche gefallen ist – am 17. des Monats allein 40,6 Liter pro Quadratmeter! Die Messgröße reiche schon fast an den diesbezüglichen Maximalwert in Süstedt seit der Inbetriebnahme heran: Am 6. Juni 2011 bescherten die Regenwolken den Äckern und Feldern knapp 50 Liter innerhalb einer Stunde, berichtet Düren. Übrigens können sich die Landwirte in diesem Jahr über mehr Regen freuen als in den beiden Extremsommern zuvor.

Aber nicht allein Wärme und Kälte, Wind und Regen sind aufgelistet oder in Grafiken anschaulich visualisiert. Akribisch werden viele weitere Details gesammelt wie etwa der Luftdruck und seit 2011 – nach Erweiterung der Wetterstation – die Solarstrahlung. Dabei wird in Watt erfasst, „wie viel Energie die Sonne nach unten schickt“, erklärt Morgan Düren. Anhand dieser Datenlage könne er errechnen, ob sich eine Solar-Anlage ökonomisch rentiere. Die Investition in eine Klein-Windkraftanlage direkt vor Ort lohne sich jedenfalls nicht.

Des Weiteren lassen sich zusätzliche Wetter-Informationen aus den Messergebnissen ermitteln. Unter anderem zählen hierzu die Verdunstungen am Boden (Evapotranspiration) oder der Seegang. Letzteres sei ein kleiner Gag, schmunzelt der Wetterbeobachter. Wie jeder sehen kann, wartet seitlich am elterlichen Wohnhaus an der Süstedter Dorfstraße das Segelboot „Stollergrund“ auf seine Restaurierung, bevor es wieder tatsächlich in See stechen kann.

Morgan Dürens nachhaltiges Interesse an erneuerbaren Energien während seines Technikstudiums in Braunschweig löste den Aufbau der Wetterstation aus. So habe er sich die hochwertige Wetterstation „VantagePro“ des amerikanischen Herstellers Davis angeschafft. Im Garten seiner Eltern befindet sie sich 18 Meter über dem Meeresspiegel. Diese Angabe sei wichtig wegen der Luftdruckmessung, so Düren. Mit dem freien Standort auf festem Grund und mit kurzem Rasen könne er den Normen des staatlichen Deutschen Wetterdienstes gerecht werden. Demgemäß erfolge die Temperaturmessung auch auf zwei Metern Höhe; hier sei der Einfluss des Windes von Bedeutung. Als kleinste Menge könne das Messgerät für den Niederschlag 0,2 Milliliter erfassen. Wegen der exakten Datenerfassung sind die Messgeräte mit einem „Vogelschutz“ versehen.

Die Sendeeinheit am Mast ist außerdem mit einem Solarfeld und gegebenenfalls ergänzend nutzbaren Batterien ausgestattet. Alle sensorisch erfassten Daten sendet die Messstation draußen an die Basisstation im Haus. Computergestützt entsteht eine Vielzahl an Tabellen und Diagrammen. Die Datenverarbeitung ist durch eine Notstromversorgung abgesichert. Die Internetseite www.wetter-suestedt.de bietet außer den eigenen Resultaten weiteren Service an, etwa die „Gewitterkarte“ mit bundesweitem Überblick.

Zudem berichtet der Ingenieur, der beruflich in den Bau von Müllverbrennungsanlagen involviert ist, dass er seine örtlichen Messergebnisse gerne an die Landwirte weitergebe. Nachfragen erhalte er zum Beispiel bei Unwettern, wenn etwa Hagel die Ernte nachhaltig geschädigt habe und ein Versicherungsschaden entstanden sei. Andererseits gehen die regionalen Messwerte in die meteorologische Datensammlung überregionaler privater Messnetzwerke ein (Neuwetter.de und Awekas). Seit etwa sechs Wochen ist es auch möglich, per App die eigenen Wetterbeobachtungen an den Deutschen Wetterdienst weiterzugeben. „Änderungen des Wetters sind sicher“, sagt Morgan Düren – und lächelt darüber.

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