Noltesche Scheune Süstedt

Zwischen Tradition und Neuzeit

Das A-cappella-Quintett Aquabella war nicht zum ersten Mal in Süstedt zu Gast. Aber wohl auch nicht zum letzten Mal. Die Noltesche Scheune war am Sonnabendabend gut gefüllt, das Publikum begeistert.
10.11.2019, 17:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Rita Behrens
Zwischen Tradition und Neuzeit

Auf Augenhöhe mit dem Publikum: Aquabella überzeugten in der Nolteschen Scheune nicht nur stimmlich.

Braunschädel

Süstedt. Wie schön, dass es Aquabella gibt. Am Sonnabend ließ sich in der Süstedter Nolteschen Scheune dem November eine sehr schöne Seite abgewinnen. Das A-cappella-Quintett eroberte mit authentischen Performances und wunderbar anmutender Weltmusik das Publikum. Unter dem Titel „Heimat-Lose-Lieder“, die Premiere fand eine zuvor Woche in Berlin statt, präsentierten die Sängerinnen ein Kaleidoskop der Melodien und Sprachen.

Adäquat spannten Nadja Dehn, Anett Levander, Nina Rotner, Erika Spalke und Bettina Stäbert einen weltweiten Bogen und griffen auf traditionelle und neuzeitliche Lieder von verschiedenen Kontinenten zurück. So begaben sie sich auf eine musikalische Weltreise, in der Sehnsüchte und Hoffnungen ihren Platz fanden, aber auch Lustiges.

Schon die ersten beiden Interpretationen vermittelten einen Eindruck über die Intention, die dem Programm zugrunde liegt. „Adiemus“ erzählte in einer Fantasiesprache von Emotionen, warm und weich, freudvoll mit ansteigender Stärke, betonter, aber auch wieder leiser und zarter werdend. An eine Sprache, die zwar noch lebt, aber bereits bedroht ist, wurde mit dem Lied „Kipapa i ma“ des Bununvolkes aus Taiwan erinnert, spielerisches Klatschen und Tanzen hoben dessen Fröhlichkeit hervor. So ging es um Themen und Stimmungen, „die überall zu Hause sind“. Sie wirken folglich grenzüberschreitend beziehungsweise heimatlos im positivsten Sinne. Das gilt auch für die ägyptische Lyrik des Songs „Shams“, die von einem jungen Mann erzählt, der eine junge Frau vom Lande verführt. Das „kann sich überall abspielen, auch in Süstedt“, lautete hierzu die launige Ansage.

Sehr zur Freude der Zuhörerschaft wurde auf der Bühne offenbar die Unterstützung eines „superstarken Mannes“ benötigt, um anhand einer Bilderrolle das altschwedische Lied „Vänner och fränder“ zu visualisieren. Gleichwohl zählten zur ausgewogenen Titel-Auswahl auch das sehr bekannte „Aisha“, in französischer und arabischer Sprache intoniert, oder Nina Hagens „Farbfilm“, brandenburgisch akzentuiert. Weiterhin spiegelten sich Liebe und Wärme, Dankbarkeit und Lebensfreude etwa im südafrikanischen Schlaflied „Thula“ oder dem Charthit „Helele“.

Das Vokal-Ensemble ist bereits mehrfach in der Nolteschen Scheune aufgetreten und aufgrund des Zuspruchs bestimmt nicht zum letzten Mal. Aktuell ließ sich das Publikum mittels der vokal erzeugten Klangbilder und choreographisch anmutig-nonverbalen Interaktion begeistert mitnehmen. Jede der Künstlerinnen überzeugte durch gesangliche Intensität und Klarheit in ihrer individuellen Stimmlage. Harmonisch und mehrstimmig offerierten sie die Lieder. So meinte eine Besucherin, sie kenne Aquabella mit Stäbert und Dehn „gefühlt seit bald 20 Jahren“ in unterschiedlicher Besetzung. Obwohl die Zahl nicht der Realität entspreche, fügte sie sogleich hinzu. Beeindruckt habe sie bei früheren Auftritten außerdem Claudia Karducks expressive dunkle Altstimme. Geehrt wurde die 2017 verstorbene Sängerin an diesem Abend mit dem Song „She Moved Through The Fair“ von Loreena McKennitt.

Aquabella A cappella – das war am Sonnabendabend in Süstedt ein überaus wertvolles musikalisches Kleinod, das wunderbare Klangmalereien miteinander verband. Für die stimmungsvolle, gefühlsbetonte Darbietung der Lieder sowie für die von Offenheit und Empathie geprägte Bühnenpräsenz gab es in der Nolteschen Scheune enthusiastischen Applaus.

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