Kulturplattform Martfeld

Akustik spielt nicht mit

Es hätte so schön werden können: Die Kulturplattform Martfeld präsentierte zum Jahresabschluss bei Dunekack in Kleinenborstel drei Bands an einem Abend. Die Akustik spielte aber nicht mit.
02.01.2020, 13:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch
Akustik spielt nicht mit

In Bruchhausen-Vilsen und umzu ist die Band eine etablierte Größe: Am Montag war Funky Harry bei Dunekack in Kleinenborstel.

Vasil Dinev

Martfeld. Zum Jahresabschluss hatte sich die Kulturplattform Martfeld unter Frauke Toppe als besonderes Bonbon für Musikfans einen Knaller ausgedacht. Gleich drei Bands spielten am Montag in Kleinenborstel bei Dunekack im Gasthaus Zur Post auf.

Erst seit einem halben Jahr machen de Tüdelbüdels gemeinsam Musik, wie der Schwarmer Steffen Lange erzählte. Die drei Mannsleute haben sich vorgenommen, Rock 'n' Roll mit plattdeutschen Texten zu bestücken. „Lange speelt de Elektrofidel un singt, Cord Fesenfeld anne Elektrostrom-Ukulele und Olaf Seebode kloppt de Töppe. Eern Dröm vun Schwienkram, Weetenköm, Gerstensaft un Danz op de Deel wult se utleeven“, hieß es in der Ankündigung. „Ein Versuch, ob das ankommt“, meinte Lange. Dass die drei Tüdelbüdels ihre Instrumente beherrschen, steht außer Frage. Auch, dass Rockmusik mit Plattdeutsch bestens funktioniert, zeigte schon bei Auftritten die junge Hamburger Gruppe Tüdelband in der Barrier Wassermühle und der Kastanie.

Leider ist der Saal im Gasthaus Zur Post anscheinend nicht für Konzerte dieser Art geeignet. Es mag an den zwei unterschiedlichen Deckenhöhen liegen, die eine befriedigende Aussteuerung der Elektronik nicht ermöglicht. Vom Text war nicht viel zu verstehen bei „To Foot ist to wiet“, „Met achtein“ oder selbst beim bekannten „Jung mit‘n Tüdelband“ nicht. Erstaunlich und ungewöhnlich war die Geräuschkulisse der um die 150 Gekommenen, die sich den ganzen Abend über lautstark unterhielten.

Dieses Phänomen hielt auch weiter an, selbst als die etablierte Bruchhausen-Vilser Combo Funky Harry auf die Bühne wechselte. Gunter Plein (Bass), Klaus Knüppel (Gitarre), Carsten Müller (Schlagzeug) und Harald Mahlau (Gesang) legten los mit „King Size Jones“. Beim dritten Stück „Why Did You Do It“ groovten die vorderen Reihen an der Bühne erstmals mit, und bei „Rhythm Is Love“ von Keziah Jones wogte eine noch größere Menge.

Unvermindert hielt der laute Gesprächspegel der Anwesenden aber an. Bei Konzerten in der Nolteschen Scheune, der Kastanie, im Syker Vorwerk oder anderswo trat diese Diskrepanz bisher nie in Erscheinung. Beim Sechstagerennen in Bremen grassiert der nicht so ernst gemeinte Spruch: „Das Einzige, was stört, sind die Radfahrer“, wenn es zu später Stunde abseits des Geschehens hoch hergeht. So ähnlich schien es in Kleinenborstel bezüglich der Musiker zu sein. Mit solistischen Einlagen an ihren Instrumenten glänzte Funky Harry wie gewohnt bei den Interpretationen der Songs von Ian Dury, Joe Cocker oder George Benson. Ziemlich enttäuscht war Frauke Toppe. Zum Jahresende gleich drei Bands präsentieren zu können, bedurfte schließlich emsiger Vorarbeit: „Veranstaltungen dieser Art mit elektronischer Verstärkung werde ich hier nicht wieder anbieten.“

Zum Schluss hatte die Martfeld Blues Band ihren Auftritt. Jetzt mit Hut – statt wie zuvor mit Schlägermütze und Sonnenbrille bei Funky Harry – stimmte Harald Mahlau den „Road House Blues“ an. Er ist seit Juni 2019 der Nachfolger des langjährigen, im April verstorbenen, Kult-Sängers Norbert Ohrt. Norbert wird die Ohren gespitzt haben, da oben auf seiner Wolke beim Sound von „Plastic Factory“. Womöglich hat er Seite an Seite mit Jimmy Hendrix bei „Wind Cries Mary“ und „Cross Town Traffic“ seinen früheren Bandmitgliedern applaudiert. In Abrede stellten sie B.B. Kings „The Thrill Is Gone“. Willy Blank-Toppe (Gitarre), Joachim von Lingen (Keyboard), René Gebauer (Harp), Horst Ziegler (Bass) und Alasdair Paterson (Drums) halten immer noch die Spannung. Und an diesem Abend spielten sie sicherlich aus ganzem Herzen auch für Norbert Ohrt.

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