Arbeiten machen Pause Altes Martfelder Pastorenhaus: Feuerstelle ist bestätigt

Es ist ruhig geworden um das Martfelder Pastorenhaus von 1535. Seit der archäologischen Untersuchung des ursprünglichen Standortes ist Winterpause. Bernd Kunze vom Heimatverein präsentiert die Ergebnisse.
06.01.2021, 17:12
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Altes Martfelder Pastorenhaus: Feuerstelle ist bestätigt
Von Micha Bustian

Nun steht es dort, wo es auch bleiben soll – das alte Martfelder Pastorenhaus. Auf einem mittelalterlich anmutenden Findlingsfundament ruht das ursprünglich 1535 erstellte Gebäude zwischen dem aktuellen Gemeindehaus und der Fesenfeldschen Mühle an der Kirchstraße. Seit Mai 2020 hat der Syker Kurier das Geschehen begleitet, zugeschaut, wie dem Haus im Haus die landwirtschaftliche Hülle von 1791 genommen wurde, wie das Fachwerk stabilisiert und wie es zum neuen Standort transportiert wurde. Was noch fehlt: die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen. Bitte schön, hier sind sie.

Frage eins: Wo ist die Feuerstelle? „Den Platz der Feuerstelle haben wir schon durch Verrußungen im Hausgerüst gefunden“, sagt Bernd Kunze, Mitglied des Heimat- und Verschönerungsvereins, der sich des Projektes „Pastorenhaus“ angenommen hat. Diesen Standort haben die archäologischen Untersuchungen bestätigt. Er liegt schräg gegenüber der Eingangstür, einen halben Meter entfernt von der Außenmauer. In Halbkreisform ist dort der Boden acht bis zehn Zentimeter erhöht und geschwärzt. Dahinter: verziegelter Lehm. Das geschieht nur bei großer Hitze. Zudem haben die Wissenschaftler Holznägel in den nahe stehenden Fachwerkbalken gefunden; ein klares Zeichen für die Befestigung eines Kessels zum Kochen.

Frage zwei: Gibt es Spuren von Tierhaltung? Nach dem Tod des Pastoren Otto Homfeld im Jahre 1538 hatten seine Frau und die drei gemeinsamen Söhne keinen Anspruch mehr auf die Abgaben, die der Geistliche von seinen Schäfchen bekommen hatte. Aber von irgendetwas mussten sie sich ja ernähren. „Vielleicht ja von einer Ziege“, mutmaßt Bernd Kunze, selbst engagierter Hausforscher und Hobby-Archäologe. Damit hätte es zumindest regelmäßig Milch und einmal Fleisch gegeben. Eine zweite Tür lässt den Verdacht auf Tierhaltung direkt angrenzend an das Haus zu. Aber: Es gibt keine eindeutigen Hinweise.

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Frage drei: Waren Zimmer eingebaut? Kurze Antwort von Bernd Kunze: „Das Gerüst zeigt keine Spuren von Zimmern, der Boden auch nicht.“

Frage vier: Wo haben die Bewohner geschlafen? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet. So viel ist allerdings sicher: Butzen, also Schrankbetten, wie sie in landwirtschaftlichen Gebäuden üblich waren, können es nicht gewesen sein. „Das ist in dieser Konstruktion nicht möglich“, begründet Bernd Kunze diese Behauptung.

Frage fünf: Wo waren Abfallgruben und Latrinen? „Das sind ja die wichtigsten Befunde“, meint Bernd Kunze. Auf den ersten Blick sei dahingehend allerdings nichts gefunden worden. So liegt die Vermutung nahe, dass sich die Bewohner des Pastorenhauses einst dort erleichterten, wo es auch die Nutztiere taten. Aber auf diese gibt es ja keine eindeutigen Hinweise.

„Insgesamt waren es wenige Fundstücke“, fasst Bernd Kunze zusammen. Immerhin: „Es wurden ein paar schöne bunte Scherben gefunden. Aber nichts aus der Zeit vor 1500. Der Platz war vorher nicht besiedelt.“ Interessant erschien dem Archäologen Andreas Thümmel von der Firma 3D gelber Lehm unterhalb der Feuerstelle. Dieser Fund warf ein großes Fragezeichen auf. „Das hätte man näher untersuchen müssen.“ Aber: Verursacher von archäologischen Grabungen müssen diese auch bezahlen ...

Nun steht das Pastorenhaus an anderer Stelle, wo es eine Art Museum werden soll. Zurzeit ist allerdings Winterpause. „Im März oder April geht es wieder los“, verspricht Bernd Kunze.

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