Altes Pastorenhaus Martfeld

Stück für Stück

Das alte Pastorenhaus in Martfeld war ein Zufallsfund. Jetzt wird die Außenhülle des 1535 erstellten Gebäudes abgetragen, damit das Schmuckstück saniert und verrollt werden kann.
10.09.2020, 17:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian
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Da fehlt was: Die Ziegelsteine wurden aus dem Fachwerk des Martfelder Pastorenhauses entfernt.

Vasil Dinev

Martfeld. Zwischen Gemeindehaus und ehemaligem Pfarrhaus in Martfeld befindet sich eine Wiese. Gut gepflegt und satt grün. Jemand hat Stäbe in den Rasen gesteckt, die ein Rechteck bilden. Das dürften die Grundmaße des alten Martfelder Pastorenhauses sein. Das 1535 errichtete Pastorenhaus, Martfelds neue Sehenswürdigkeit (wir berichteten). Zurzeit wird das 1791 drumherum gebaute Bauernhaus abgetragen. Im Anschluss soll das Pastorenhaus saniert werden, um es dann zu verrollen. Auf die Wiese zwischen Gemeindehaus und ehemaligem Pfarrhaus.

Die Ziegelsteine zwischen den Fachwerkbalken haben Diplom-Ingenieur Tassilo Turner aus Rotenburg/Wümme und seine Kollegen bereits herausgeschlagen beziehungsweise vorsichtig herausgetrennt. „Es ist wichtig, dass die Außenfassade entlastet wird, deswegen müssen die Steine raus“, erklärt Architekt Martin Tolksdorf. Er ist Mitglied im Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) und Bauleiter in einer Person. Und er ist regelmäßig vor Ort. Das allerdings hat er nicht exklusiv. Radio Bremen hat in „buten und binnen“ über das Pastorenhaus berichtet, jetzt war auch das NDR-Fernsehen vor Ort und berichtete in „Hallo Niedersachsen“. Zaungäste waren einige zugegen. „Da müsste man mal reindürfen“, zeigt sich beispielsweise Wilfried Panjas neugierig. „Das wäre mal interessant.“ Panjas wohnt in Bruchhausen-Vilsen, macht aber immer einen Abstecher zum Pastorenhaus. „Ein Haus im Haus, darauf musst Du erst einmal kommen.“ Aber das sei aufgrund der doppelten Außenmauer sicherlich gut isoliert. Neben Panjas steht der Martfelder Rainer Schröder. Der war schon einmal drin im Pastorenhaus, „als der Heimatverein es ausgeräumt hat“. Mittendrin im Gewimmel: Sabine Krzikalla. Die 52-Jährige dokumentiert die Arbeiten am Pastorenhaus für den HVV und stellt ihre Fotos und Filmchen auf www.pastorshus.de online. Sie unterhält sich mit einer Martfelderin, die vor allem die Geschichte im Hintergrund spannend findet. „Dass der Pastor damals daran gedacht hat, seine Frau und seine Kinder zu versorgen, ist ja sehr fortschrittlich“, findet sie. Das sei in Zeiten der Reformation unüblich gewesen. Zumal der Name der Frau von Otto Homfeld nirgendwo erwähnt werde. „Die Geschichte finde ich mega.“

Im Gespräch: NDR-Journalistin Ruth Hunfeld interviewt den Heimatvereinsvorsitzenden Anton Bartling.

Im Gespräch: NDR-Journalistin Ruth Hunfeld interviewt den Heimatvereinsvorsitzenden Anton Bartling.

Foto: Micha Bustian

Diese Geschichte soll auch erzählt werden, wenn das Pastorenhaus endlich zwischen Gemeindehaus und ehemaligem Pfarrhaus angekommen ist. Dann soll es eine Art Museum werden, in dem Menschen erfahren sollen, wie andere Menschen im späten Mittelalter gelebt haben. Keine Wärmedämmung, kein fließendes Wasser und erst recht kein Strom. Bis dahin ist allerdings noch einiges zu erledigen. Wenn der Fachwerk-Experte Tassilo Turner die Außenhülle abgebaut hat, erfolgt die Restaurierung des Innenteils. Am 25. November soll das Pastorenhaus dann auf seinen neuen Standort verrollt werden, drei Tage später, an einem Sonnabend, ist das Richtfest geplant. Dort, zwischen Gemeindehaus und ehemaligem Pfarrhaus, „passt es auch gut in den Kontext“, findet Martin Tolksdorf.

Der Chef packt mit an: Tassilo Turner und seine Crew bauen zurzeit die Außenhülle des Pastorenhauses ab.

Der Chef packt mit an: Tassilo Turner und seine Crew bauen zurzeit die Außenhülle des Pastorenhauses ab.

Foto: Vasil Dinev

Dass der HVV bei den Bauarbeiten seine Finger nicht im Spiel hat, hat einen guten Grund. „Das ist schwerlich in Eigenarbeit zu erledigen“, erklärt Martin Tolksdorf. „Das braucht Zeit und ist wirklich gefährlich.“ Und die Firma sei versiert in Sachen Rückbau und Sanierung. Der Vereinsvorsitzende Anton Bartling ergänzt, die Fachwerk-Experten würden das Gebäude so abbauen, dass sie es auch verkaufen könnten. Am Liebsten natürlich an einen Martfelder, denn auch die Außenhülle ist ein Schmuckstück, das man gerne im Ort behalten würde. Wer mehr über das Martfelder Pastorenhaus erfahren will, kann das via Internet tun: www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Eine-kleine-Sensation-Das-Pastorenhaus-Martfeld,hallonds60952.html und https://www.butenunbinnen.de/videos/pastorenhaus-martfeld-100.html

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