Altes Pastorenhaus Martfeld

Es geht weiter

Die Winterpause ist beendet, die Arbeiten am alten Martfelder Pastorenhaus von 1535 gehen weiter. Der Heimatverein benötigt dazu Sandsteinplatten und ruft die Bevölkerung zu Spenden auf.
17.04.2021, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian
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Ende der Winterpause: Am alten Martfelder Pastorenhaus aus dem Jahre 1535 wird wieder gearbeitet.

Vasil Dinev

In der Kirchstraße 13 in Martfeld tut sich etwas. Wer da wohnt? Niemand. Dort steht nach dem Umzug das Grundgerüst des alten Martfelder Pastorenhauses aus dem Jahre 1535 (wir berichteten). Und an dem wird – nach der Winterruhe – nun wieder gearbeitet. „Nahezu täglich verändert sich das Bild des Hauses“, verrät Susanne Till, beim örtlichen Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr Rat: „Wer trotz der nicht gerade frühlingshaften Temperaturen einen Spaziergang wagt, der sollte seine Route unbedingt am alten Pastorenhaus vorbeiführen.“

Landwirtschaftliche Nutzung: Das Pastorenhaus, ursprünglich an der Ecke Eichenweg/Alter Schulweg positioniert, musste erst einmal freigelegt werden.

Landwirtschaftliche Nutzung: Das Pastorenhaus, ursprünglich an der Ecke Eichenweg/Alter Schulweg positioniert, musste erst einmal freigelegt werden.

Foto: Vasil Dinev

Zur Erinnerung: Das Pastorenhaus war bis vor nicht allzu langer Zeit von einem anderen, landwirtschaftlich genutzten umhüllt gewesen. Heimatforscher waren darauf gestoßen, als der Grundstücksbesitzer das Areal hatte verkaufen wollen. Und der Fund erwies sich als überaus spannend, denn das Haus wurde zu Reformationszeiten von Pastor Otto Homfeld gebaut, um seiner Familie, die sonst nach seinem Tode obdachlos gewesen wäre, eine sichere Bleibe zu schaffen. Der HVV Martfeld beschloss, das Haus ab- und auf anderem Grund wieder aufzubauen. Es soll ein Museum werden.

Auch für den Ingenieur Tassilo Turner eine Premiere: das Haus durch den Ort verrollen.

Fachwerk-Spezialist: Der Rotenburger Diplom-Ingenieur Tassilo Turner ist mit seinem Team zurzeit wieder auf der Baustelle aktiv.

Foto: Vasil Dinev

Daran arbeiten zurzeit der Rotenburger Zimmerer Tassilo Turner und sein Team. Sie sind dabei, Vorbereitungen für das Ausfachen des Fachwerks zu schaffen. Die Staken sind bereits eingesetzt worden, berichtete Susanne Till. Bald sollen sie mit Lehm geschlossen werden.

Zwei der Schwungräder: Architekt Martin Tolksdorf (rechts) und Heimatvereinsvorsitzender Anton Bartling sind in Sachen Pastorenhaus mit Leidenschaft dabei.

Zwei der Schwungräder: Architekt Martin Tolksdorf (rechts) und Heimatvereinsvorsitzender Anton Bartling sind in Sachen Pastorenhaus mit Leidenschaft dabei.

Foto: Vasil Dinev

Die Planungen des HVV-Teams um Architekt Martin Tolksdorf und den Vorsitzenden Anton Bartling für die Innenausstattung gehen indes weiter. „Wie immer, wenn man ein Haus betritt, zählt der erste Eindruck“, schreibt Susanne Till. Wichtig sei ein solider Boden, der jedermann Halt gibt, der auf ihm steht. Dafür allerdings fehlt noch der Bodenbelag. Deshalb bittet der HVV um Mithilfe aus der Bevölkerung: Gesucht werden quadratische Sandsteinplatten mit Kantenlängen von 30, 50 und 80 Zentimeter. Der Heimatverein hofft auf eine Dicke von drei bis fünf Zentimetern. Farbe: am liebsten gelblich/gräulich oder rötlich.

Spurensuche: Archäologe Andreas Thümmel hat den Fußboden des Pastorenhauses am alten Standort untersucht. Am neuen Standort soll das Gebäude einen Fußboden aus Sandsteinplatten erhalten.

Spurensuche: Archäologe Andreas Thümmel hat den Fußboden des Pastorenhauses am alten Standort untersucht. Am neuen Standort soll das Gebäude einen Fußboden aus Sandsteinplatten erhalten.

Foto: Vasil Dinev

Woher die Sandsteinplatten kommen, ist erst einmal egal. „Auf der Diele, im Schuppen oder im Stall liegen bestimmt noch alte Sandsteinplatten, die bei der einen oder anderen Aufräumaktion verschont geblieben sind“, vermutet Susanne Till. Die Anzahl spiele keine Rolle. „Jede Steinplatte, egal welcher Größe, findet ihren Platz im Haus. Zusammengetragen können sie den Fußboden von Pastors Hus zieren.“

Anno domini 1535: Diese Souvenirs aus Original-Balken des Pastorenhauses bietet der HVV zum Kauf an. Dennoch reicht das Geld nicht für den Erwerb von Sandsteinplatten für den Fußboden.

Anno domini 1535: Diese Souvenirs aus Original-Balken des Pastorenhauses bietet der HVV zum Kauf an. Dennoch reicht das Geld nicht für den Erwerb von Sandsteinplatten für den Fußboden.

Foto: Vasil Dinev

Wer noch entsprechendes Baumaterial hortet und es nicht mehr braucht, möge sich bei Susanne Till melden. Das geht entweder unter den Telefonnummern 0 42 55 / 9 21 33 oder 0 42 55 / 9 99 09 99 oder per E-Mail an medien@pastorshus.de. Der HVV hofft auf vielfältige Unterstützung, „denn die Kosten übersteigen trotz öffentlicher und privater Zuwendungen unsere Mittel und Möglichkeiten“.

Info

Zur Sache

Otto Homfeld

Was die Geschichte des Pastorenhauses so spannend macht, ist nicht ausschließlich das hohe Alter des Gebäudes, sondern auch der Bauherr: Otto Homfeld, seinerzeit noch Honfeld geschrieben.

Dieser Mann, gegen 1500 in Martfeld geboren, immatrikulierte sich 1518 in Rostock und zog zwei Jahre später weiter nach Wittenberg, wo er auch seiner Priesterweihe entgegennahm. Wittenberg, damals Wohnsitz Martin Luthers. Drei Jahre zuvor hatte dieser dort seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche geschlagen.

Um 1524 kehrte Otto Homfeld zurück nach Martfeld, übernahm dort die zur Bremer Stephanikirche gehörende Pfarrei. Etwa zwei Jahre später heirateten die Pfarrer in Hoyerhagen und Vilsen nach dem Vorbild Martin Luthers, gleichzeitig wohl auch Otto Homfeld. Der Martfelder Pastor war von Luthers Ansichten fasziniert und begann, in seinem Heimatort den neuen Glauben zu predigen.

Seine Hochzeit indes brachte auch Verantwortung mit sich. Wie stellt man die Versorgung der Familie nach dem eigenen Tode sicher? Drei Söhne sind überliefert: Gödeke, Johann und Albrecht. Dieses Trio mitsamt Mutter hätte nach dem Ableben ihre Vaters noch ein Jahr das Diensthaus bewohnen dürfen. „Unverdientes Gnadenjahr“ nannte sich das damals. Homfeld bat den Hoyaer Grafen Jobst um die Erlaubnis, ein eigenes Wohnhaus auf dem Pfarrgrundstück bauen zu dürfen. 1535 wurde das Gebäude fertig, drei Jahre darauf starb Otto Homfeld. Vermutlich an der Pest.

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