Martfelder Erntedankumzug

Ernteumzug auf zwei Rädern

In Corona-Zeiten beweisen Organisatoren Einfallsreichtum. Der Martfelder Ernteumzug wurde nicht abgesagt. Stattdessen radelten die Teilnehmer.
27.09.2020, 18:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
Ernteumzug auf zwei Rädern

Sogar die Erntekrone aus dem letzten Jahr fand Platz beim Umzug. Albert Till hatte sie auf dem Fahrradanhänger dabei.

Michael Braunschädel

Martfeld. Sollte die jahrzehntelange Tradition, im Herbst dankbar die Feld- und Gartenfrüchte, die Blumen, das Obst und die Kürbisse auf Erntewagen zu präsentieren, ganz und gar Corona zum Opfer fallen? Nein, sagten sich Anton Bartling und seine Mitstreiter vom Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Martfeld.

Doch, dass ein Ernteumzug wie bisher in Gestalt eines Volksfestes in diesen Covid-19-Zeiten nicht verantwortbar sei, war schnell klar. Wie schnell wäre der wegen der Pandemie gebotene Abstand im Eifer womöglich vergessen worden. Da konnte der Freude, die Wagen mit Girlanden aus Stroh, Hopfen, Efeu, wildem Wein, Astern, Dahlien, Sonnenblumen, Maiskolben zu schmücken, nicht nachgegeben werden. Und so beschloss man: Wir schmücken statt Erntewagen unsere Fahrräder und motivieren die Bürgerschaft aus allen Ortsteilen, zur Schule zu radeln. Die Genehmigung der zuständigen Stellen wurde eingeholt, und die Teilnehmer am alternativen Ernteumzug trafen sich am Sonntag unter dem Motto „HVV-Dorf verein(t)“ um 14.30 Uhr zu einem Rundkurs.

Albert Till kam mit der vorjährigen Erntekrone aus der Mühle im Fahrradanhänger. Aufgehübscht mit Kastanienketten, grünen Ranken, Heidekraut und Sonnenblumen sah sie aus wie neu. „Die Nager hatten sich allerdings schon gütlich getan“, berichtete er lachend. Rainer Pape, der die Homepage des HVV betreut, hatte sich eine große gelbe Windmühle an den Lenker geklemmt. Erika und Fritz Meyer schmückten als Vertreter des Schützenvereins ihre Räder mit grün-weißen Bändern, den Schützenfarben. „Aber auch passend zu Werder, nachdem endlich wieder mal gewonnen wurde“, hieß es. Manche bevorzugten Blumen und Grün vorne im Gepäckkorb, andere hinten. Hortensien, Feuerdorn, Efeu kamen zum Einsatz. Eine kleine Rupfenpuppe lugte bei einer Radlerin keck über den Lenker. „Die hatte ich bereits und fand sie passend“, ihr Kommentar. Axel Hillmann kam auf dem Tandem, auf dem Puppenschwester Barbara vorne liegend und tretend, umkränzt von einer Sonnenblumengirlande, einen kleinen Kürbis präsentierte. Bürgermeisterin Marlies Plate nahm ebenfalls teil, und so konnte Marion Hoffmann schließlich etwa 20 Umzügler begrüßen.

Über Schulstraße, Kirchstraße, Müllerskamp, vorbei am Seniorenheim, La Bazoge, Ortende und Dickensweg radelten sie zurück zur Schule. Um das Konzert von „Sound of Weyhe“ zu genießen, wurde dann noch einmal in die Pedale getreten und zu Kirsteins Hof geradelt. Dort trudelten nach und nach immer mehr Freunde der Blasmusik ein. Es hieß am Eingang zum Hof: Hände desinfizieren, Maske tragen und die persönlichen Daten aufschreiben. Sobald die markierten Plätze draußen auf den Bänken eingenommen waren, durfte die Maske abgenommen werden. Auch die Mitglieder des Orchesters saßen im Freien. Und dann zeigte sich die große Spannbreite des Repertoires. Ob „Amselpolka“, Big Band Classics, „I Love Rock 'n' Roll“ oder „Just A Gigolo“. Mit „Gruß An Kiel“ ging es nach einer Pause weiter, „Südböhmisches“ war zu hören, „Rosamunde“, aber auch „Highway To Hell“, „Everybody Needs Somebody“. Es zeigte sich, wie dankbar das Publikum für die Darbietung der jungen Musiker war. Wie sehr war der gemeinsame Genuss in diesen Monaten seit Ausbruch der Pandemie doch vermisst worden. Mit „My Way“, dem Sinatra-Klassiker, war dann noch nicht Schluss. Es folgte als Zugabe „One Moment In Time“ und „Friends For Life“. Marion Hoffmann hatte vor dem Start zum Rundkurs gesagt, man hätte sich ganz kurzfristig entschieden, sich radelnd durchs Dorf zu bewegen. „Wir wussten alle nicht, wie viele teilnehmen würden. Ich freue mich, dass unser Vorschlag angenommen wurde.“ Die Musiker setzten zudem anschließend noch ein Sahnehäubchen auf die ganze Veranstaltung. Dass der Wettergott ein Einsehen hatte und sich nach wenigen Regentropfen doch entschloss, die Schleusen nicht zu öffnen, freute alle, die an diesem Herbstsonntag zusammenkamen.

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