Geschäftsbericht Frische Berliner für das Dorf

Am Wochenende hat Nico Janßen gut zu tun. Denn immer sonnabends und sonntags öffnet er Montys Backstube, um die Martfelder und alle anderen Kunden mit frischen Berlinern, Quarkbällchen und Co zu versorgen.
25.10.2021, 11:51
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Frische Berliner für das Dorf
Von Ivonne Wolfgramm

Martfeld. Der Duft frisch gebackener Berliner weht durch die Straßen Martfelds. Es ist Wochenende und Nico Janßen hat in seiner mobilen Backstube an der Alten Bremer Straße gut zu tun. Schließlich frittiert und füllt sich das Siedegebäck nicht von alleine und zahlreiche Kunden warten schon, die süßen Leckereien auf ihrer nachmittäglichen Kaffeetafel zu präsentieren.

Dass seine Geschäftsidee, nämlich backfrische Berliner zu verkaufen, so gut ankommt, davon ist der Jungunternehmer aus Etelsen wohl selbst noch ein bisschen überrascht. Erst Anfang des Jahres hat er sich als "Mr. Berliner" in Langwedel mit seinem Verkaufsstand niedergelassen. "Der Kundenandrang war von Anfang an groß", erinnert er sich. "Die Kunden schätzen es, dass sie hier frische Waren bekommen und keine aufgetaute."

Nicht nur in Langwedel hat Janßen schon seine Berliner unter die Leute gebracht. Auch in Thedinghausen hatte er seinen Verkaufsstand einige Zeit aufgestellt. Dass es ihn nun nach Martfeld verschlägt, ist eher dem Zufall geschuldet. "Ich habe einer Bekannten, die selber ein Geschäft in Martfeld hat, von der Selbstständigkeit erzählt. Sie fand die Idee gut und wusste auch gleich einen Platz, an dem wir unseren Verkaufsstand aufstellen können und auch die Möglichkeit haben, ein richtiges Ladengeschäft zu eröffnen", berichtet Janßen.

Ein eigenes Café – das ist für den jungen Geschäftsführer und Familienvater der nächste Schritt, den er mit seiner Backstube gehen möchte. Denn die Verkaufsfläche in seinem Wagen ist derzeit noch begrenzt. "Mein Wunsch ist es, den Kunden eine ganze Bandbreite an Gebäck servieren zu können", erklärt er. Dazu zählen nicht nur Berliner mit allerlei Füllungen, sondern auch Quarkbällchen, Viktoria oder Donuts. Waren, die er zurzeit nur als Aktion anbieten kann. Doch nicht nur das. Seine Herzensangelegenheit sei es, in Zukunft auch Arbeitsplätze zu schaffen und damit auch einen Beitrag zur heimischen Wirtschaft zu leisten.

Dieses Vorhaben funktioniert allerdings nur mit entsprechendem Kapital. Bislang hat Nico Janßen sein privates Vermögen eingesetzt, um seinen Unternehmen aufzubauen. Für das neue Projekt setzt er allerdings auf eine Crowdfunding-Aktion beziehungsweise Schwarmfinanzierung. Im Mittelpunkt der Finanzierung steht die "Crowd" – also eine Gruppe von Menschen, die das Projekt finanziell, auf Spendenbasis, unterstützt. 6000 Euro hat Janßen als Ziel bisher angesetzt. Mit diesem Betrag möchte er seine künftigen Räumlichkeiten an der Alten Bremer Straße 3 soweit herrichten, dass ein Außerhaus-Verkauf möglich ist. Unter Zeitdruck steht er dabei allerdings nicht.

Gelernter Bäcker sei er übrigens nicht, betont Janßen: "Gelernt habe ich Restaurantfachmann". Seine Leidenschaft zum Backen hat er auf Norderney entdeckt. "Dort habe ich vor einigen Jahren als Waffelbäcker gearbeitet und das hat mir viel Spaß gemacht." Die Zeit auf der Nordseeinsel habe ihm gezeigt, dass er in dieser Richtung seine berufliche Zukunft sieht. Mit der Unterstützung eines Bekannten, der gelernter Bäckermeister ist, hat er sich auf eigene Faust weitergebildet und tut es immer noch. Egal, ob es um die Herstellung des Berliner-Teiges geht oder um die perfekte Konsistenz der Füllungen: Janßen ist wissbegierig und hat Lust, seinen Kunden Backkunst auf hohem Niveau zu servieren.

Damit das gelingt, kann sich der Etelser schon jetzt auf ganz besondere Hilfe verlassen, nämlich auf die seines zweijährigen Sohnes Monty – der übrigens der Namensgeber der Backstube ist. Das Gesicht des kleinen Jungen ziert auch das Unternehmenslogo. "Ich will etwas aufbauen, wovon er auch später etwas hat", begründet Janßen seine Intention. Schon jetzt hilft der Knirps seinem Vater, wo er nur kann: Sei es bei der freudigen Begrüßung der Kunden am Verkaufswagen oder beim Aufräumen am Ende des Arbeitstages.

Montys Backstube befindet sich an der Alten Bremer Straße 3 in Martfeld und ist sonnabends, sonntags sowie feiertags ab 12 Uhr geöffnet. Ladenschluss ist bei Ausverkauf. Wer sich an der Crowdfunding-Aktion beteiligen möchte, kann dies online tun: www.gofund.me/7d96d93d. Alternativ kann Nico Janßen auch über einen Paypal-Moneypool unterstützt werden.

Außerdem nimmt Nico Janßen auch Vorbestellungen an, etwa für Silvester oder andere Feiern. Bestellungen können gerichtet werden an montysbackstubemartfeld@gmail.com. Über Öffnungszeiten, Sonderaktionen und ähnliches informiert er des Weiteren auf seiner Facebook-Seite unter www.facebook.com/BerlinerThedinghausen/.

Zur Sache

Krapfen, Berliner, Pfannkuchen

Für das Siedegebäck aus Hefeteig, traditionell mit einer Füllung aus Fruchtmarmelade, gibt es in der deutschen Sprache viele regional verbreitete Synonyme, jedoch keine einheitliche Bezeichnung. In Schmalz gebackene Hefeballen sind im norddeutschen Raum bereits für das 16. Jahrhundert belegt. Meist wurden sie jedoch unregelmäßig geformt, blieben ungefüllt und wurden im Ofen gebacken.

Einer Legende nach wurden Berliner Pfannkuchen im Jahr 1756 von einem Zuckerbäcker aus Berlin erfunden, der als Kanonier unter Friedrich dem Großen dienen wollte, sich allerdings als wehruntauglich erwies. Als Feldbäcker durfte er jedoch im Regiment bleiben. Quasi als Dank stellte er die ersten "Pfannkuchen" her, verlieh den Hefestückchen die runde Ballenform von Kanonenkugel und buk sie über offenem Feuer in mit heißem Fett gefüllten Pfannen.

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