Kirsteins Hoff

„Schöner geht's ja gar nicht“

Aus Kirsteins Hoff soll das Martfelder Dorfgemeinschaftshaus werden – Theater inklusive. Die Verantwortlichen warten sehnsüchtig auf die Baugenehmigung. Im Oktober 2021 soll das Projekt fertig sein.
22.09.2020, 17:00
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„Schöner geht's ja gar nicht“
Von Micha Bustian

Martfeld. „Wir warten täglich auf die Baugenehmigung“, sagt Heiner Rahlmann. Der Vorsitzende des Trägervereins Dorfgemeinschaftshaus Kirsteins Hoff kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht. Damit aus Kirsteins Hoff endlich das Martfelder Dorfgemeinschaftshaus wird. Im Oktober kommenden Jahres soll es fertig sein. Inklusive Theater. Das wiederum soll aus der anliegenden Scheune entstehen. Hier hat sich Silke Bollhorst vor den Karren gespannt.

Die selbstständige Okeler Schauspielerin hatte die Idee eines eigenen Theaters schon sehr lange, erzählt sie sie. „Ich bin viel unterwegs. So könnte ich mehr zur Ruhe kommen, viel hier vor Ort sein.“ Eine erste Option in der Samtgemeinde Thedinghausen sei geplatzt, doch sie und ihr Partner André Habekost, Geschäftsführer der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft De Plattsnackers, ließen nicht locker. Irgendwann kam dann Heiner Rahlmann auf sie zu. Und bei dem Angebot konnte die Inhaberin des Bremer Tourneetheaters nicht nein sagen. „Ich habe sofort ein Theater gesehen“, gibt sie ihren ersten Eindruck von der Scheune wieder.

116 Plätze soll das Theater bekommen, flexibel bestuhlt werden und vorne mit Tischchen ausgerüstet, an denen eine Art Logengefühl aufkommen soll. Davor: eine große Bühne, „Stadttheatergröße“ haucht Silke Bollhorst mit einem Schimmern in den Augen. Im Hintergrund wird die Maske ihren Raum finden, „alles, damit sich die Künstler wohlfühlen“. Die können sogar durch einen eigenen Eingang entweder in die Maske oder gleich auf die Bühne treten.

Die Ziele der 48-Jährigen sind hoch. Im Schnitt soll es jede Woche eine Vorstellung geben. Mit eingerechnet sind da die vorweihnachtlichen Tage, an denen ja traditionell viele Theaterstücke aufgeführt werden, und Hutkonzerte verschiedener Künstler, denen der Förderverein „die Chance auf einen großen Auftritt geben“ will. Im Theater soll der Schwerpunkt auf plattdeutschen Stücken liegen. „Ich bin noch plattdeutsch aufgewachsen. Das will ich wieder beleben.“ Für Silke Bollhorst geht „ein totaler Traum“ in Erfüllung, „schöner geht's ja gar nicht“.

Zwischen ehemaligem Wohnhaus und ehemaliger Scheune soll noch ein Verbindungsgebäude entstehen. Ein Lager ist im Grundriss eingeplant, auch ein Technikraum. Darüber hinaus eine Bar, damit der geneigte Theaterbesucher nach der rauschenden Premiere auch noch ein Gläschen Schampus schlürfen kann. Ein paar Schritte weiter, und der Gast steht im künftigen Dorfgemeinschaftshaus – vom Foyer aus führt eine Tür direkt in den Gemeindesaal. Dort soll das Herz des künftigen Dorfgemeinschaftshauses schlagen. Des künftigen Mehrgenerationenhauses. Denn das große Vorbild von Heiner Rahlmann ist das MGH in Brinkum. Daran will er sich vorerst orientieren, „danach soll es hier eine Eigendynamik entwickeln“.

Es liegt noch viel Arbeit vor Heiner Rahlmann und seinen Mitstreitern Carolin Wolters, Änne Soller und Dieter Hustedt. Das DGH soll die Gastronomie für das Theater beherbergen. Dafür sorgt der Schwarmer Gastronom Thomas Holle. Ihm stehen zwei Küchen zur Verfügung, in denen möglicherweise auch Kochkurse stattfinden könnten. Es kann gebacken werden oder gehäkelt. Kartenspielgruppen könnten hier ein gemütliches Zuhause finden. Das Herz des DGH allerdings dürfte der Gemeindesaal werden. Mit Platz für 75 bis 80 Menschen ist er gut für Konfirmationsfeiern und Geburtstage, aber beispielsweise auch für Gemeinderatssitzungen. „Hier soll sich jeder Bürger hinsetzen und aufhalten können. Ohne Verzehrzwang“, kündigt Heiner Rahlmann an.

Im Erdgeschoss soll es Gasträume und einen Kinderspielraum geben. Eine Etage weiter oben sind Umkleideräume eingeplant, ein Regiebüro, Platz für Besprechungen und Requisiten. „Oben wird das Gebäude nur zur Hälfte genutzt“, erklärt der Eigentümer Torsten Kirstein. „Der Rest oberhalb des Saals bleibt ein Kornboden.“ Kirstein ist an der Finanzierung – Kostenpunkt: 1,4 Millionen Euro – beteiligt und trägt als Besitzer das Risiko. „Es ist großartig, was Torsten hier leistet“, findet Heiner Rahlmann. Der Genannte selbst will die Tradition seiner Eltern fortführen. „Das hier war immer ein offenes Haus“, sagt er. „Wenn ich Gewinnmaximierung gewollt hätte, würde ich anders agieren.“

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