Kommunalwahl Schluss nach 15 Jahren

Die Gemeinde Martfeld bekommt einen neuen Bürgermeister. Denn: Die aktuelle Bürgermeisterin Marlies Plate steht nach der Kommunalwahl am 12. September nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung.
06.09.2021, 12:30
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Schluss nach 15 Jahren
Von Micha Bustian

Martfeld. Die Gemeinde Martfeld bekommt einen neuen Bürgermeister. Oder eine Bürgermeisterin. Denn in den vergangenen 15 Jahren war es eine Frau, die an der Spitze des Gemeinderates stand. Das wird sich mit der Kommunalwahl am 12. September ändern, denn Marlies Plate steht für diesen Spitzenposten nicht mehr zur Verfügung. "Ich wollte selbst entscheiden, wann ich dieses Amt aufgebe", sagt die 64-Jährige. "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür."

Parallel dazu hat Marlies Plate ihren Beruf als Fremdsprachensekretärin aufgegeben. Sie ist jetzt Rentnerin. Heißt: mehr Zeit. Oder? Immerhin tritt sie für den Gemeinderat Martfeld, den Samtgemeinderat Bruchhausen-Vilsen und den Kreistag an. "Ich will weiter mitgestalten", erklärt sie. Da sie als Bürgermeisterin eher neutral bleiben müsse, "fehlt mir die Möglichkeit, meine eigene Meinung einzubringen, auch mal schärfer nachzufragen". Sie wolle unabhängiger sein, mehr Stellung beziehen. Das sei als Bürgermeisterin nicht so einfach.

"Sehr, sehr große Überraschung"

15 Jahre hat sie diesen Job gemacht, 2006 Heinrich Lackmann abgelöst. "Das war nicht unsere Absicht damals", erinnert sich Marlies Plate. Lackmann habe damals zu ihren Gunsten verzichtet und die Grünen unterstützt. "Die Überraschung war damals sehr, sehr groß", erinnert sich die Mutter zweier erwachsener Söhne. Immerhin war Plate eine politische Newcomerin und als solche dankbar für die verwaltungstechnische Unterstützung von Gemeindedirektor Horst Wiesch.

Zu Hause, bei Ehemann und Kindern, löste die Entscheidung damals Verwunderung aus. Marlies Plate war bereits im Förderverein des Martfelder Hallenbades aktiv, engagierte sich bei der Tafel in Bruchhausen-Vilsen und war auch beruflich ordentlich eingespannt. "Willst Du das jetzt auch noch machen?", lautete die Frage aus dem Familienrat. Sie wollte. Und sie machte. “Im Laufe der Jahre ist das Vertrauen, das die Bürgerinnen und Bürger mir entgegengebracht haben, immer größer geworden. Auch wenn ich nach dem 1. November – dann beginnt die neue Wahlperiode – nicht mehr Bürgermeisterin sein werde, bleibe ich weiterhin immer ansprechbar, und zwar als Mitglied im Gemeinderat Martfeld, im Samtgemeinderat und im Kreistag.“

Ihre politische Karriere beenden will Marlies Plate also nicht. Sie wurde als Kind schon politisch sozialisiert, ihr Vater saß für die CDU im Gemeinde- und im Samtgemeinderat. "Das habe ich nur am Rande mitgekriegt", erzählt die 64-Jährige, "es hat mich auch nicht wirklich interessiert." Sie sei erst spät politisch aktiv geworden, "und dann konnten es nur die Grünen sein". Sie sei gebürtige Martfelderin, liebe das Landleben, Tiere und Natur und muss jetzt erkennen, "dass vieles kaputt geht". Auch der Klimawandel beunruhigt die passionierte Radfahrerin. Die Entscheidung, für die Grünen in den politischen Kampf zu ziehen, "habe ich nie bereut".

Das Thema, das Marlies Plate zurzeit am meisten umtreibt, ist die Neugestaltung der Dorfmitte. "Ich bin mit den ersten Planungsentwürfen nicht ganz glücklich", sagt sie. Die Gemeinde habe das Grundstück mit Pepers Huus darauf "gekauft, um selbst Gestaltungsmöglichkeiten zu haben". Nun sollen dort seniorengerechtes Wohnen und der Edeka-Neubau entstehen, beides wichtig und begrüßenswert für den Ort. "Mal sehen, ob das alles so durchgeht, oder ob wir bei der weiteren Gestaltung noch mitreden.“ Was sie freut, ist, dass sich die Politikmüdigkeit bei den jungen Menschen offenbar verzogen hat – im Gegenteil, sie gehen auf die Straße und demonstrieren für eine bessere Zukunft. Alle Parteien hätten "genug Kandidaten", die der Grünen werde sie gerne "begleiten und unterstützen. Wir brauchen eine starke grüne Fraktion im Rat."

Wen unterstützen die Grünen?

Nun, da sie als Bürgermeisterin Martfelds nicht mehr zur Verfügung stehe, bleibe noch die Frage offen, wen die Grünen unterstützen. "Michael Albers von der SPD und Torsten Tobeck von der unabhängigen Liste Martfeld haben ja schon ihre Fahne aus dem Fenster gehängt", nennt sie zwei potenzielle Nachfolger. "Bei den Grünen haben wir noch gar nicht darüber gesprochen." Marlies Plate ist laut eigener Aussage vor keiner Wahl angetreten, um Bürgermeisterin zu werden, sondern um in den Rat gewählt zu werden. Die Mitglieder des Rates haben sich dann für sie entschieden. "Und die Erfahrung zeigt, dass es oft anders kommt als erwartet. Wir als Grüne haben dann mindestens einen Plan B.“

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