Landfrauenverein Hoya

Weit mehr als Bespaßung

Imke Wicke ist Vorsitzende des Landfrauenvereins Hoya. Die 53-Jährige aus Hollen sieht sich in dieser Funktion nicht nur als Bespaßungsorganisatorin, sondern als Interessensvertreterin.
28.04.2021, 07:30
Lesedauer: 4 Min
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Weit mehr als Bespaßung
Von Micha Bustian
Weit mehr als Bespaßung

Imke Wicke winkte zunächst ab, als sie gefragt wurde, ob sie nicht beim Landfrauenverein mitmachen wollte. Kurze Zeit später wollte sie und will auch immer noch. Jetzt ist sie die Vorsitzende des Landfrauenvereins Hoya.

Vasil Dinev

Martfeld-Hollen. Hund Paul macht Rabatz, als ein ihm fremder Wagen auf den Hof Wicke in Hollen rollt. Klar, ist ja auch seine Aufgabe. Und er als Hausherr hat ein großes Areal zu bewachen. Zumal Frauchen nicht da ist. Imke Wicke fährt für die Tafel aus. Respekt, denn immerhin ist die 53-Jährige „nebenbei“ noch in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Und sie ist Vorsitzende des Landfrauenvereins Hoya.

Wobei Hoya etwas irreführend ist. Der Verein deckt die alte Grafschaft Hoya ab, eingeteilt in zehn Bezirke. „Wir sind eine Interessenvertretung für alle Frauen, die auf dem Lande wohnen“, stellt Imke Wicke klar. Mit Landwirtschaft als Beruf muss keiner der Mitglieder zwangsläufig etwas zu tun haben. Nun ist Interessenvertretung aber auch nicht so zu verstehen, dass die Landfrauen mit im Rat sitzen und so Einfluss auf die Politik nehmen. Sie organisieren Bildungsangebote, Freizeitmöglichkeiten und Informationsveranstaltungen (siehe Programm unten).

Die Aufgaben von Imke Wicke gehen noch ein Stückchen weiter. Sie verwaltet als Vorsitzende die Daten der Mitglieder, organisiert Klausurtagungen, bucht Referenten und informiert die Presse. Dazu kommt einmal monatlich eine Vorstandssitzung. Normalerweise, also ohne Corona. „Da müssen wir nicht so häufig tagen.“

Imke Wicke ist in dem 200-Einwohner-Dörfchen Möhne südlich von Soest groß geworden. In Hildesheim machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsleiterin. Genauer: zur landwirtschaftlichen Hauswirtschaftsleiterin. Eine Lehre, von der sie noch immer profitiert - zu Hause und auch bei ihrer Arbeit als Landfrauen-Chefin. Bis sie nach Hollen kam, zog sie viel durch Nordwestdeutschland, arbeitete in Worphausen (Landkreis Osterholz), Barnstedt (Landkreis Verden) und im Bremer Tor in Brinkum.

Damit war Schluss, als das erste Kind kam. Privat zog es sie nach Ochtmannien, wo sie mit ihrem ersten Gatten einen Sohn (27) und eine Tochter (25) bekam. Mit ihrem zweiten Ehemann, wegen dem sie schließlich im Jahre 2003 nach Martfeld zog, hat sie ein weiteres Kind, einen 15-jährigen Sohn. Eine Patchwork-Familie. Das gibt es heutzutage auch upm Dörp.

Zu den Landfrauen kam Imke Wicke 1999, damals noch in Ochtmannien. „Margret Kleinschmidt hat mich angesprochen, ob ich nicht mitmachen möchte“, erinnert sich die 53-Jährige. Ihre Antwort: „Nee, das ist nicht mein Verein.“ Wurde es dann aber doch noch. Denn Kleinschmidt lockte mit einer nachvollziehbaren Begründung: „Wer etwas bewegen will, muss bei uns in den Vorstand.“ Das leuchtete Wicke ein. Sie wurde nicht nur Mitglied, sondern gleich Bestandteil des Vorstandes. Und stieg die Leiter weiter nach oben. Sie wurde Ortsvertreterin für Ochtmannien und später für Martfeld, ließ sich zur stellvertretenden Vorsitzenden des Landfrauenvereins Hoya wählen und löste schließlich Claudia Bartels als Vorsitzende ab. „Es gab nicht viele Anwärter.“

Nun stehen die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des Landfrauenvereins Hoya vor der Tür. Sie sind für den 12. November geplant - vorausgesetzt, das Coronavirus hat bis dahin Deutschland verlassen. Einen Bauchredner und Zauberer hat Imke Wicke bereits reserviert. „Wir haben inzwischen ein supertolles Netzwerk entwickelt“, sagt sie. Die Hoyaer Landfrauen haben mittlerweile sogar Kontakt zur niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und zum Umweltminister Olaf Lies (SPD) knüpfen können.

Trotz Covid-19 - die Arbeit wird für Imke Wicke und ihre Kolleginnen aus dem Landfrauenvorstand nicht weniger. Nachwuchsprobleme gibt es. Wie überall, wo ehrenamtlich gearbeitet wird. „Dadurch machen die, die ohnehin schon viel machen, noch mehr“, ärgert sich die dreifache Mutter. Dennoch will sie ihre Arbeit als Vorsitzende nicht missen. „Es macht nach wie vor großen Spaß“, findet sie. Vieles, was sie gerne einmal gemacht hätte, hat sie mit den Landfrauen gemacht. Nicht nur Bespaßung, sondern auch Weiterbildungsangebote. „Ohne die Landfrauen wäre ich nicht so, wie ich jetzt bin. Sie haben mich geprägt.“

Info

Zur Sache

Landfrauen machen Programm

Durch den Wald mit allen Sinnen: Angekündigt werden zwei Waldspaziergänge, die sowohl inspirieren als auch informieren. Wer schon immer mal einen Baum umarmen wollte, hat die Gelegenheit dazu. Wer mehr über die Herausforderungen der Forstwirtschaft im Klimawandel wissen will, ist hier auch richtig. Zusammen mit der zertifizierten Waldpädagogin Tanja Wohlers durchstreifen die Landfrauen zwei Stunden lang Sellingsloh und Heiligenberg. Wichtig: feste Schuhe und eine Sitzunterlage. Treffpunkt am Donnerstag, 20. Mai, um 15 Uhr ist der Parkplatz am Sellingsloh (Parkplatz), am Mittwoch, 9. Juni, kommen Interessierte zu 17 Uhr zum Wanderparkplatz am Heiligenberg.
Die Kosten betragen fünf Euro für Vereinsmitglieder und zehn Euro für alle anderen.

Runter vom Sofa, rein ins Boot: „Dinge, die viel Spaß gemacht haben, sollten wiederholt werden“, findet Landfrauen-Vorsitzende Imke Wicke. Also: Rein ins Paddelboot auf dem Ziegeleisee in Hoya. Unter Aufsicht des Wassersportvereins Hoya - in diesem Fall vertreten von Anna Hegenberg - können Teilnehmerinnen am Freitag, 18. Juni, von 14 bis 16 Uhr in einem Zweier-Boot oder einem Kanadier das Paddeln üben. Danach werden wir, bei einer Tasse Kaffee den Nachmittag ausklingen lassen. Treffpunkt ist das Gelände des Wassersportvereins Hoya, Stettiner Straße 39, die Kosten betragen zehn Euro für Vereinsmitglieder und 15 Euro für alle anderen.

Anmeldungen für die beiden Veranstaltungen nimmt Imke Wicke unter Telefon 04258/1369 oder per E-Mail an imke@hof-wicke.de entgegen.

Klangschale: Harmonische Klänge, zarte Schwingungen, vom Alltag abschalten, ganz bei sich sein, eintauchen in einen Raum der Ruhe und des Wohlbefindens. Die Klangmassagen und Klangmethoden von Peter Hess verstehen sich in erster Linie als Entspannungsangebot. Seminarleiterin Martina Kinger-Tyra wartet an zwei Terminen an der Barkloger Straße 4 in Asendorf auf Interessierte: am Mittwoch, 5. Mai, ab 15 Uhr und am Donnerstag, 3. Juni, ab 18 Uhr. Kosten: zehn Euro für Vereinsmitglieder, 15 Euro für alle anderen.
Anmeldungen gehen in diesem Fall an Kerstin Gissel (04253/338, kerstin.gissel@ewe.net).

Plotten: Mit dem Plotter werden Schriften und Formen aus Folien geschnitten und anschließend auf Gegenstände geklebt. So können Gläser, Flaschen, Bilderrahmen oder aber auch Textilien selbst gestaltet werden. Auch hier werden zwei Termine angeboten: Freitag, 4. und 11. Juni, jeweils von 18 bis 21.30 Uhr im Güterschuppen Eystrup, Am Bahnhof 8. Die Seminarleitung übernimmt Christine Scharnhusen (04254/801480, c.scharnhusen@t-online.de), die auch Anmeldungen entgegennimmt. Für Landfrauen kostet der Spaß 20 Euro, für Mitglieder 25 Euro - plus Materialkosten.

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