Kirsteins Hoff Martfeld Ein offenes, einladendes Haus

Vier Jahre Bau und Planung liegen hinter dem Förderverein Kirsteins Hoff. Nun hat das Projekt endlich seinen Abschluss gefunden: Das Dörpshus und das Restaurant Lica haben offiziell eröffnet.
04.08.2022, 15:43
Lesedauer: 4 Min
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Ein offenes, einladendes Haus
Von Ivonne Wolfgramm

Martfeld. Das Suppenhuhn köchelt schon seit einiger Zeit auf dem Herd. Die Pfifferlinge sind geputzt. Momentan geht es in der Küche des Restaurants Lica im Martfelder Dörpshus noch ruhig zu. "Das wird sich heute Abend jedoch ändern", sagt Carsten Wolters voller Überzeugung. "Heute ist unsere offizielle Eröffnung."

Gemeinsam mit seiner Partnerin Lisa Runge führt er das Restaurant, das sich im Erdgeschoss von Kirsteins Hoff befindet. Sie ist für den Service zuständig, er schwingt in der Küche die Kochlöffel. Die Freude bei den jungen Gastronomen ist groß, dass sie nun endlich mit ihrem eigenen Restaurant starten können. War es doch kein einfacher Weg: Lieferengpässe und andauernde Bauarbeiten, die in und an Kirsteins Hoff notwendig waren, haben den ursprünglichen Eröffnungstermin immer weiter nach hinten verschoben.

"Im Großen und Ganzen ist es so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben", sagt Wolters. Mit dem Festsaal, dem Gastraum und der Terrasse haben die Gastronomen, gemeinsam mit dem Förderverein Kirsteins Hoff, einladende Verweilmöglichkeiten für die Besucher geschaffen: modernes Interieur trifft auf historische Baukunst. Dies wird besonders im Eingangsbereich deutlich: der alte Terrazzoboden, der Kamin, die Holzvertäfelung sind Elemente, die vom historischen Kirsteins Hoff erhalten geblieben sind. In Kontrast dazu steht die moderne Theke samt indirekter Beleuchtung.

Groß und geräumig ist der Festsaal, in dem bis zu 60 Personen Platz haben. Helle Wand- und Deckenfarben harmonieren mit den Tischen und Stühlen, auf denen einst lange Zeit die Gäste der Gaststätte Scholvin-Ortmann aus Riede Platz genommen haben. Die große hölzerne Theke, ebenfalls von Scholvin-Ortmann übernommen, ist nur einer der Hingucker in dem Saal. Im kleineren Speiseraum, der rund 30 Restaurantbesucher beherbergen kann, lässt sich auch noch so manches historische Detail des einst landwirtschaftlich genutzten Gebäudes entdecken.

"Für die nächsten Tage sind wir schon fast ausgebucht", kann Lisa Runge bereits berichten. Ein bisschen schwinge die Aufregung mit, wie der Eröffnungsabend verläuft. "Wir lassen uns überraschen. Ich bin aber sehr positiv gestimmt." Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Wie so vielen Betrieben ist auch das noch junge Restaurant vom Fachkräftemangel betroffen. "Es fehlen uns Leute in der Küche und im Service", sagt Runge. Dennoch bleibt sie optimistisch: "Wir versuchen alles, unsere Qualität beizubehalten."

Dass das Mammut-Projekt Dörpshus nun vorerst sein Ende gefunden hat, freut nicht nur die Restaurantbetreiber. Auch Heiner Rahlmann und Torsten Kirstein, die Vorsitzenden des Fördervereins Kirsteins Hoff, sind glücklich darüber, den Martfeldern jetzt einen Treffpunkt bieten zu können. Denn dafür haben sie nicht nur das Erdgeschoss umbauen lassen, wo sich neben dem Restaurant auch ein Mehrgenerationenraum mit viel Spielzeug für die kleinen Dorfbewohner findet. Im ersten Obergeschoss hat der Förderverein einen Sitzungsraum sowie einen Gymnastikraum eingerichtet. "Der Sitzungsraum verfügt über genügend Platz, dass hier der Gemeinderat, die Ausschüsse oder auch andere Vorträge und Veranstaltungen stattfinden können", sagt Rahlmann. Dafür stehe auch in Kürze ein Beamer samt Leinwand zur Verfügung. "Im Gymnastikraum hat diese Woche bereits die erste Gruppe trainiert", berichtet der erste Vorsitzende weiter.

Damit das Dörpshus auch für alle Generationen nutzbar ist, hat der Verein bei der Gestaltung auf Barrierefreiheit geachtet. Neben einem Aufzug gibt es auf beiden Stockwerken zudem Behinderten-WCs, außerdem gibt es Wickeltische in den Sanitärräumen, die sowohl von Müttern als auch Vätern genutzt werden können.

Besonders für Torsten Kirstein ist das Projekt mit nicht wenigen Emotionen verbunden. Schließlich hat der Hof seiner Familie gehört, er ist dort aufgewachsen. "Wir hoffen sehr, dass sowohl die Martfelder als auch Menschen von außerhalb es annehmen. Ich bin mir sicher, dass sich meine Eltern genau so eine Nutzung des Hauses gewünscht hätten."

Zur Sache

Seit über 100 Jahren im Familienbesitz

Die Geschichte von Kirsteins Hoff ist keine kurze. Im Jahr 1909 erwarb Heinrich von Hollen, der Urgroßvater von Torsten Kirstein, die Hofstelle Marfeld Nr. 50 für 160.000 Mark. Seitdem wurde sie landwirtschaftlich genutzt. 1932 übernahm Kirsteins Großonkel Dietrich von Hollen den Hof. Er war Eigentümer der Bettenfabrik Stiegelmeyer in Herford "und führte ein weitaus bewegteres Leben als es auf landwirtschaftlichen Betrieben zu der Zeit üblich war", sagt Kirstein. Dietrich von Hollen setzte seinen jüngeren Bruder Karl von Hollen, Kirsteins Großvater, als Verwalter des Hofes ein. In den 1950er-Jahren wurde auf der Hofstelle viel neu gebaut und umstrukturiert. So entstand zu dieser Zeit die Scheune, die in naher Zukunft zur Theaterscheune umfunktioniert werden soll. 1970 erbte Helga Kirstein von Hollen, die Mutter von Torsten Kirstein, den Hof und bewirtschaftete ihn gemeinsam mit ihrem Ehemann Erich Kirstein. "In den folgenden drei Jahrzehnten wurde auf dem Hof aktive Landwirtschaft mit Milchviehhaltung und Ackerbau betrieben", erinnert sich der heutige Eigentümer, der 2004 offiziell Hof übernahm. Nach dem Tod der Eltern mussten sich Torsten Kirstein und seine Geschwister die Frage stellen, was mit der Hofstelle passiert. "Es war immer ein offenes, freundliches und einladendes Haus", sagt er. Schließlich kam im September 2018 der Impuls, aus dem einstigen Hof ein generationenübergreifendes Zentrum für Martfeld zu errichten.

Info

Wer dem Restaurant Lica einen Besuch abstatten will, sollte im Vorfeld reservieren. Das geht telefonisch unter 0 42 55 /9 79 59 83 oder über die Homepage www.restaurant-lica.de. Dort gibt es auch weitere Informationen rund um das Restaurant. Wer sich hingegen für die Nutzung der Räumlichkeiten des Dorfgemeinschaftshauses interessiert, etwa für Vorträge oder Kurse, oder sonstige Fragen hat, wendet sich an den Förderverein Kirsteins Hoff. Der ist erreichbar unter info@doerpshus-martfeld.de, der Rufnummer 0 42 55/ 979 59 84 oder über die Webseite www.doerpshus-martfeld.de.

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