Ukrainische Künstlerin Die Liebe zum architektonischen Zeichnen

Seit März lebt die ukrainische Künstlerin Tetjana Popovichenko in Martfeld und malt die Gebäude nach. Lebenswege begleiten hat nun ein Werk der Künsterlin gekauft, um es der Kirchengemeinde zu schenken.
29.11.2022, 15:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch

Martfeld. Eine Kreidezeichnung des Martfelder Gemeindehauses, gemalt von der Ukrainerin Tetjana Popovichenko, überreichte Axel Hillmann jüngst an Pastorin Meike Müller. Hillmann, der die Zeichnung für den Verein Lebenswege Begleiten erwarb, betonte, es sei ein Dank an die Kirchengemeinde, die dem Verein ihre Räumlichkeiten für Sprachkurse zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig sei es aber auch ein Obulus an die Malerin, die mit Verkäufen ihrer Kunstwerke Gutes in ihrer Heimat tue.

Pastorin Müller versprach, einen geeigneten Platz in den Räumen des Hauses auszusuchen und bedankte sich ausdrücklich für das Engagement von Lebenswege Begleiten, die „schwere deutsche Sprache“ an die Menschen zu vermitteln – egal woher sie kämen und welchem Glauben sie angehörten. Anna und Ludmilla, zwei Teilnehmerinnen der Deutschkurse, stellten beim Gespräch mit der Künstlerin als Übersetzerinnen ihre erlernten Sprachkenntnisse, so gut sie konnten, unter Beweis.

Popovichenko verließ drei Tage nach Kriegsausbruch nur mit dem Nötigsten ihr Heimatland, flüchtete aus einer Vorstadt von Odessa und kam nach vielen Stationen in Polen an. Ihre kranke Mutter musste sie in der Obhut ihres Bruders zurücklassen. Mithilfe von Freunden und Bekannten gelangte sie schließlich im März nach Martfeld. Gern wäre sie nach Berlin gegangen, wo seit drei Jahren ihre Tochter lebt. Sie bekam aber keine Genehmigung, weil das dortige Flüchtlingskontingent ausgeschöpft gewesen sei.

Geboren 1961 in Odessa, absolvierte Popovichenko an der staatlichen M.-Grekow-Schule für Kunst eine fünfjährige Ausbildung in der Fachrichtung Malerei auf dem Gebiet Grafik und Illustration. Das war im Jahr 1981. Sie ist Mitglied der National Union Of Artists Of Ukraine (zu Deutsch: Nationale Union der Künstler der Ukraine). Seit 1995 nimmt sie teil an nationalen und internationalen Ausstellungen, Projekten und Künstlertreffen im eigenen Land. In Frankreich, Belgien, der Schweiz und Ungarn stellte sie bisher aus, nahm an sogenannten Plainair-Malwettbewerben in Polen, Deutschland, Griechenland, Rumänien, der Türkei und Belgien teil. Dort steht das Malen im Freien, direkt am Objekt im Vordergrund. Zudem hat sie ein Diplom als Kunstlehrerin erworben, welches in Deutschland jedoch nicht anerkannt wird. Sie stellt sich aber an zwei Tagen in der Woche in der Grundschule in Martfeld zur Mithilfe zur Verfügung.

Porträts oder Landschaften malt sie eher nicht, wie sie sagt. Ihre Liebe gilt dem architektonischen Zeichnen mit Tusche, Kugelschreiber, Bleistift, Wasserfarben und Acryl. Ihre Häuser und Bauwerke hält sie mit fotografischer Genauigkeit auf Malkarton fest. Das zeigten weitere Beispiele von Gebäuden und Hofstellen aus Martfeld und anderen Städten und Ortschaften in ihrer Arbeitsmappe. Jede Fuge zwischen den Ziegeln einer Mauer, jeder Schattenwurf eines Astes, die Vielfalt schmückender Simse oder Maserungen im Fachwerk stellt sie akribisch dar. Ab und zu rückt auch einmal der Stamm eines mächtigen Baums mit ins Bild.

Von dieser Kunstfertigkeit kann sich ab dem 1. Dezember ab 18 Uhr in Syke im Café Alte Posthalterei, Waldstraße 3, überzeugt werden. Gezeigt werden dort um die 50 Werke, die Tetjana Popovichenko allesamt nach ihrer Flucht gemalt hat.

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