Pastorenhaus Martfeld Bauarbeiten auf die traditionelle Art

Seit Anfang des Jahres laufen die Bauarbeiten am Pastorenhaus in Martfeld. Derzeit verschließen Lehmbauer das Gefache des Gebäudes. Fertiggestellt wird das Haus voraussichtlich im Frühjahr 2022.
12.08.2021, 16:17
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Bauarbeiten auf die traditionelle Art
Von Antonia Blome

Martfeld. Mit einer Mischung aus regionalem Ton, Sand und Kuhdung verschließen Hans-Peter Poeplau und seine Kollegen das Gefache des Pastorenhauses in Martfeld – auf ganz traditionelle Art. Laut dem Lehmbauer sind die Handwerker schon mal acht bis 18 Stunden täglich an dem Gebäude zugange. Eine Arbeit, die sich lohnt, denn das Pastorenhaus an der Kirchstraße 13 hat es Einheimischen und Außenstehenden gleichermaßen angetan. Bei dem Gebäude von 1535 handelt es sich schließlich um ein Stück Reformationsgeschichte. Nachdem das Haus im Dezember des vergangenen Jahres an einen neuen Standort verrollt worden ist (wir berichteten), laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren.

Hinter dem Projekt steckt der örtliche Heimat- und Verschönerungsverein (HVV), der das Pastorenhaus im vergangenen Jahr kaufte. Da das Grundstück an der Ecke Eichenweg/Alter Schulweg nicht erworben werden konnte, fand das Gebäude schließlich einen neuen Standort in Martfeld. "Bei der Verrollung wurde kein Balken entnommen und das Haus konnte seinen Denkmalschutz behalten", sagt Susanne Till, die im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das Pastorenhaus ist das erste Gebäude, das der Heimatverein gekauft hat. Es habe auch andere Interessenten für das Pastorenhaus gegeben, zum Beispiel aus der Lüneburger Heide. "Wir fanden aber, dass dieser Schatz der Gemeinde nicht verloren gehen sollte", sagt Susanne Till. "Dieses Haus wurde hier vor 20 Jahren entdeckt und gehört zu Martfeld."

Nach der Fertigstellung soll in dem Gebäude ein Ausstellungsraum entstehen. "Dort zeigen wir, wie die Menschen früher gelebt haben und thematisieren die Geschichte der Reformation", informiert die Martfelderin. Verschiedene Arbeitsgruppen würden gerade an der Ausarbeitung eines musealen Konzepts sowie der Gestaltung des Außengeländes arbeiten. "Wir überlegen zum Beispiel, einen kleinen Gemüsegarten anzubauen", sagt Susanne Till. Im Vordergrund steht ihr zufolge, dass das Erscheinungsbild möglichst historisch passend ist.

Im Januar begannen die Bauarbeiten an dem Gebäude. "Wir hatten gehofft, bis zum Tag des offenen Denkmals am 12. September fertig zu werden", sagt Susanne Till. Dieser Termin habe sich allerdings verschoben. Voraussichtlich würden die Arbeiten im Frühjahr 2022 beendet. Grund dafür ist unter anderem die lange Trocknungszeit des Lehms.

Der Martfelder Architekt Martin Tolksdorf ist Mitglied im HVV und hat das Projekt von Anfang an mit begleitet. Gefördert wird der Umbau mit EU-Mitteln des Programms Dorfentwicklung. Auch das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ARL) unterstütze den Heimatverein tatkräftig. "Wir haben eine Förderung von 70 Prozent, ohne diese Unterstützung hätten wir dieses Vorhaben gar nicht angehen können", sagt Tolksdorf.

Die Resonanz in der Bevölkerung sei sehr positiv. "Die Leute strahlen mindestens genauso wie ich, wenn sie das Pastorenhaus sehen", sagt Susanne Till. Menschen aus Martfeld würden sogar Kuchen und Getränke vorbeibringen. "Am Anfang sind Menschen dem Projekt mit Skepsis begegnet, aber jetzt bekommen wir sogar überregionale Aufmerksamkeit", freut sich Tolksdorf.

Hans-Peter Poeplau ist der Lehmbauer, der sich derzeit gemeinsam mit anderen Firmen des Hauses annimmt. "Ich bin begeistert von dem Engagement der Menschen hier, die Bürger versorgen uns sogar mit Baumaterial", sagt der Nordrhein-Westfale. Im zufolge kann diese Bauphase voraussichtlich in dieser Woche abgeschlossen werden. Nach der Trocknungszeit wird das Haus Ende Oktober außen verputzt. Außerdem muss das Gebäude innen mit Holzfaserdämmplatten gedämmt werden. Zum Schluss werden Fenster, Türe und Bodenplatten eingesetzt. "Ich kann die Faszination mit diesem besonderen Gebäude verstehen", sagt Poeplau. "Martfeld ist eine schöne Gemeinde und es war mir ein Anliegen, dieses Haus zu restaurieren." Nach der Fertigstellung wird er, wie er sagt, auf jeden Fall zurückkehren und das Pastorenhaus besuchen.

Zur Sache

Die Geschichte des Pastorenhauses

Die Reformation von 1517 bis 1648 brachte große Veränderungen in das kirchliche und gesellschaftliche Leben der Zeit. "Im Jahre 1527 wurde in der Grafschaft Hoya offiziell verkündet, dass der lutherische Glaube gelehrt wird", heißt es vom Heimat- und Verschönerungsverein Martfeld. Pfarrer Otto Homfeld stammte aus Martfeld und wurde um das Jahr 1500 geboren. Er studierte in Rostock und Wittenberg und begann als erster in Martfeld, den neuen Glauben zu predigen. Da er die Möglichkeit genutzt hatte, eine Familie zu gründen, musste er Vorsorge treffen und erwarb ein Grundstück vom Grafen Jobst aus Hoya und erbaute nicht weit vom heutigen Gemeindehaus ein eigenes Wohnhaus. "Das war sehr fortschrittlich für das 16. Jahrhundert", sagt Susanne Till vom Verein. Drei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten verstarb Otto Homfeld wahrscheinlich an einer Pestwelle, die im Jahr 1538 wütete. "Seine Familie bezog das Gebäude ein Jahr danach und aus den Aufzeichnungen der alten Amtsbücher geht hervor, dass seine Nachkommen mit der Landwirtschaft begonnen haben und somit eine sukzessive Umnutzung des Gebäudes begann", teilt der HVV mit. Weitere Informationen gibt es unter www.pastorshus.de.

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