Pastors Hus Virtuelle Reformationszeit

Das museale Konzept von Pastors Hus in Martfeld steht fest. Ende Dezember sollen die technischen Arbeiten beendet sein, Ende März soll das kleine Museum öffnen.
05.11.2021, 16:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian / abu

MartfeldAm Donnerstag überbrachte der Kreis-Diepholzer Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig die gute Nachricht, aus dem Soforthilfeprogramm für Heimatmuseen und ländliche Museen gute 20.000 Euro für Pastors Hus in Martfeld ergattert zu haben (wir berichteten). Am Freitag berichtete Menno Mennenga, wofür dieses Geld gebraucht wird. Der Mann vom Emdener Unternehmen Reunion Media stellte gemeinsam mit Vertretern des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld das museale Konzept für das Gebäude aus dem Jahre 1535 vor. Neben den Medien hörten vornehmlich Sponsoren zu.

Landrat Cord Bockhop war gekommen, allerdings in seiner Funktion als Vertreter des Landschaftsverbandes Weser-Hunte. Bei ihm saßen Johannes Janssen, Direktor der niedersächsischen Sparkassenstiftung, dazu Jens Bratherig, Ralf Warneke und Dennis Landt von der Kreissparkasse Syke. Sie alle hatten Geld gegeben, insgesamt etwa 80.000 Euro. Mit dem Zuschuss vom Bund "ist das Konzept jetzt realisierbar", freute sich HVV-Vorsitzender Anton Bartling.

Was jetzt realisierbar ist, beschrieb Menno Mennenga in knackigen Worten. Zuerst seien zwei Charaktere im Stil der Reformationszeit erschaffen worden, "obwohl nichts Visuelles über die beiden Bewohner bekannt ist". Weder Pastor Otto Homfeld wurde im Bild festgehalten noch seine Gattin, für die er das Haus ja bauen ließ (wir berichteten). Folglich basieren die beiden Charaktere auf Vermutungen. Dennoch: "Eine der beiden Personen soll die Gäste wann immer möglich empfangen." Dann wird das Ein-Raum-Haus, das nach der Sanierung deutlich größer wirkt als zurzeit des überraschenden Fundes, in drei Sektionen aufgeteilt.

Erstens: Otto Homfeld und die Reformation. "Wir wissen wenig über ihn", gibt Menno Mennenga zu. Dennoch gebe es über den ersten protestantischen Pastor Martfelds eine interaktive Station. Dafür werden einzelne Bausteine zur Verfügung gestellt, die die verschiedenen Stationen Homfelds beleuchten: Martfeld natürlich, darüber hinaus das Studium in Rostock, Hoya und die Stadtkirche in Wittenberg. 

Zweitens: ein digitales Fenster. Das soll stilecht und passend eingebaut werden. Streng genommen ist es ein Bildschirm, auf dem verschiedene Geschichten laufen – erzählt von virtuellen Nachbarn, die ebenfalls der Reformationszeit nachempfunden sind. Drei, vier dieser Storys sollen es am Anfang sein. Eine Aufstockung im Laufe der Zeit ist wahrscheinlich.

Drittens: Information zur Baugeschichte, "von der Wiederentdeckung bis zum Umbau", wie es Menno Mennenga formuliert. "Sehr viel Videomaterial" gebe es dafür. Dazu kommen soll ein haptisches Modell mit zwei Gebäudehälften, die man auseinanderziehen kann, um die Einrichtung zu bewundern. "Auch mit Kuhstall." Dafür steht ein Monitor zur Verfügung, auf dessen Bildschirm erscheint, wie Pastors Hus früher genutzt wurde. Die Perspektive ändert sich mit jedem Schritt, mit jeder Drehung. 

Klingt reichlich virtuell. "Es wird keine Exponate geben wie in einem normalen Museum", sagte Menno Mennenga. Keine Tonkrüge, keine endmittelalterlichen Messer, keine historisch korrekten Sitzgelegenheiten. Und auch kein Personal. "Wir können Pastors Hus nicht jeden Tag öffnen, wir können es auch nicht einfach offen lassen. Und wir haben auch nicht Personal für jeden Tag", erklärte Anton Bartling.

Wie also soll es laufen? Mit dem von Menno Menninga beschriebenen Turn-Key-Prinzip. Heißt: Sobald sich der Schlüssel im Loch dreht, fahren die Computer hoch. Das bedeutet, dass jeder nach Anmeldung alleine Pastors Hus besuchen kann. Wie viel das kosten wird, ist noch nicht geklärt. Ebenso wenig, ob es feste Öffnungszeiten geben wird. Fertig sein soll die technische Ausstattung des kleinen Martfelder Museums noch in diesem Jahr. Öffnen soll Pastors Hus "Ende März im Rahmen eines mittelalterlichen Marktes", kündigte Anton Bartling an.

Zur Sache

Pastors Hus - Finanzierungsideen

Wie finanziert man ein Museum? Vor dieser Frage steht nun der Heimat- und Verschönerungsverein als Betreiber von Pastors Hus. Ein Standbein werden die Eintrittskarten sein, obwohl noch nicht feststeht, wie teuer die Tickets werden sollen. Und da man auf einem Bein bekanntlich schlecht steht, setzt der HVV auf Souvenirverkauf. Die mit Brandzeichen versehenen Holzstücken aus dem Original-Fachwerk sind limitiert. Was also tun? "Wir sind mit einer Brauerei und einer Schnapsbrennerei im Gespräch", kündigt Anton Bartling prozentual hochkarätige Mitnehmsel für die Zukunft an. Eine weitere Idee kam vom Landrat. "Ich könnte mir vorstellen, dass jemand ein Stipendium erhält, um ein Buch über Pastors Hus zu schreiben", erklärte Cord Bockhop. Wenn es nach ihm ginge, einen Roman mit historischem Hintergrund. "Die Reformationszeit ist doch unheimlich spannend." Und mit dem Verkauf könnte der HVV seine Kassen füllen.

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