Empörung in der Einwohnerfragestunde Rat Martfeld: Straßensperrung sorgt für Unmut

Die Sperrungen der Heidstraße und In der Heide waren das zentrale Thema in der jüngsten Sitzung des Martfelder Rates. Mehr als 60 Minuten wurde dieser Punkt in der Einwohnerfragestunde besprochen.
15.10.2021, 18:10
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Rat Martfeld: Straßensperrung sorgt für Unmut
Von Ivonne Wolfgramm

Martfeld. Zwölf Punkte umfasste die öffentliche Sitzung des Gemeinderates Martfeld am Donnerstagabend. Doch einer dieser Punkte beanspruchte die längste Zeit der gut zweistündigen Sitzung: die Sperrung der Heidstraße und der Straße In der Heide. Rund eine Stunde dauerten die Erläuterungen in dieser Angelegenheit sowie die anschließende Einwohnerfragestunde – die bei vielen Martfeldern für erhitzte Gemüter sorgte. Die Beratungen und Beschlüsse aller wichtigen Punkte im Überblick:

Sperrung Heidstraße/In der Heide: Seit Ende September liefen das Telefon und das Mailpostfach heißt, sagte Bürgermeisterin Marlies Plate zu Beginn: "Über die Sperrung gibt es derzeit mächtig Aufregung." Zweck der Sperrung ist es, den Durchgangsverkehr in den betroffenen Straßen zu reduzieren – ein Thema, das die Martfelder Politik schon länger beschäftigt, wie Plate erläuterte. Im Jahr 2019 gründete sich zum Zweck der Verkehrsberuhigung in der Heidstraße und In der Heide eine Bürgerinitiative, da die in diesem Bereich geltenden Verkehrsregeln nicht eingehalten werden. Die Bürgerinitiative startete laut Plate eine Umfrage unter den Anliegern. 56 Prozent hätten für eine Sperrung der Straße gestimmt. Zunächst sollte jedoch eine Tempo-30-Zone sowie die Freigabe der Straße nur für Anlieger für eine Verkehrsberuhigung sorgen. Doch mit der Beschließung des Bebauungsplans "Heide II" wurde deutlich: Wird das Baugebiet erschlossen, wird eine Sperrung der Straße notwendig sein – wenn auch nur vorübergehend, wie Marlies Plate versicherte.

Über die Sinnhaftigkeit dieser Sperrung schieden sich nun am Donnerstag die Gemüter der betroffenen Anlieger beider Straßen. Einen Umweg von gut vier Kilometern müsste er einplanen, wenn er zur Arbeit nach Bremen fahren möchte, berichtete ein Anwohner. "Auf einen längeren Zeitraum hochgerechnet, ist das schon brutal", sagte er. Aus seiner Sicht werden die Anwohner der Straßen für das Fehlverhalten des Durchgangsverkehrs bestraft: "Ein Unding." Dieser Meinung waren auch andere Anlieger, wie sich während Einwohnerfragestunde deutlich zeigte. "Warum kann man dort keine Spielstraße einrichten?", fragte ein anderer Anwohner, "oder ein paar Schwellen. Wir hätten keinen Durchgangsverkehr, und alles wäre erledigt." Auch das Aufstellen von Blitzern oder die Kontrollen durch die Polizei wären aus der Sicht mancher Anwohner eine sinnvollere Lösung als die Sperrung.

"Mir macht das richtig Angst", beteuerte eine Anwohnerin, als sie auf die Auswirkungen der Straßensperrung für die Rettungskräfte aufmerksam machte. Bürgermeisterin Plate versicherte, dass alle Rettungskräfte über einen Schlüssel verfügten, um die Sperrung im Bedarfsfall aufzuheben und die Straßen befahren zu können. Doch das reichte der Anwohnerin nicht. Die Sperrung halte auf, im Notfall gehe es um Sekunden, die so verloren gingen. Auch wirke sich die Sperrung nicht alleine auf den motorisierten Verkehr aus, gab eine andere Martfelderin zu bedenken: "Die Poller stehen so eng beieinander, dass ältere Menschen, die mit dem Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind, dort nicht durchkommen. Das kann doch nicht sein."

Andere Martfelder begrüßten hingegen die Entscheidung der Gemeindeverwaltung, die Heidstraße und In der Heide zu sperren. "Ich bin dankbar dafür", sagte eine Zuschauerin, die sich an dem Durchgangsverkehr störte. Für sie bedeute die Maßnahme eine Verbesserung der Lebensqualität. Ein anderer Bürger betonte, dass die Sperrung für den Durchgangsverkehr den Verschleiß der Straße minimiere. Seine Frage in die Runde: "Wer bezahlt denn dann die Straßenschäden?"

Trotz der Beschwichtigungsversuche von Marlies Plate und auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann, konnte an diesem Abend kein Konsens zwischen den unterschiedlichen Positionen gefunden werden, obwohl die Einwohnerfragestunde rund eine Stunde in Anspruch nahm. Die Bürgermeisterin versicherte jedoch, dass alle Anregung seitens der Bürger bei einer künftig geplanten Diskussionsrunde berücksichtigt werden.

Vergabe von Straßennamen im Baugebiet "Heide II": Diesem Beschlussvorschlag mussten sich die Ratsmitglieder an diesem Abend noch widmen. Für die Erschließungsstraßen im Baugebiet sind bisher keine Straßennamen vergeben worden. Es sei jedoch möglich, einen einzigen Namen zu vergeben. So steht es in der Beschlussvorlage. Laut dieser läge der Verwaltung bereits ein Namenvorschlag für die Straße vor, nämlich "Henns Kamp". "Der Name erinnere an eine bedeutende Martfelder Familie. Henning (Henns) Heins kultivierte nach dem Dreißigjährigen Krieg dieses Land", heißt es in der Beschlussvorlage. Einer der Nachfahren – Brüning (Henns) Schuhmacher – war der erste Bauermeister der 1826 geschaffenen politischen Gemeinde Martfeld. Mit einer Enthaltung stimmte der Rat für den Namensvorschlag.

Sperrung des Oister Wegs: Derzeit ist der Oister Weg für Fahrzeuge mit einer Gewichtsbeschränkung bis zu 5,5 Tonnen an der Zufahrt Hustedter Dorfstraße freigegeben. Grund dafür ist die Brücke über den Landwehrgraben, die für keine höheren Belastungen ausgelegt ist. Trotz entsprechender Beschilderung wird der Weg sowohl von Pkw als auch Schwerlastfahrzeugen genutzt. Anlieger hätten laut Beschlussvorlage schon mehrfach Beschwerden diesbezüglich bei der Gemeindeverwaltung eingereicht.

Um den Verkehr zu begrenzen, gäbe es zwei Möglichkeiten: Das Anbringen einer entsprechenden Beschilderung direkt an der Brücke oder die Sperrung des Oister Weges. Im zweiten Fall müsste das letzte Teilstück des Weges als Sackgasse gekennzeichnet werden. Der Verwaltungsausschuss hatte im Vorfeld hierüber beraten, sagte Marlies Plate, und sei gegen eine Sperrung. So sah es auch der Rat und sprach sich einstimmig gegen die Sperrung aus.

Stellungnahme zur 102. Änderung des Flächennutzungsplanes der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen (Windkraft): Aufgrund einer Stellungnahme der Bundeswehr sowie einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg muss der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen (Windkraft) erneuert werden (wir berichteten). Die Gemeinde Martfeld ist davon in zweierlei Hinsicht betroffen: Der Windpark östlich von Hustedt sowie der Park südlich von Martfeld mussten in Richtung Ortsmitte vergrößert werden. Laut Plate wurde im Verwaltungsausschuss bereits die Entscheidung getroffen, die Stellungnahme ohne Zustimmung zur Kenntnis zu nehmen. Dies tat der Rat mit einer Ergänzung: Die Samtgemeinde wird gebeten, bei der weiteren Planung eine Windpark-Bebauung in südlicher und westlicher Richtung zu verfolgen, um ein weiteres Heranrücken an den Ortskern zu vermeiden. So hatte es der Rat es bereits im Juli 2020 auf seiner damaligen Sitzung beschlossen.

Zur Sache

Fünf Ratsmitglieder verabschiedet

Für einige der anwesenden Mandatsträger war dies die letzte Sitzung als Teil des Martfelder Gemeinderats. Von Bürgermeisterin Marlies Platze mit einem Blumenstrauß und einer Ehrenurkunde verabschiedet wurden:

Pitt Brandstädter (Grüne)

Merle Hoffmann (Grüne)

Klaus-Dieter Kasper (Grüne)

Heinrich Lackmann (ULM)

Nicole Wolf (SPD)

Für die Bürgermeisterin war es ebenfalls die letzte Sitzung. Sie wird mit der neuen Legislaturperiode das Amt als Oberhaupt der Gemeinde Martfeld abgeben.

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