Steinofenbackstube Hollen

Von der WG zur Bäckerbande

1978 sind Bernd Krämer, Lutz Reimers, Karl-Jürgen Uhde und Klaus Reicheneder aus Bremen heraus nach Hollen gezogen. Sie backten zur Selbstversorgung Brot. Inzwischen ist daraus eine GmbH geworden.
26.03.2019, 11:52
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Von der WG zur Bäckerbande
Von Micha Bustian
Von der WG zur Bäckerbande

Achtung, nicht verbrennen: Lutz Reimers legt auch heute noch selbst Hand an.

Michael Braunschädel

Martfeld-Hollen. 1978. Bernd Krämer, Lutz Reimers, Karl-Jürgen Uhde und Klaus Reicheneder folgen einem Trend. Die Atomkraftgegner ziehen raus aufs Dorf. In Hollen werden sie fündig. Dort, wo die Wohnbebauung langsam in Natur übergeht. Eine Hofstelle noch, dann beginnt der Wald. Auf der anderen Seite der Straße: Ackerfläche. Das Quartett aus Bremen kauft einen Hof aus dem Jahre „Sechzehnhundertirgendwas“, wie Bernd Krämer es formuliert. Und wird heimisch. Dort, wo jetzt die Steinofenbäckerei Hollen steht.

28 Brotsorten backt und verkauft die Bäckerbande aus Hollen inzwischen. Dabei war anfangs „keine Bäckerei geplant“. Das Backen gehörte zur Selbstversorgung der Wohngemeinschaft (WG). So wie selbst angepflanztes und geerntetes Gemüse, wie selbst eingesammelte Hühnereier. „Jeder Hof hatte damals seine eigene Backstelle“, erklärt Bernd Krämer. So auch Hollen 25. Da gab - und gibt es immer noch - eine kleine Hütte mit einem Ofen darin. Und darüber hinaus einen weiteren Ofen in einem der Häuser. In dem wurde der Hollener Kiesel erstmals gebacken. Aus Roggen, Sauerteig, Wasser und Salz. Das erste Brot aus der Hollener Steinofenbackstube.

„Die Nachfrage von Freunden“ war es, die laut Lutz Reimers mehr als Selbstversorgung aus der Bäckerei machte. Es folgte das Erika-Heidebrot, Bernd Krämer zufolge „als Abwechslung“. Und dann sei Max gekommen, der Sohn von „Charly“ Uhde, und habe seinen Vater vor die Wahl gestellt: „Entweder kaufst du ein Weißbrot oder du backst eins.“ Brot Nummer drei mit dem Namen Helmut. Gebacken mit 1050er-Mehl. Und Helmut genannt, weil es an dem Tag auf den Markt kam, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl dienstältester Kanzler der Republik wurde.

„Charly“ Uhde machte seinen Bäckermeister, die Vier gründeten 1986 eine GmbH. Auf ihrer Hofstelle erfüllten sie alle Voraussetzungen, eine Backstube zu eröffnen – und taten es auch. Die mitarbeitenden Gesellschafter Bernd Krämer, Lutz Reimers, Karl-Jürgen Uhde und Klaus Reicheneder beschickten mit ihrer Ware Wochenmärkte, heizten ihren Ofen sechs- bis siebenmal täglich ein. „Wir waren keine Profis“, sagt Bernd Krämer, „das waren schon Zwölf-Stunden-Tage.“

Auch ohne Werbung entwickelte sich das Unternehmen weiter. Das Hollener Quartett gründete den Bremer Öko-Markt mit. 1999 wurden neue Öfen gebaut, 2000/01 eine neue Backstube. „Anfangs haben wir noch die Gedtreidesäcke selber geschleppt“, muss Bernd Krämer schmunzeln. „Inzwischen haben wir es uns leichter gemacht.“ Die Körner wandern nun direkt aus den Lastwagen der Bio-Höfe aus Sudwalde, Eitzendorf, Martfeld oder Thedinghausen ins Lager im Geschoss über der Backstube. Dort oben kümmert sich eine Osttiroler Mühle liebevoll um das Bio-Getreide. „Mit guten Ergebnissen“, wie Krämer findet.

Klingt nach einer Entwicklung in Richtung Industrie. Davon will die Bäckerbande allerdings nichts wissen. „Wo es wichtig wird, bleiben wir handwerklich“, stellt Bernd Krämer klar. Kräuter, Äpfel und Karotten werden eigenhändig geschnippelt, jedes Brot wird von Hand abgewogen. „Unsere Stammkunden lieben das Ergebnis.“ Das wird ihnen in Bremen im Viertel, in der Neustadt, in Findorff, Vegesack und in Lesum serviert. Im Umland der Hansestadt stehen Märkte der Steinofenbackstube Hollen in Martfeld, Bruchhausen-Vilsen, Achim, Verden und Nienburg.

Mittlerweile hat die Bäckerbande ihr Angebot deutlich erweitert. Neben 28 Sorten Brot bietet sie auch Pâtisserie-Produkte an. Quiches, Bunte-Beete-Pastete, Sauerkraut-Wickel, Himbeer-Chili-Schiffchen, diverse Sorten Kekse und Käsekuchen. Lutz Reimers kümmert sich um diese Leckereien. Auch hier: alles bio. Ein Standard, der auch für die selbst gemachten Nudeln gilt.

28 Mitarbeiter zählt die Steinofenbackstube mittlerweile, darunter drei Bäckermeister, vier Gesellen und drei Lehrlinge. Die schaffen Produkte auch für den Schlachtezauber in Bremen oder den Brokser Heiratsmarkt. „Irgendwann kam dann ein Angebot von Roncalli“, erinnert sich Bernd Krämer. „Wir haben kurz überlegt, aber das war uns dann zu viel.“

Bernd Krämer, Lutz Reimers, Karl-Jürgen Uhde und Klaus Reicheneder, die Vierer-WG aus Hollen, kommen „wirtschaftlich gut klar“, wie es Krämer ausdrückt. „Wir wollen keinen Stress, bei uns heißt es nicht: immer mehr und immer größer.“ Zudem sind die Herren in Ehren ergraut. „Irgendwann werden wir die Verantwortung abgeben“, sagt Reimers. „Das ist schon ein Thema für die kommenden Jahre.“

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