Schwarmer/Martfelder Kochgruppe Bestimmt war ein Engel da

2016 nahmen unter anderem Anneliese Schaper und Roswitha Nollen Frauen aus Flüchtlingsfamilien unter ihre Fittiche. Es wurde gemeinsam gekocht. Jetzt lud diese Gruppe zum Neujahrsempfang.
17.02.2019, 16:36
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch

Schwarme. „Wir laden für den 15. Februar zum Neujahrsempfang ein“, beschloss eine Gruppe, die seit dem Sommer 2016 in loser Folge in der Küche der Schwarmer Grundschule kocht. Es sind deutsche Frauen und Bürgerinnen aus Syrien, dem Iran, es ist Schwarmer/Martfelder Kochgruppe.

Unablässig wurden noch von Ehemännern Schüsseln und Teller hereingetragen mit Gerichten, die zusätzlich zu Hause zubereitet wurden. Erst einmal als Augenschmaus zu bestaunen: Gefüllte Weinblätter, Hähnchenspieße, Fladenbrot, Kartoffelsuppe, Karottendip, Obstsalat, Eierspeisen, Biryani, ein Reisgericht mit Hühnerfleisch, gewürzt mit gestoßenen Kardamomkapseln, Kurkuma, Ingwer, Rosinen und mehr, Kartoffelsalat, Himbeertraum, zuckersüße Baglava und gefüllte Datteln wetteiferten um die Gunst, dann als Gaumenschmaus auf den Tellern zu landen. An jedem Gericht stand ein kleines Schild in Deutsch und Arabisch.

Eine der Initiatorinnen, Anneliese Schaper, ist gelernte Köchin. Mit Roswitha Nollen als Organisatorin, Fahrerin und Betreuerin der Kleiderkammer, holten sie sich Rat bei den Asendorfer Landfrauen, die das Modell, Neubürgerinnen einzubeziehen, in ihrer Gemeinde schon praktizieren. „Unterstützt und gesponsert wird das Ganze von der Kirchengemeinde Schwarme“, betonte Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg bei seiner Begrüßung. Wie auch die Martfelder Bürgermeisterin Marlies Plate sieht er die positive Entwicklung der Integration und damit zusätzlich zu den Deutschkursen gemachte Fortschritte beim Erlernen der Sprache in solch zwanglosem Miteinander. Zum Dank überreichte Oldenburg jeder Köchin eine Rose.

Klaus-Dieter Kasper, der neue Vorsitzende von „Lebenswege begleiten“, sprach Dankesworte, und Pastorin Meike Müller betonte, dass es beim Kochen und Essen miteinander möglich sei, sich friedlich und mit Respekt auszutauschen. „Wie schön, dass so viele gekommen sind. Setzen Sie sich zusammen und sprechen Sie miteinander“, forderte sie auf. „Mal kochen wir deutsche Gerichte, mal Heimatliches aus der Fremde. Uns schwebt vor, bald einmal die Rezepte aufzuschreiben“, sagte Schaper.

„Wann wird wieder gekocht, fragen die Frauen, wenn es ihnen zu lange dauert. Dann wird ein Termin gemacht an einem Dienstag ab 16 Uhr, und ich fahre vorher zu jeder Einzelnen nach Hause, um sie zu informieren“, erzählte Nollen. „Mal sind wir zehn, mal 15. Wir organisieren eine Betreuung für die Kinder, denn es wird ohne Kinder gekocht. Schon das ist für die Frauen etwas Besonderes.“ Schaper ergänzte: „Wir haben auch schon Kekse gebacken und sind nach Donnerstedt zum Erdbeerpflücken gefahren, um anschließend Marmelade daraus zu machen“, ergänzte Schaper. Eine Familie ist danach tatsächlich noch einmal allein zum Pflücken gefahren.

Eine ehemalige Bewohnerin aus Martfeld wohnt inzwischen mit ihrer Familie in Hameln. Sie war zum Neujahrstreffen extra angereist. „Spezielle Gewürze werden besorgt, es wird besprochen, was gekocht wird“, ist zu erfahren. „Wir sind uns immer weniger fremd, und man bekommt so viel an Dankbarkeit zurück“, berichtete Roswitha Nollen.

Der Strom am Büfett riss nicht ab. Fotos wurden gemacht. Aufgefordert: „Bitte hier probieren. Biryani ist kurdisch. Ist sooo gut.“ „Bei dieser Vielfalt konnte ich nur einen Löffel von allem nehmen“, bedauerte Lieselotte Kunkel von Robberts Huus. Es summte im Raum von Kinderlachen und Gesprächsfetzen. Das Büfett leerte sich zusehends. Pastorin Müller hatte in der Einladung den Hebräerbrief 13,2 erwähnt: „Gastfrei zu sein, vergesst nicht. Denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“

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