Biolandhof Meyer-Toms Bauernmarktflair im Wundergarten

Auf dem Biolandhof von Hermann Meyer-Toms in Schwarme fand am Wochenende die erste Ökomeile statt. Regionale Anbieter sollen sich und ihre Produkte künftig jeden Monat auf dem Hof präsentieren können.
28.03.2021, 13:10
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Von Bärbel Rädisch

Etwas frühlingshafteres Wetter hätte sich das Team um Hofbetreiber Hermann Meyer-Toms an diesem Wochenende für den Start der Ökomeile gewünscht. Denn auf dem Biolandhof am Kiebitzheideweg 6 in Schwarme erwartet Liebhaber von Bauernmärkten nun an jedem letzten Sonnabend im Monat ein breites Produktangebot kombiniert mit Kunsthandwerk, Informationsständen, Ausstellungen, Musik und Aktionen. Ziel ist es laut Meyer-Toms, die Menschen von 11 bis 15 Uhr entspannt einkaufen sowie hinter die Kulissen der Biolandwirtschaft blicken zu lassen und Fragen zur Produktion sowie Verwertung zu beantworten.

Zum Auftakt war unter anderem die Imkerei Büttelmann aus Vorwerk mit ihrem Honig dabei. Vom Biolandhof Böse-Hartje, Thedinghausen, gab es bei der Ökomeile Käse. Aus dem eigenen Anbau bei Meyer-Toms lockten Kartoffeln, kistenweise Gemüsesetzlinge, Salatpflanzen und ein breites Kräutersortiment, um sich in die erste Bepflanzung des heimischen Gartens zu stürzen. Spezialitäten des Hofs sind außerdem Kürbis, Zucchini und für norddeutsche Verhältnisse gezüchtete Tomaten. Saskia Schmitt besuchte die Ökomeile mit Mann und Kindern, um wie üblich im Hofladen einzukaufen: „Wir wohnen in Blender, aber mir ist der Weg nicht zu weit, weil ich hier für mein veganes und vegetarisches Kochen Obst, Gemüse und Lebensmittel von bester Qualität bekomme."

In einem der 40 mal acht Meter großen Folien-Gewächshäuser, das ab sofort den Namen „Hortus Murantus“ (zu deutsch: Wundergarten) trägt, saß Katharina Frambach aus Dörverden inmitten ihrer selbst gesponnenen und mit Pflanzen gefärbten Strick- und Häkelwolle von Schafen und Schnucken. „Selbst wenn Schafwolle nass ist, wärmt sie noch immer. Es gibt kein anderes Material mit diesem Vorteil“, sagte sie zu den Vorzügen. Sie gibt außerdem Spinnunterricht und verleiht Spinnräder, wenn Interesse besteht. Neben ihr bot Corinna Möller aus Kirchlinteln Töpferwaren an. Geschirr, Figuren, ausgefallene Knöpfe sind Teil ihres Sortiments. Sie veranstaltet darüber hinaus Kurse. Coronabedingt fand ein geplanter Flohmarkt im Wundergarten noch nicht statt. Sobald wie möglich sollen auch Lesungen und musikalische Darbietungen das Programm bereichern. „Die Akustik ist im 'Hortus Murantus' sehr gut“, schwärmt Hermann Meyer-Toms.

Eine kleine Lektion über die Lebensbedingungen von Legehennen gab es ebenfalls. So zum Beispiel, welche Bedeutung hinter den Stempeln auf Eiern steckt. So besagt die Ziffer 0, es handelt sich um das Ei eines Biohuhns. Folgt 03, lebt dieses Huhn in Niedersachsen in einem Stall mit 2999 anderen, wobei es sich mit fünf Hennen einen Quadratmeter auf Stroh, Holzspänen oder Sand teilt. Auf der Sitzstange muss es 18 Zentimeter Platz haben. Es frisst ökologisch produziertes Futter, bekommt im Krankheitsfall Naturheilmittel. Auslauf im Freien ist ebenfalls gegeben. Handelt es sich dagegen um Tiere in Bodenhaltung, Ziffer 2, leben die Hennen nur im Stall, oft auf mehreren Etagen übereinander, sehen kein Tageslicht und kommen nicht an die frische Luft.

Seit Jahrhunderten ist der Hof in Familienhand. Hermann Meyer-Toms kann auf eine Ahnenreihe bis zum 30-jährigen Krieg zurückblicken. „Da beschloss ein Pastor, der von den Schrecken des Krieges wohl genug hatte, Bauer zu werden und kaufte das Anwesen. Vielleicht kriegte er es für'n Appel und 'n Ei nach all dem Elend“, mutmaßt der Hausherr. Noch auf konventionelle Art betrieb Hermann Meyer-Toms Vater auf dem 45 Hektar großen Hof die Landwirtschaft. „Ich bin dann auf Biolandbau umgestiegen, wohlwollend von meinem Vater begleitet“, sagt Hermann Meyer-Toms. Das Prinzip der biologischen Landwirtschaft ist die Kreislaufwirtschaft. Gedüngt wird mit Kompost, Mist, Pflanzenresten. Die Gründüngung findet mit Leguminosen, also Hülsenfrüchten, statt. Die Knöllchenbakterien der Hülsenfrüchte reichern den Boden mit Stickstoff an. Vielfältige Fruchtfolge, der Anbau passender Sorten, kein Gen-Saatgut, die Förderung von Nützlingen, dienen der Schonung der Umwelt.

Sabine Krzikalla arbeitet im Büro sowie Hofladen und gestaltet den Internetauftritt. Sie kümmert sich außerdem um die Social-Media-Accounts des Hofs. Gemeinsam mit ihr und der Ökotrophologin Insa Lehmann tüftelte Hermann Meyer-Toms in den vergangenen Monaten an der Idee für die Ökomeile. Ökotrophologie umfasst unter anderem Ernährungswissenschaft, Gesundheitslehre, Sozialpolitik, Ökonomie, Verbrauchslehre. Insa Lehmann möchte in einem Projekt Kindern Pflanzen näher bringen, ihnen zeigen, wie sie wachsen und was sich aus einem Samenkorn entwickelt. Auch hat sie die Idee, Jungen und Mädchen mittels eines Einkaufstrainings für die Güte von Nahrungsmitteln zu sensibilisieren.

Gemeinsam wollen die beiden jungen Frauen die bestehende Streuobstwiese erweitern. Als „Rasenmäher“ werden demnächst einige Bentheimer Landschafe von Schäfer Kay Trinler aus Martfeld das Gras kurz halten. Darüber hinaus hat Sabine Krzikalla den Kontakt zu einem Anbieter, der auf Höfen für einige Tage Urlaub im eigenen Wohnwagen oder -mobil vermittelt, aufgenommen: „Dafür stellen wir hier eine große Wiese zur Verfügung. Gäste, die sich autark verpflegen, können dann als Alleingast zwei, drei Tage Urlaub machen. Für Familien mit Kindern ist das sicherlich auch interessant, einmal zu sehen, wie es sich auf einem Hof lebt." Die Hoffnung, bald die Corona-Einschränkungen vergessen zu können, beflügele das Biohof-Team, kreativ zu sein.

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