Familie Schmiedeknecht Ein Name, der verbindet

Vier Frauen aus den USA besuchen die alte Heimat ihres Ahnen Johann Philipp Schmiedeknecht in Schwarme. Dieser war im 19. Jahrhundert nach Michigan ausgewandert. Das Land veränderte sich, der Name blieb.
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Ein Name, der verbindet
Von Tobias Denne

Schwarme. Aus heiterem Himmel meldete sich Donna Schmiedeknecht bei ihm. Im Frühjahr dieses Jahres war das. „Sie sagte, dass sie einen Flug für Oktober nach Deutschland gebucht hatte“, erinnert sich Ingo Schmiedeknecht. Doch von ihr hatte er noch nie gehört. Das Einzige, was die beiden Menschen verband, war derselbe Nachname. Nun, Monate später und nach mehr als 6000 Kilometern Reise, stehen die vier Frauen vor der Kirche in Schwarme. Sie holen ihre Handys heraus und machen Erinnerungsfotos – von ihrem Abstecher in den Ort, den ihr Vorfahr vor Jahrhunderten verließ. Dabei stand der Landkreis Diepholz für die Frauen zunächst gar nicht auf dem Plan, denn eigentlich wollten sie sich Köln, Stuttgart, Prag und Pommern anschauen. „Wir wollten in die Städte unserer Vorfahren mütterlicherseits reisen“, nennt Donna Schmiedeknecht den Grund für den zweiwöchigen Trip durch Europa.

Dass sich eine Frau aus den USA plötzlich bei ihm meldete, kam für den Mann aus Essen überraschend. Denn eigentlich dachten Ingo Schmiedeknecht und seine Frau Heidi, dass sie den Bezug nach Übersee verloren hätten. Der erste Kontakt entstand, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Sohn Torben wollte mehr über die Verbreitung seines Nachnamens wissen und durchforstete das noch junge Internet nach anderen Schmiedeknechts. „Wir haben einen Stammbaum für unsere Familie angefertigt, daher kam das Interesse“, weiß der Essener. Der Jugendliche wurde in Muskegon im Bundesstaat Michigan fündig. Dort lebte ein gewisser Dave Schmiedeknecht. „Über ihn bekamen wir heraus, dass es eine Verbindung nach Martfeld und Schwarme gab“, sagt Ingo Schmiedeknecht, der sich daraufhin eine Kopie des Geburtsregisters zuschicken ließ. In Schwarme wurde Urahn Johann geboren, im Jahr 1869 wanderte sein Sohn, der in Martfeld geborene Urahn Johann Philipp, mit seiner Frau Mette nach Chicago aus und ließ sich letztlich in Michigan nieder. Nach dem Tod seiner ersten Frau, mit der er acht Kinder hatte, heiratete er in Übersee erneut – wieder eine Martfelderin. Mit ihr zeugte er wieder acht Kinder. Das Land veränderte sich für den gebürtigen Martfelder, der Name blieb – bis heute. Dave Schmiedeknecht starb jedoch und mit ihm der Kontakt nach Nordamerika.

Die Nachkommen der Auswanderer stehen nun vor der Schwarmer Kirche. Donna Schmiedeknecht, ihre Schwester Nancy Soto, Cousine Christine Schiller und Nichte Serena Soto wollten die alte Heimat ihres Urahnen mit eigenen Augen sehen. „Die kleinen Orte gefallen uns gut. Wir stammen ja von einem Bauernhof“, erzählt Donna. Von dem Hof, den Vorfahr Johann Philipp aufbaute. Sie fügt hinzu: „Ich habe mich schon immer für die Familiengeschichte interessiert.“ Das war auch der Grund, weswegen sich Donna bei dem Essener gemeldet hatte. „Von der Familie unserer Mutter haben wir ein umfangreiches Buch“, erzählt die 65-Jährige. Darin könne man die Familiengeschichte detailliert verfolgen. Daher führt die Reise auch weiter nach Tschechien und Pommern, von dort stammen die Vorfahren mütterlicherseits.

Doch für die Seite des Vaters gibt es so etwas nicht. Sie suchte auf verschiedenen Internetseiten nach ersten Anhaltspunkten. Bei der Suche nach Informationen stieß sie dann auf die alte Verbindung zwischen Torben, Ingo und Dave Schmiedeknecht. „Ingo hat uns sehr viel geholfen. Das war der Wahnsinn. Es waren wirklich viele Informationen“, freut sich Donna über die Unterstützung des Esseners. Dieser fand über Henns Harries, den Vorsitzenden der Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya, heraus, dass für die Verbreitung des Namens in Martfeld und Schwarme der Soldat Andreas Schmiedeknecht verantwortlich war. „Er war ein ganz schöner Schwerenöter“, sagt Ingo Schmiedeknecht und lacht. Denn eigentlich sei der Soldat in Hoya verheiratet gewesen. Die Schwarmer Familie „war nicht ganz so offiziell“, erklärt der Essener weiter. Harries vermutet derweil, dass Andreas beim Russlandfeldzug Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts starb. Dort endet der Stammbaum. Weiter zurück reicht dieser nicht. „Es ist alles so interessant“, findet die 65-jährige Donna.

Für die vier Frauen geht es weiter an den Rhein. Für zwei Nächte bleiben sie in Köln, bevor es dann weiter nach Stuttgart geht. Mit Prag und Pommern endet ihre Suche nach den Spuren ihrer Vorfahren. Mit viel neuem Wissen über die alte Heimat, in der ihre Ahnen lebten, setzen sich die vier Frauen zurück in das Flugzeug. Damit soll aber der Kontakt nicht abbrechen und die Reise in die Vergangenheit auch nicht. Doch es hat sich schon für Donna Schmiedeknecht gelohnt: „Hierher zu kommen, war einfach wunderbar.“

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