Lesung mit Horst Friedrichs

Ein schreibsüchtiger Gast

Er verfasste während seiner Karriere als Autor 700 Romane: Horst Friedrichs, einer der Autoren hinter der „Jerry-Cotton-Reihe“. Am Wochenende kam er ins Robberts Huus in Schwarme.
10.02.2019, 16:55
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Von Bärbel Rädisch
Ein schreibsüchtiger Gast

Verfasste während seiner Karriere als Autor 700 Romane: Horst Friedrichs, hier zu sehen im Robberts Huus in Schwarme.

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Schwarme. Horst Friedrichs aus Hoya, einer der circa hundert Autoren der Jerry-Cotton-Reihe war am Freitag Gast in Robberts Huus in Schwarme. Geboren ist er in Hamburg, 1946 zog die Familie in den Heimatort des Vaters nach Martfeld. Das Publikum erfuhr, worin die Arbeit eines Auftragsschreibers für Heftromane besteht – neben dem Spaß am Fabulieren aus Termindruck, Zeilenvorgaben und nervigen Lektoren.

„Wichtig ist: Wer einen Krimi in New York ansiedelt, muss sich informieren über die Stadt, Verkehrstechnisches, die Bevölkerung, Wissen über die Rechtsprechung haben und die Strukturen des FBI kennen. Und mit Action von Anfang an soll der Leser sofort ins Geschehen katapultiert werden“, erzählte er. Nur ein Dutzend Zuhörer erlebte einen äußerst interessanten Abend mit Texten aus dem unglaublich breiten Spektrum, das der Hoyaer veröffentlichte. „Man kann Sie mit 700 verfassten Romanen schon einen Schreibsüchtigen nennen, fleißiger als Goethe, aber nicht so produktiv wie Karl Marx“, sagte Hausherr Hermann Schröder frotzelnd. Friedrichs, gelernter Export-Kaufmann, wechselte nach der Bundeswehr ins Zeitungsfach. „Schon in der Grundschule konnte ich in Aufsätzen mit meinem Schreibstil begeistern“, sagte er. 1967 las er dann die Anzeige des Bastei-Verlags: „Wann schreiben Sie ihren ersten Cotton-Roman? Es lohnt sich. Sie brauchen nur schreiben zu können, und zwar spannende Kriminalromane.“ Da verdiente der damals 24-Jährige sein Geld bei den Bremer Nachrichten. Ein Zubrot sollte her. Wenige Monate später kam mit „Der Boss schickt den Curare-Killer“ sein erstes Jerry-Cotton-Heft heraus. Als Reporter, auch bei Gericht, Redakteur und Redaktionsleiter der Kreiszeitung arbeitete er dann für verschiedene Tageszeitungen. 1987 entschied er sich, hauptberuflich zu schreiben. Als dienstältester Verfasser von über 300 Jerry-Cotton-Romanen, dazu Taschenbüchern, verabschiedete er sich 2018 mit zwei Episoden der limitierten Sonderedition „New York darf nicht sterben“, und beorderte Cotton zurück von seinem zeitweiligen Posten in Washington nach New York.

Geistiger Vater der Figur war Delfried Kaufmann, Mitarbeiter beim Waschmittel-Konzern Henkel. 1954 schuf der einen gewissen Jeremias Baumwolle als New Yorker FBI-Agenten. Die Aussage, er hätte die amerikanischen Hardboiled-Krimis persiflieren wollen, wies er später in einem Interview zurück. Weltweit ist die Serie bekannt und übersetzt, nur nicht in den USA. Anfangs schrieb Horst Friedrichs, ohne je in New York gewesen zu sein mithilfe von Stadtplänen. „Ich hielt mich zuerst an den Rat in der Unterhaltungsliteratur: Wenn du über eine Stadt schreibst, fahr niemals hin. Man neigt dann dazu, sie in einer Art Reiseführer wiederzugeben." Den ersten Flug über den großen Teich, dem viele folgten, startete er dann 1973 mit einer Gruppe, zu der auch Peter Schmidt-Bormann aus Vilsen gehörte. Die beiden besuchten das Hauptquartier des FBI in Washington und fuhren von 16 bis 24 Uhr mit zwei Cops in Manhattan Streife. „Damals ging das. Wir mussten nur unterschreiben, keine Regress-Ansprüche zu stellen, falls etwas passiert, waren aber bei allen Einsätzen dabei. Verdächtige sollten in einer Wohnung gestellt werden. Der Rat der Cops: Nicht frontal vor die Tür stellen." In New York würden Gangster zuerst durch diese schießen. "Die Gesuchten entkamen über die Feuerleiter. Am Ende entschuldigten sich die Beamten, dass keine Kugeln geflogen waren“, sagte er.

Kaum zu glauben ist, dass er auch noch neun Bücher zur Serie „Liebling Kreuzberg“ schrieb, nachdem der Autor Jurek Becker gestorben war. Er übersetzte aus dem Amerikanischen die Romane „Kojak“, „Wild Palms“ und „The Mexican“, verfasste Pilot-Romane der Jugendbuchreihe „fd21“. Zudem schrieb er über Jahre weitere Serien im Westernmilieu und die „Seewölfe“ und als Ken Roycraft (der Mädchenname seiner irischen Frau Helene) die Filmbücher zu „Jurassic Parc“ und „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Im Jugendbuch „Effi“ war die Vorgabe des Auftraggebers: „Es muss ein Pastor und ein Pferd vorkommen.“ Ein Leichtes für Friedrichs. Seine Krimis „Hüttenzauber“ und „Opferwissen“, hat er im hiesigen Umfeld angesiedelt.

Seit drei Jahren ist er übrigens wieder als freier Journalist unterwegs. Und wäre das nicht schon genug für ein Leben: In der Nienburger Band „Happy Jazz Paraders“ spielt Horst Friedrichs Posaune.

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