Robberts Huus

Mit abgrundtiefer Stimme

Sie erinnerte an Zarah Leander, Hildegard Knef und Alexandra: Gabriele Banko sang mit tiefer Stimme in Robberst Huus in Schwarme.
11.11.2018, 18:12
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch

Schwarme. „Nicht nur Schwarmer begrüße ich heute Abend, auch aus Bremen, Twistringen, Groß Ippener sind Sie gekommen, um Sängerin Gabriele Banko zu hören, von Johannes Grundhoff am Klavier begleitet“, konstatierte Hermann Schröder vom Schwarmer Kulturverein Eule. Die Fans der Sängerin und Liebhaber von Schlagern und Chansons aus der Zeit Zarah Leanders, Lale Andersens, Dalidas, Hildegard Knefs bis zu Alexandra konnten am Sonnabendabend in Robberts Huus in Erinnerungen schwelgen.

Johannes Grundhoff, auch Pianist beim Bremer Salon-Orchester, warf die Frackschöße elegant nach hinten, setzte sich ans E-Piano und intonierte: „Eins und Eins das macht Zwei“. Gabriele Banko plauderte erst einmal über ihre gesanglichen Anfänge als Kind. Der Großmutter missfiel die tiefe Stimme der Enkelin, und der Vater hätte statt melodramatischer Lieder lieber etwas von Heino von der Tochter gehört. Die ließ sich nicht beirren und studierte später Gesang an der Frankfurter Musikhochschule.

Die Stimmlage Alt prädestiniert die Banko, Hildegard Knefs „Aber schön war es doch“ oder das vielleicht nicht ganz so bekannte Lied Alexandras „Am großen Strom“ und „Wenn die Fischer von Langeoog fahr'n hinaus in die See“, das Lale Andersen einst sang, vorzutragen. Sie kopiert diese Sängerinnen aber nicht, setzte immer mal eigene Textvariationen dazu, auch mit grimassierendem Minenspiel gespickt, wie in Zarah Leanders „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“. Hier hieß es: „Wird erst schön durchs Rasieren oder durch Tütensuppe, um die Figur einer Barbiepuppe zu erreichen".

Im Tempo etwas weniger getragen als bei Alexandra erklang „Mein Freund der Baum“. Mit Einschüben am Piano und Robert-Gernhardt-Gedichten verhalf Grundhoff der Diseuse zwischendurch zu kleinen Atempausen. Lieselotte Kunkel, die gute Seele in Robberts Huus, die für das Catering und die Beköstigung der Künstler am Ende des Abends zuständig ist, sinnierte im Hinblick auf die Schlager der alten Zeit: „Man könnte doch im nächsten Jahr in solch einem Zusammenhang einmal eine Modenschau in Robberts Huus präsentieren.“ Und sie schwärmte von einem blauen Seidenkleid, ihr auf den Leib geschneidert, zu dem sie sich die Schuhe vom örtlichen Schuster mit demselben Seidenstoff hatte beziehen lassen. „Da gibt es bestimmt mehr Damen, die noch über alte Schätze verfügen.“

Nach der Pause legte Gabriele Banko auf Wunsch des Publikums das Mikrofon zur Seite, und ihre Stimme trug auch ohne die Technik. Beim Tapetenwechsel der Birke war als Gimmick zu hören, die wanderfreudige Birke dachte dann als Kommode wehmütig an die schöne Zeit am alten Standort. Waldemar aus einem Leander-Song wurde von Banko augenzwinkernd ein Oskar, der Geflügelzüchter war, an die Seite gestellt. „Am Mittwochabend um dreiviertel acht, da hast du mich wortlos zum Flugplatz gebracht“ aus: „Ich wollte dich vergessen“ erklang hingegen wortgetreu und voller Leidenschaft – wie die Knef es sang.

Die Affäre, die Dalida in „Er war grad 18 Jahr" beschrieb, die zur Erkenntnis führt, als dreimal ältere Frau nur kurzzeitig Gespielin gewesen zu sein, ließ Gabriele Banko gestehen: „Ich bin noch vier Jahre älter.“ Schlank und rank im „Kleinen Schwarzen“ mit hochhackigen Sandaletten, stimmlich voll auf der Höhe, zeigte sie, dem Älterwerden ein Schnippchen geschlagen zu haben. Ohne Weiteres glaubte man auch ihr: „Ich hab im Leben nichts bereut“, ein Margot-Werner-Song. Komödiantisch trug sie in rasantem Tempo die Geschichte von der Entstehung des Filets Stroganoff vor – Text von Friedrich Hollaender – ehe sie zum Schluss bat: „Ach, lege deine Wange noch mal an meine Wange“.

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