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Schwarmer Mut

Der Profi gewinnt erneut den Großen Preis der Gemeinde Schwarme. Das Turnier unter Auflagen läuft anders ab als gewohnt. Zufrieden sind die Gastgeber dennoch.
08.09.2020, 16:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Schwarmer Mut

Lokalmatador Günther Friemel wurde auf Catlana Dritter beim Großen Preis der Gemeinde Schwarme.

Thorin Mentrup

Schwarme. Am Ende waren sie alle froh, dass sie es durchgezogen hatten. Dass sie ihr Turnier nicht abgesagt, sondern verschoben hatten. Auch wenn es anders war als gewohnt. „Trotzdem war es ein Erfolg“, fand Horst Apmann, der 1. Vorsitzende des Reit- und Rennvereins Schwarme, nach dem dreitägigen Turnier seines Vereins.

Die Schwarmer hatten durchaus Mut bewiesen. Viele Reitvereine auf dem Land hatten komplett auf ihre Turniere verzichtet. Der RRV aber wollte das nicht. Das nötigte auch Johann-Dieter Oldenburg Respekt ab. „Als der Verein sein Turnier damals verschoben hat, war es richtig. Aber es war auch richtig, es jetzt nachzuholen. Ich glaube, dass der RRV alles getan hat, um daraus eine gelungene Veranstaltung zu machen“, sagte er.

Dabei spürte auch er selbst, dass nicht alles so war, wie es die Schwarmer während ihrer Traditionsveranstaltung zuvor gewohnt waren. „Normalerweise ist das ein richtiges Volksfest, das Highlight des Jahres. Dann sind alle Schwarmer da, aber auch viele Nachbarvereine“, erklärte Apmann. So groß wie in den vergangenen Jahren war die Resonanz nicht, auch das zehn mal zwanzig Meter große Zelt fehlte, genau wie die Gastronomie aus dem RRV-Lager. Die Bewirtung hatte der Verein komplett in die Hände von Profis gegeben. „Die Auflagen hätten sich ja jederzeit noch ändern können“, verriet Pressewartin Kendra Peters, dass es einige Unwägbarkeiten für die Veranstaltung gab. „Jederzeit hätte sich etwas ändern können. Wenn dann wie am Sonnabend vor einer Woche noch einmal über die Regelungen gesprochen wird, dann zittert man schon“, ergänzte Apmann.

Der Profi dominiert

Dennoch pilgerten einige Reitsportfans auf die Anlage. Gegen einen Pfand von zehn Euro erhielten sie am Einlass einen Plastikstuhl, den es ab einer Zahl von 50 Gästen bedarf. Die Zuschauer sahen guten Reitsport. Die Plätze in den mehr als 20 Prüfungen waren ruckzuck vergriffen. Auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie. „Normalerweise hat man bei Springprüfungen bis einen Tag vor Nennschluss Zeit. Jetzt sind die Plätze innerhalb weniger Stunden vergriffen“, machte Peters deutlich, wie groß der Ansturm war. Das liege daran, dass es wegen der Pandemie deutlich weniger Turniere gebe. Besonders Amateure mussten sich lange Zeit gedulden, um wieder bei Veranstaltungen im Sattel sitzen zu können. Berufsreiter durften früher wieder ran. „Wir wollten dieses Gefühl auch unseren Reitern wieder ermöglichen“, verriet Apmann, der selbst als Trainer aktiv ist. Einen Corona-Aufschlag mussten die Starterinnen und Starter auch in Schwarme zahlen, aber der fiel human aus. Andere Veranstalter nähmen einen höheren Zuschlag, berichtete Peters. Ausnutzen wolle man die schwierige Situation der Sportler aber nicht. Auf der anderen Seite mache es aber auch keinen Sinn, für die eigenen Veranstaltung draufzuzahlen.

Es habe gutgetan, wieder Reitsport zu sehen, fand Apmann. Und das, was die Reiterinnen und Reiter boten, wirkte alles andere als eingerostet. In den beiden höchsten Springprüfungen, einmal der Klasse M* sowie einmal der Klasse M* mit Stechen, hatte ein Profi die Nase vorn. Oliver Ross sicherte sich beide Male den Sieg auf der achtjährigen Zweibrücker Stute Quinta de Lago. Auch wenn Ross für den RV Aller-Weser startet, war es dennoch so etwas wie ein Heimsieg: „Ich wohne nur knapp zwei Kilometer weg von hier und bin auch Mitglied im Verein“, verriet der Sieger, der sich im Stechen den Sieg im Großen Preis der Gemeinde Schwarme sicherte.

Das Beste kommt zum Schluss

Nachdem im ersten Umlauf gleich sieben Reiterinnen und Reiter fehlerfrei geblieben waren, schien der Titel im Stechen bereits vergeben zu sein. Hedda Roggenbuck ging gleich im ersten Ritt volles Risiko, legte mit ihrer Hannoveraner Stute Asti eine blitzsaubere Leistung hin und bewältigte den Parcours in 44.13 Sekunden. Das war ein echtes Brett, an dem sich die anderen Starter die Zähne ausbissen. Auch Lokalmatador Günther Friemel auf seiner Holsteiner Stute Catlana, für die die Uhr nach 44.32 Sekunden stoppte. Es bahnte sich eine Wimpernschlag-Entscheidung an. Bis Ross als letzter Starter in den Sattel stieg. War er nach dem ersten Umlauf noch Vierter gewesen, „wollte ich jetzt einfach nur gewinnen“.

Das Vertrauen hatten sich Ross und Quinta de Lago tags zuvor bei der Springprüfung der Klasse M* geholt, als sie mit einem fehlerfreien Ritt Bettina Bemmann (RV Aller-Weser) auf Lux um fast drei Sekunden distanzierten. „Das war sehr positiv, es hat mich sogar ein bisschen überrascht. Aber ich wusste, dass wir schnell sind.“ Und das zeigte sich dann auch beim Finale des Turniers: Mit 43.41 Sekunden unterbot das Duo Roggenbucks Bestzeit noch einmal deutlich. Bereits im Vorjahr hatte sich Ross den Sieg im Großen Preis der Gemeinde Schwarme gesichert. Allerdings fand dieses Mal keine große Siegerehrung statt. „Hoffentlich dann im nächsten Jahr wieder“, blickte Apmann bereits voraus. Dann soll das RRV-Turnier wieder ein Glanzlicht werden.

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