Gemeinderat hat entschieden Schlachthof in Schwarme soll kommen

Der Gemeinderat Schwarme hat am Montagabend über die Planung eines tierwohlorientierten Schlachthofs entschieden. Die Mehrheit hat dafür gestimmt, der Gruppe die benötigte Fläche zur Verfügung zu stellen.
20.07.2021, 15:56
Lesedauer: 4 Min
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Schlachthof in Schwarme soll kommen
Von Antonia Blome

Schwarme. Der mögliche Bau eines tierwohlorientierten Schlachthofs im Schwarmer Gewerbegebiet „Rennbahn“ hat hohe Wellen geschlagen. Bereits im Mai stellte der Gründungsbeauftragte Wolfgang Golasowski dem Gemeinderat den Plan des Bioland-Hof Böse-Hartje in Thedinghausen vor. Bei der Ratssitzung am Montagabend wurde schließlich eine Entscheidung gefällt: Die Mehrheit der Ratsmitglieder sprach sich dafür aus, den Initiatoren die benötigte Fläche zur Verfügung zu stellen.

Dieser Beschlussfassung gingen allerdings viele, mitunter emotionale Diskussionen voraus. Vorerst riefen Wolfgang Golasowski und Landwirtin Elisabeth Böse den Teilnehmern das Konzept des Vorhabens in Erinnerung. Ziel des Hofs sei vor allem, Tieren weite Transportwege zu ersparen. Wenn möglich, sollen diese außerdem nicht mehr lebend befördert, sondern auf der Weide oder dem Hof getötet werden. Weitere wichtige Aspekte sind laut Elisabeth Böse transparente Prozesse, die Unterstützung der Kälberaufzucht und gerechte Arbeitsbedingungen. "Bisher gibt es kein Beispiel für solch einen Schlachthof in Norddeutschland", betonte Golasowski.

Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann warf die Frage in den Raum, weshalb die Gruppe sein Angebot eines alternativen Standorts ausgeschlagen hatte. Grund dafür ist laut Wolfgang Golasowski, dass das Förderprogramm des Landes Niedersachsen Ende des Jahres 2022 ausläuft. Da für das vorgeschlagene Gebiet noch ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss, dauere der Prozess zu lange. "Wir würden eine Alternative gerne nutzen, allerdings gibt es in der Umgebung sonst keine Gewerbegebiete mit Baurecht", sagte Golasowski.

Hermann Schröder, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft Schwarme (UWG), äußerte sich differenziert zu dem Vorhaben: Den Antrag empfinde seine Fraktion als richtig und habe diesem vorerst positiv gegenübergestanden. "Bei der Frage, ob dieser Schlachthof in unser Gewerbegebiet passt, scheiden sich allerdings die Geister", sagte er. Schließlich gibt es dort laut dem Ratsmitglied bereits Betriebe sowie einige, die Interesse an den Flächen haben. Einige potenzielle Bewerber würden das Gewerbegebiet als Standort sogar ausschließen, sollte der Schlachthof dort gebaut werden. Damit befinde sich die Fraktion in einer Zwickmühle. Es handele sich auf Landesebene um ein Vorzeigeprojekt und es sei wichtig, Tierleid zu verhindern. "Unter den aktuellen Voraussetzungen kann dieses Vorhaben aber nicht in Schwarme stattfinden", schloss Schröder.

Die SPD-Fraktion ist hingegen laut dem Fraktionsvorsitzenden Georg Pilz für den Bau des Schlachthofs in Schwarme. Er lobte das Konzept für seine Transparenz und betonte, dass dadurch Ausbildungsplätze geschaffen würden. Parteikollege Timo Wunram stimmte dem zu: "Gerade in Schwarme müssen wir vortreten, es anders machen und zeigen, dass es besser geht." Er entscheidet sich, wie er sagt, lieber für so einen Betrieb als für die große Industrie.

Im September 2020 war Bernd Bormann eigenen Angaben nach "Feuer und Flamme" für dieses Projekt. In den vergangenen Monaten habe sich allerdings einiges getan. "Ich werbe dafür, es nicht zu machen", appellierte er. An der Gewerbesteuer werde die Gemeinde nicht verdienen, da der Betrieb nicht auf Gewinn ausgelegt ist. "Wir wiegen vor allem die Risiken ab und ich bin nicht bereit, wegen einer Deadline des Landes Niedersachsen den schwarzen Peter zu ziehen", betonte der Samtgemeindebürgermeister. Eine bessere Lösung sei, die Verwaltung damit zu beauftragen, einen anderen Standort zu suchen.

Diesem Ansatz trat Frauke Koopmann (SPD) entgegen und sprach sich vehement dafür aus, noch in diesem Gemeinderat über das Vorhaben zu entscheiden. Dem stimmte auch Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg zu. "Ich möchte das nicht in den nächsten Gemeinderat schieben und ich finde es nicht in Ordnung, jetzt nach einem anderen Gebiet zu suchen", sagte er. "Ich bin dafür, dass wir dieses Projekt verfolgen."

Der Antrag der UWG, die Fläche nicht zur Verfügung zu stellen und stattdessen nach einem anderen Gebiet zu suchen, wurde mit sieben von zwölf Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde dagegen der Antrag der SPD-Fraktion, die Ansiedlung des Schlachthofs im Gewerbegebiet zu bewilligen und der Gruppe ein positives Signal zu geben, mit sieben von zwölf Stimmen. Laut Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg soll es demnächst eine Veranstaltung für Bürger geben, um diese über das Vorhaben zu informieren.

Zur Sache

Eine Chatgruppe für Schwarme

Für die sogenannte Dorfapp der Gemeinde Schwarme ist eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet worden. Ziel soll es sein, die Ratsentscheidungen vor allem für junge Menschen öffentlich zu machen. Den Anfang macht eine stille Whatsapp-Gruppe mit bis zu 254 Mitgliedern. Der Vorschlag wurde im Schwarmer Rat einstimmig angenommen. "So entstehen keine Kosten für die Gemeinde", informierte Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg.

Ganz so still soll es vonseiten der Bevölkerung aber nicht sein: Die Gruppe soll nicht nur zur Information der Bürger dienen, diese sollen sich auch melden können, wenn ihnen etwas in Schwarme auffällt. Um mögliche Missstände werde sich dann der Gemeinderat kümmern. Bürger, die in die Gruppe aufgenommen werden möchten, können sich an die Ratsmitglieder wenden. Nach einem halben Jahr werde der Nutzen dieser Chatgruppe evaluiert. "Dann sehen wir, ob wir sie weiterführen oder sogar erweitern", sagte Oldenburg. anb

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