Weil Schwimmmeister fehlen

Freibad Schwarme bleibt vorerst geschlossen

Das Wetter stimmt. Das Schwarmer Freibad ist auch bereit zu öffnen. Trotzdem bleibt es - Stand jetzt - geschlossen. Der Grund: Es mangelt an Schwimmmeistern.
23.06.2020, 17:19
Lesedauer: 3 Min
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Freibad Schwarme bleibt vorerst geschlossen
Von Micha Bustian
Freibad Schwarme bleibt vorerst geschlossen

Im Freibad Schwarme muss die Tür im Sommer vielleicht geschlossen bleiben. Es fehlen Schwimmmeister.

Fotos: Michael Braunschädel

Es ist laut im Freibad Schwarme. Nur sind es keine vor Wonne quiekenden Kinderstimmen, die aus dem Eingangstor herausschallen. Es klingt nach Handwerk. Direkt neben dem Sportplatz werden Kacheln auf Maß gesägt. Die Wandfliesen des Beckens werden zurzeit erneuert. „Das war lange fällig“, sagt Hausmeister Raphael Gevers, „aber wir hatten nie die Zeit dafür.“ Jetzt ist Zeit. Und Stand heute sogar sehr viel Zeit. Denn das Schwarmer Freibad wird, wenn sich nicht noch Grundlegendes ändert, in diesem Sommer wahrscheinlich nicht öffnen.

Was nicht an den Bauarbeiten liegt. Eine neue Heizung wurde eingebaut, dazu kommt ein hochmodernes Blockheizkraftwerk, dass für eine stetige Wassertemperatur von 24 Grad sorgen soll. Weil das BHKW nicht mehr in den Keller passt, wird dafür eigens ein kleine Unterstand gebaut. All diesen Arbeiten zum Trotz sagt Raphael Gevers: „Wir könnten das Becken in dieser Woche fluten.“ Könnten. Nur wird das wohl nichts.

Aber warum? Weil aufgrund des hohen Kontrollbedarfs der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen wegen des Corona-Virus zurzeit drei Schwimmmeister pro Bad notwendig sind. Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen beschäftigt vier Schwimmmeister. Drei davon sind bereits im Wiehe-Bad aktiv. Bleibt nur noch einer für das Schwarmer Freibad. Zu wenig. „Wir suchen nach Fachangestellten für Bäderbetriebe“, erklärt Nils Igwerks von der Samtgemeindeverwaltung. Und das schon länger. „Wir haben auch schon mit Kommunen gesprochen, die ihre Freibäder nicht öffnen wollen.“ Ergebnis? Negativ! Bei Kurzarbeitern aus anderen Bädern wurde angefragt. Auch ohne Glück. „Schwimmmeister wachsen nicht auf Bäumen“, hat Igwerks bemerkt. Also liegt der Fokus jetzt auf Rettungsschwimmern, die aushelfen könnten für die Zeit vom 10. Juli bis zum 10. September. „Wir hoffen, dass unsere Aushänge Wirkung zeigen. Oder die Werbung auf Facebook und auf unserer Internetseite.“ Sonst muss das Schwarmer Freibad geschlossen bleiben.

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Was es nicht müsste. „Wir sind vorbereitet, es kann losgehen“, stellt Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg fest. 75 Menschen dürften zeitgleich hinein, zehn Umkleidekabinen stünden zur Verfügung. Am Eingang würde ein Einbahnstraßensystem dafür sorgen, dass sich Hineinströmende und Herausgehende nicht in die Quere kommen. Auch im Becken ginge es nur im Kreis. „Wir übernehmen das Konzept vom Wiehe-Bad in Bruchhausen-Vilsen. Nur mit anderen Besucherzahlen.“

Heißt: Kein Sprungturm, keine Rutsche, kein Planschbecken, keine Kickertische, keine Duschen – kein Planschen, kein Toben, nur Schwimmen. Doch selbst dieses Minimalprogramm droht mangels Schwimmmeistern auszufallen. Doppelt ärgerlich, weil das neue Blockheizkraftwerk für eine konstante Wassertemperatur hätte sorgen können. Echter Luxus, zudem noch energetisch hocheffizient. Das BHKW erzeugt aus Erdgas Wärme für das Schwimmbecken und nebenbei auch noch Strom, den die Gemeinde in das öffentliche Stromnetz einspeisen kann. Eine weitere energiesparende Technik für das Schwarmer Freibad nach der Solaranlage auf dem Dach und der Absorberanlage.

Sie sind vorbereitet in Schwarme. Nur dürfen sie – Stand jetzt – ihr Freibad nicht öffnen. „Wir hoffen noch auf Lockerungen“, gibt Johann-Dieter Oldenburg die Hoffnung nicht auf. Auch nicht die auf weitere Schwimmmeister oder Rettungsschwimmer. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt Nils Igwerks. „Wir sind auch bereit, Geld dafür in die Hand zu nehmen.“

Die Gesuchten sollten innerhalb der jüngsten drei Jahre ihr Rettungsschwimmabzeichen in Silber gemacht und ihren Erste-Hilfe-Kurs vor spätestens zwei Jahren aktualisiert haben. Wer Interesse hat, im Schwarmer Freibad als Schwimmmeister oder Rettungsschwimmer einzuspringen, kann sich telefonisch bei Nils Igwerks (0 42 52 / 39 140 9), Johann-Dieter Oldenburg (0 42 58 / 12 58) oder Angela Wortmann (0 42 58 / 15 27) melden. Wortmann ist Vorsitzende des Fördervereins des Schwarmer Hallenbades.

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