Adelante-Projekt

Spanische Fachkräfte sollen Abhilfe schaffen

Bildungsträger Practigo aus Stuhr holt auch in diesem Jahr für das Adelante-Projekt junge Fachkräfte aus Spanien in die Region. Für den neuen Jahrgang werden noch einige freie Stellen in Unternehmen gesucht.
14.07.2021, 18:02
Lesedauer: 3 Min
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Spanische Fachkräfte sollen Abhilfe schaffen
Von Esther Nöggerath
Spanische Fachkräfte sollen Abhilfe schaffen

In einer Anpassungsqualifizierung sollen die spanischen Adelante-Teilnehmer vor allem praktische Erfahrungen sammeln (Symbolbild).

Daniel Bockwoldt/DPA

Stuhr. Fachkräftemangel hier, zu wenig Beschäftigungsmöglichkeiten dort: Mit dem Projekt Adelante sollen beide Probleme zusammengebracht und so eine gute Lösung für beide Seiten entstehen. Seit einigen Jahren kommen dafür schon spanische Fachkräfte, die ihre Ausbildung in Spanien erfolgreich abgeschlossen haben, nach Deutschland, um hier eine Anpassungsqualifizierung zu absolvieren und anschließend zu bleiben. Auch für dieses Jahr stehen bereits wieder 30 Spanier in den Startlöchern, wie Marc Oliver Schneider berichtet. Er ist Geschäftsführer der Firma Practigo aus Stuhr, die sich als Projektträger um die Neuankömmlinge kümmert.

"In Spanien ist die Berufsausbildung meistens sehr schulisch", erklärt Schneider. Daher würden die Teilnehmer des Projektes bei der Anpassungsqualifizierung entsprechend praktische Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen sammeln können. "Über das Projekt werden fehlende, praktische Inhalte vermittelt", so Schneider. In Absprache mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover werden dabei die Lerninhalte festgelegt, die für eine volle Gleichwertigkeit des Berufsabschlusses notwendig sind. "In Spanien gibt es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit", erklärt Schneider. Daher gebe es oft nicht die Möglichkeit für die jungen Fachkräfte, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Derzeit lernen die 30 Teilnehmer noch Deutsch in Spanien. Bis August sollen sie so auf das Niveau B1 gebracht werden. Anschließend geht es für sie Mitte August nach Deutschland. "Wir haben extra zwei Wochen Quarantäne im August eingeplant, für den Fall", berichtet Schneider. Practigo kümmert sich auch um die notwendigen Unterkünfte und unterstützt bei Behördengängen. Auch gemeinsame Aktivitäten plant der Projektträger mit den Teilnehmern. "Durch die Corona-Krise ging das jetzt aber auch weniger gut", so Schneider.

Generell hat die Corona-Krise das Projekt im vergangenen Jahr ins Stocken gebracht. "Durch Corona hat sich alles etwas verzögert", sagt Schneider. Eigentlich sollten die neuen Teilnehmer 2020 bereits im Mai nach Deutschland kommen, das ging dann aber wegen der Pandemie erst ein halbes Jahr später. "Generell gab es erschwerte Bedingungen", erklärt Schneider. So habe es Homeoffice nicht einfacher gemacht, Leute anzulernen.

Für den nächsten Jahrgang zeigt sich Schneider aber optimistisch. Nach ihrer Ankunft in Deutschland geht für die Teilnehmer im September dieses Jahres zunächst eine Praktikumsphase los, in der diese in ihren jeweiligen Betrieb hineinschnuppern können. Wenn dann alles passt, beginnt einen oder zwei Monate später die Anpassungsqualifizierung, die noch einmal zwölf Monate in Anspruch nimmt. "Wir sind währenddessen sowohl für die Teilnehmer als auch die Unternehmer als Ansprechpartner da", betont der Practigo-Chef.

Und auch danach entscheiden sich viele der jungen Fachkräfte, vor Ort zu bleiben. "Übernahme-Angebote bekommen eigentlich fast alle", hat Schneider festgestellt. So würden gut 90 Prozent der Teilnehmer auch in dem jeweiligen Betrieb bleiben. "Es gibt nur wenige, die vielleicht abbrechen oder wieder nach Hause zurück wollen", erklärt Schneider. "Der Traum dieser Menschen ist es ja, sich eine Zukunft aufzubauen in dem Beruf, den sie gelernt haben. Und diese Möglichkeit gibt es in Spanien nicht immer."

Von den 30 Teilnehmern kommen 24 nach Niedersachsen, 18 davon sind auch bereits in einem Betrieb untergebracht. Auch fünf Stuhrer Unternehmen haben sich wieder dazu entschlossen, einen der jungen Fachkräfte aus Spanien aufzunehmen. Für einige Teilnehmer des Projektes werden aber auch noch Plätze benötigt. Für Fachinformatiker Anwendungsentwicklung sowie Systemintegration, für technische Produktdesigner, Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker sowie Elektroniker Betriebstechnik werden noch passende Firmen gesucht.

Auch Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier begrüßt das Projekt. "Das wird unser Fachkräfteproblem nicht lösen, aber es trägt eben als ein Baustein mit zur Lösung bei", erklärte Wimmelmeier. "Für uns ist das ein Zugewinn, weil es vielleicht die ein oder andere Lücke beim Fachkräftemangel schließt. Ich kann nur alle Betriebe dazu ermuntern, daran teilzunehmen, um eben auch Nachwuchs für später zu generieren."

Zur Sache

Interessierte können sich melden

Wer Interesse daran hat, eine der jungen Fachkräfte aus Spanien im Rahmen des Adelante-Projektes bei sich im Unternehmen aufzunehmen, kann sich dafür an Oliver Schneider oder Hendrik Meyer vom Projektträger Practigo wenden. Schneider ist erreichbar unter der Rufnummer 0421/40897721 oder per E-Mail an oliver.schneider@practigo.com. Hendrik Meyer können Interessierte telefonisch unter 0421/40897711 oder per E-Mail an hendrik.meyer@practigo.com kontaktieren.

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