Lise-Meitner-Schule Moordeich

Auf den Spuren von Rainer Maria Rilke

Der Dichter Rainer Maria Rilke stand am Freitagabend im Mittelpunkt des literarisch-musikalischen Abends an der Lise-Meitner-Schule in Moordeich. Schüler und Lehrer präsentierten den Lebensweg Rilkes.
24.03.2019, 16:50
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Von Anke Bayer-Thiemig
Auf den Spuren von Rainer Maria Rilke

Lehrer Juraj Sivulka und seine Schüler brachten dem Publikum den Dichter Rainer Maria Rilke näher.

Jonas Kako

Stuhr-Moordeich. Literaturgeschichte muss nicht langweilig sein. Das beweist Juraj Sivulka seit fast 20 Jahren. Der Pädagoge an der Lise-Meitner-Schule Moordeich lebt die Poesie und hat sich mithilfe von Schülern erneut mit einem deutschen Dichter auseinandergesetzt. Seine Wahl fiel auf den 1875 geborenen Rainer Maria Rilke. „Rilke schreibt für mich die schönste Poesie, wie von einem anderen Stern“, schwärmte Sivulka und fügte hinzu: „Ich liebe seine Gedichte.“

Schon früh waren viele der Plätze in der Aula der Schule besetzt. An die 100 Besucher hatten sich eingefunden, darunter auch Lehrer und Mitschüler. Denn nicht nur Sivulka befand sich am Freitagabend auf der Bühne. An seiner Seite standen die Schülerinnen Elisa Gluschke und Anna Kauf, denen kein Hauch von Aufregung anzumerken war. Mit Rainer Maria Rilke, der eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke hieß, wurde ein Dichter gewählt, der den Nerv des Publikums vor mehr als 100 Jahren ebenso erfolgreich traf wie heute.

Den Werdegang des bedeutenden Dichters der Moderne gestalteten die Protagonisten abwechslungsreich, pickten wichtige Meilensteine des Poeten heraus und fügten sie zu einer malerischen Erzählung zusammen. Sichtbar machten der Lehrer und die Schülerinnen eine ebenso egoistische wie bindungsunfähige Person auf der rastlosen Suche nach eigener Identität. Scheidungswaise, der Vater eine gescheiterte Existenz, selbstsüchtige Mutter, die den Jungen als Ersatz für die fehlende Tochter in Mädchenkleider steckt, Militärrealschule. Es ist die „brutale Knechtung seiner Natur“, die aus dem 1875 in Prag geborenen Jungen jenen Außenseiter macht. Frauen säumten sein Leben, darunter Namen wie Valerie David-Rhonfeld, Lou Andreas-Salomé („Sie wird seine Lehrerin, Geliebte, sein Mutterersatz, er hört auf zu rauchen und wird Vegetarier“, so Sivulka), Paula Becker (später Modersohn-Becker), Clara Westhoff (Ehefrau und Mutter der Tochter Ruth), Marie von Thurn und Taxis und viele mehr.

Fast immer verliebte er sich schnell, erkannte aber erst spät, dass er „die Liebe nicht konnte“. „Ihre Zuneigungen inspirierten ihn“, so Sivulka angetan. Der Deutsch- und Sportlehrer gilt als Fan der deutschen Klassik. Rilke war Zeit seines Lebens ein Wandervogel. Worpswede, Paris, Triest, Wien und München waren einige Stationen bevor er in die Schweiz zog. Immer wieder kränkelte er, hatte zudem Angst und Depressionen. Als er sich an einer Rose verletzte, wurde Leukämie diagnostiziert. 1926 starb er in Val-Mont bei Montreux. Die selbst verfasste Inschrift auf Rilkes Grab lautet: „Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.“

Spätestens als Bernhard Schencke und die Schüler Teresa und Simon Nguyen, Katharina und Juliane Schüler und Charlotte Richter mit Klavierstücken das zweistündige Programm unterstrichen, waren die Zuhörer von der offensichtlichen Dramatik restlos begeistert. Bei soviel Gedankenschwere kam ein leichtes Gläschen Sekt oder Saft zur Pause durchaus passend.

Unerwähnt soll nicht bleiben, dass die Schüler Phil Wassersleben, Kevin Ansorge, Melvin Moschkau, Maximilian Fuchs und Ben Hake-Söhle für den richtigen Ton, das passende Licht und die Präsentation gesorgt haben. „Technisch so ausgetüftelt!“, kam es zuvor begeistert von Sivulka. „So schöne Worte. Wir sind ganz begeistert“, fand eine Zuschauerin, die schon oft Werke von Rilke las. „Ein Stück gesprochen zu hören, ist ein ganz anderes Erlebnis“, schwärmte eine weitere Besucherin. Und immer wieder war zu hören: „So einen Deutschunterricht hätte ich mir auch gewünscht." Musik und Poesie in perfekter Übereinstimmung. Es hätte dem Dichter gefallen.

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